"NO PULP IN THE FICTION 2":                                          Kapitel "DEATH PROOF - TODSICHER" (TEILE 1.3.1 & 1.3.2) [EXPLICIT CONTENT]

 

LEBANON, TENNESSEE 14 months later“ [Einblendung über schwarzem Hintergrund] – Die Sequenzen, die dann gezeigt werden, sind zunächst allesamt in Schwarz/Weiß gefilmt. Stuntman Mike, nach seinen Taten in Texas wieder „Back in Shape“ und anscheinend wiederum „on the hunt“ [Skript], fährt mit seinem „brand new Death Proof muscle car“ [QT-Skript] eine Straße in Tennessee entlang und parkt schließlich auf dem Parkplatz eines „Circle A convenience store“ [Skript], einer Art von Gemischtwarenladen.

Ganz in der Nähe von Stuntman Mike’s Auto steht noch ein anderer Wagen, ein 1972er Ford Mustang Grande, in dem sich drei Frauen befinden, nämlich „a pretty black girl“ [Skript] namens KIM (eine Stuntfrau), das „young pretty starlet“ [Skript] LEE, das, aus welchen Gründen auch immer, gerade eine Cheerleader-Uniform trägt, sowie die momentan auf der Rückbank schlafende Make-up & Hair-Stylistin ABERNATHY – Abernathy’s nackte Fußsohlen sind im hinteren Autofenster, das geöffnet ist, zu sehen, da sie im Wagen gerade eine dementsprechende Schlafstellung einnimmt [„[…] the two bare feet sticking out of the backseat driver’s side door“; QT-Skript].

Die Frauen, allesamt Teil einer Filmcrew, die bei Dreharbeiten „on Location“ in Tennessee ist, haben offenbar die Nacht durchgefeiert und haben nun, im „early morning light“ [Skript], dementsprechend auch etwas von „vampires“ [Skript] an sich.

Stuntman Mike beobachtet „his new 3 girls“ [Skript] vom geöffneten Fenster seines Autos aus und belauscht deren Gespräche, die sich zunächst um Lee’s sexuelle Erlebnisse mit einem Set-Elektriker namens Bruce drehen, der aber offenbar dem Schauspieler Dwayne „The Rock“ Johnson ähnlichsieht und deswegen auch von allen als „the Rock“ [Skript] bezeichnet wird [KIM: „Wie küsst dieser Rock?“ / LEE: „Unheimlich gut. Er hat butterweiche Lippen und kann mit seinen Händen umgehen. […] Und er ist groß, er dreht mich mit dem Rücken zu ihm und dann legt er mir seine riesen Hand um den Hals, zieht meinen Kopf zurück, beugt sich über mich und küsst mich von hinten“ / KIM: „Scheiße Mann, das klang sexy“], bevor man erfährt, dass die Frauen auf dem Weg zum Flughafen sind, um eine Freundin, die Stuntfrau Zoe, abzuholen.

Kim geht schließlich in den Store, um ein paar Getränke zu besorgen. Lee setzt sich in der Folge auf die Fahrerseite und hört mit ihrem iPod Musik und singt begeistert einen Song mit. Stuntman Mike verlässt sein Auto und geht zu dem Auto der Frauen, was weder von der singenden Lee noch von der einkaufenden Kim im Store und schon gar nicht von Abernathy, die nach der durchfeierten Nacht immer noch irgendwie „dead to the world“ [Ausdruck im Skript] ist, bemerkt wird. Der Stuntman scheint wiederum vor allem von Abernathy’s nackten Füßen fasziniert zu sein [„He looks […] to sleeping beauty, and the pretty bare feet he’s close enough to touch“; Skript].

Dann berührt er einen Fuß vorsichtig mit seinem Zeigefinger [zugehörige Skript-Passage: „Taking his index finger, he runs it down the bare sole of Abernathy’s foot“], was lediglich zu einer Art „Reflex“ bei der immer noch schlafenden und außerdem eine Schlafmaske tragenden Abernathy führt. Stuntman Mike, der zuvor auch seine Autoschlüssel auf den Asphalt in der Nähe des Ford Mustangs geworfen hat, versucht sein Glück nochmal – „Time to press his luck“ [Skript].

Diesmal fährt Stuntman Mike mit dem Zeigefinger über Abernathy’s Zehen, was aber eine Reaktion bei ihr hervorruft und sie aufschrecken lässt [„This makes Abernathy stir and remove her feet from the window. […] Her eyes pop open, and she sits up abruptly“; Skript] – sie entfernt sich die Schlafmaske von den Augen.

Stuntman Mike tut so, als hätte er bloß seine Autoschlüssel verloren und wäre beim Suchen zufällig gegen ihre Füße gelaufen, bevor er die Schlüssel wieder vom Asphalt aufhebt [STUNTMAN MIKE: „Wo sind denn meine Schlüssel, verdammte Scheiße?! Ah, da sind sie ja...“] und sich zurück in sein Vehikel setzt. Die iPod-hörende Lee bemerkt Abernathy und entschuldigt sich bei ihr, dass sie sie aufgeweckt hat, doch Abernathy informiert sie über den wahren Grund ihres Erwachens und erzählt ihr von dem „gruseligen“ Erlebnis, das sie soeben hatte [ABERNATHY: „Der Typ da ist bloß gegen meine Füße gelaufen. […] Weiß auch nicht, war irgendwie gruselig“].

Ein Motorengeräusch ertönt – Stuntman Mike hat seinen Muscle Car gestartet [„Just then Stuntman Mike’s muscle car ROARS to life, he REVS IT UP, vibrating next to the two girls“; Skript] und rast schließlich vom Parkplatz davon [Kommentar von LEE bezüglich der Aktion, mit Bezug auf den offensichtlichen „Komplex“ des Fahrers - gemäß Skript: „Little dick“/dt. Synchro: „Klein, sehr klein“].

Wenig später fällt Abernathy der Wagen von Stuntman Mike gleich nochmal auf, denn als sie beim Kofferraum des Ford Mustangs steht und eine Zigarette raucht, tritt Stuntman Mike, sich bereits in einiger Entfernung zu dem Parkplatz und auf dem Highway befindend, wiederum aufs Gas seines „new badass muscle car[s]“ [Skript] und fährt dann gleichsam „demonstrativ“ davon, wiederholt also somit ein „Ritual“, das er sozusagen „14 Monate zuvor“ auch vor dem „Guero’s“ unter den Augen von Arlene gemacht hat – und auch Abernathy’s Blick gleicht ein wenig dem besagten „Final Girl in einem Slasher-Film“-Blick ihrer „Vorgängerin“.

Am Ende dieser Abläufe verschwindet auch das Schwarz/Weiß und der Film wird wieder zum „Farbfilm“.

Als sich Abernathy dann selbst im Store befindet, um noch Geld aus einem Bankomaten abzuheben, erhält sie einen Anruf von Lee [„Abernathy gets her money when her phone rings. It’s whistling Bernard Herrmann’s theme from `Kill Bill`“; Skript; Anm.: Gemeint ist hier Bernard Herrmann’s unheimlicher „whistling tune“ „Twisted Nerve“, der in Kill Bill – Volume 1 den „Walk“ von „Elle Driver“ Daryl Hannah durch den Gang jenes Krankenhauses begleitet, im dem „Die Braut“ Uma Thurman im Koma liegt], die sie bittet, dass sie ihr aus dem Laden eine aktuelle Ausgabe des Mode-Magazins „Allure“ mitbringen soll, in dem sie abgebildet ist. Zurück zu Lee kommt Abernathy dann aber nicht nur mit dem Allure-Magazin, sondern letztendlich auch mit einer 27 Dollar teuren Ausgabe von „this month’s Italian Vogue“ [ABERNATHY zu LEE - gemäß Skript], die sie sich von dem Angestellten des Ladens, der damit offenbar eine Art „Schwarzmarkthandel“ betreibt, hat andrehen lassen, da eben „an issue of Italian Vogue in Lebanon, Tennessee“ [ABERNATHY zu LEE - gemäß Skript] zu bekommen quasi einem „Wunder“ gleichkommt.

EXT. AIRPORT–DAY“ [QT-Skript] – Die Perspektive/der Fokus einer Fotokamera: Abernathy, Kim, Lee & „the bouncy, athletic […] Kiwi, ZOE BELL [Skript; bouncy: quietschvergnügt; Anm.: Die aus Neuseeland stammende Stuntfrau Zoe Bell, die z. B. auch Uma Thurman in den beiden Kill Bill-Filmen gedoubelt hat, spielt sich in Death Proof - Todsicher also selbst], welche soeben von den dreien am Flughafen abgeholt wurde, gehen über den Parkplatzbereich des Airports und werden dabei von Stuntman Mike aus einiger Entfernung beobachtet und nacheinander [„SNAP ZOOM and FREEZE FRAME to each girl in turn“; Skript] fotografiert [STUNTMAN MIKE – aus dem Off & während des Fotografierens: „Hab euch“].

Zum Schluss der Stalking-Aktion sieht man Stuntman Mike selbst, wie er bei seinem Auto steht und mit der Kamera hantiert – „Stuntman Mike lowers the camera from in front of his face, […] (he’s back in business)“ [Skript-Passage].

 

 

 

In dem von Kim gesteuerten Ford Mustang [„The four girls are packed in the car“; Skript] erfährt die Stuntfrau Zoe zunächst, dass alle drei Frauen, Abernathy, Lee & Kim, „off duty for the next three days of shooting“ [ABERNATHY – gemäß Skript] sind, also, aus diversen Gründen [ABERNATHY – gemäß Skript: „Well, I’m doing Lindsay Lohan’s makeup, and she’s off for the next three days […]“], drei Tage frei haben.

Dann werden die Dreharbeiten sowie verschiedene Vorkommnisse rund um die Dreharbeiten zu dem „neuen Cecil Evans-Films“ in Tennessee näher besprochen [ZOE: „Und wie sind die Dreharbeiten?“ / ABERNATHY: „Super. Macht richtig viel Spaß. Der Regisseur, Cecil Evans, ist toll. Wir machen den coolsten Film überhaupt und feiern jeden Tag“], wobei, unter anderem, auch die Tatsache erwähnt wird, dass Abernathy offenbar eine Beziehung mit dem Regisseur Evans hatte, also so etwas wie dessen „set wife“ [KIM – zu ABERNATHY & gemäß Skript] war, was Abernathy dazu bringt, zu betonen, dass die Beziehung vorbei ist und Evans momentan offenbar eine Affäre „mit dem Lichtdouble von Daryl Hannah“ hat [ABERNATHY – gemäß Skript: „[…] if he’s so in love with me, then why did he fuck Daryl Hannah’s stand-in?“].

Anschließend wird die Konversation dann in einem „COFFEE SHOP“ [QT-Skript] weitergeführt, in dem die Frauen, wie man bald im Hintergrund bemerkt, auch von Stuntman Mike beobachtet werden, der an der Theke sitzt und eben immer wieder, in bekannter Manier, den Tisch von Abernathy & Co im Auge hat (wenn er nicht gerade so tut, als ob er eine Zeitung lesen würde).

Im Laufe des „Kaffeehaus-Gesprächs“ kommt zunächst ans Tageslicht, dass Kim seit einiger Zeit eine Pistole, eine „Roscoe“ [Quelle: Skript; roscoe: alter Ausdruck für eine „handgun“], in einer Art Knöchelholster am Körper trägt [LEE: „You carry a gun?/ KIM: Uh – huh“ / LEE: „Do you have a license to carry it?“ / KIM - sarkastisch: „Yeah, when I became a Secret Service agent, they gave me a license“; Dialog gemäß QT-Skript].

Dann geht man den Plänen der aus Auckland stammenden Neuseeländerin Zoe für ihren USA-Aufenthalt nach, die ihren drei Begleiterinnen mitteilt, dass sie unbedingt einen Dodge Challenger fahren will [ZOE: „Also, ich finde, wenn man schon in Amerika ist, dann muss man auch `n Muscle Car fahren. Ich will einen Dodge Challenger fahren […]. […] Einen von 1970 mit `nem 440er Motor“]. Diesbezüglich hätte sie auch schon diverse Recherchen in einer Lokalzeitung durchgeführt, der „Lebanon News Sentinel“ [Quelle: Skript], und wäre in den Kleinanzeigen fündig geworden, wo „some guy“ [ZOE – gemäß Skript] tatsächlich einen „1970 Dodge Challenger with a 440 engine, and a white paint job[weißer Lackierung]“ [ZOE – gemäß Skript] zum Verkauf anbietet.

Allerdings will sie den Wagen nicht kaufen, sondern lediglich eine Testfahrt machen, da der besagte Dodge Challenger ein in „Insiderkreisen“ berühmtes „Film-Auto“ ist, dem durch das US-Roadmovie „Vanishing Point“ von 1971 ein Denkmal gesetzt wurde, wo der Dodge von dem durch Barry Newman verkörperten Vietnam-Kriegs-Veteranen & Ex-Polizisten „Kowalski“ gesteuert wird, der sich mit der Polizei nach und nach eine ausgedehnte & wilde Verfolgungsjagd liefert, während er den Wagen quasi „in Rekordgeschwindigkeit & unter Amphetamin-Einfluss“ von Denver nach San Francisco überführen will [Auszüge aus der „Vanishing Point“-Diskussion: ZOE: „Ein 1970er Dodge Challenger und auch noch komplett in Weiß?“ / KIM – den Hinweis plötzlich kapierend: „OhKowalski“ / ZOE: „Kowalski aus `Fluchtpunkt San Francisco`. Fuck, das ist der Klassiker“ / ABERNATHY: „Was ist `Fluchtpunkt San Francisco`?“ / ZOE: „[…] Aby, eigentlich bin ich hier die Bildungsniete. Das ist einer der besten amerikanischen Filme, die je gemacht wurden“; Anmerkung: Den 1971er-Kult-Film Vanishing Point/dt. Verleihtitel: Fluchtpunkt San Francisco von Richard C. Sarafian, im Übrigen angeblich auch einer von Steven Spielberg’s Lieblingsfilmen und eben laut Tarantino „one of the best American Movies ever made“ (Skript-Version des ZOE-Sagers), haben im Laufe der Jahre zahlreiche Künstler mit Hommagen bedacht - so zum Beispiel auch die US-Rockband Guns N‘ Roses, die in ihren Song „Breakdown“, enthalten auf dem Album „Use Your Illusion II“ von 1991, die bekannte „The Last American Hero“-Speech des von Cleavon Little gespielten farbigen Radio-DJs „Super Soul“ aus Vanishing Point eingebaut hat, der die Fahrt & Flucht von Kowalski im Film sozusagen irgendwann im Radio „mitkommentiert“, und das äußerst „Polizei-kritisch“, wobei der Text der „Radio-Ansprache“ in dem genialen „Breakdown“ aber von Guns N‘ Roses-Sänger Axl Rose selbst vorgetragen wird – „There goes the Challenger being chased by the blue blue meanies on wheels […] / The police cars are getting closer-closer… / Closer to our soul hero in his soul mobile […] / They gonna get him […] / The last beautiful free soul on this planet“ (aus: Vanishing Point bzw. „Breakdown“ – Text gemäß „Use Your Illusion II“-CD-Booklet)].

Zum Schluss betont Kim noch, dass es eigentlich kein Wunder ist, dass Abernathy & Lee keinerlei Ahnung von „Fluchtpunkt San Francisco“ haben, da sie selbst & Zoe nun mal Stuntfrauen und „Autofreaks“ [KIM] seien und die beiden anderen offenbar damit aufgewachsen sind, sich diesen „`Pretty in Pink` shit“ [KIM – gemäß Skript; Anm.: Gemeint ist die John Hughes-written und Howard Deutch-directed romantische Komödie Pretty in Pink aus dem Jahre 1986 mit Molly Ringwald & Andrew McCarthy] anzusehen – und nicht aufregenden „car shit“ [KIM – gemäß Skript] wie etwa „Fluchtpunkt San Francisco“, „Kesse Mary – Irrer Larry“ (1974) oder „Nur noch 60 Sekunden“ (1974) [Nachsatz von KIM bezüglich des letztgenannten Films: „[…] das Original, nicht diesen Angelina Jolie-Bullshit“].

Bei diesem letzten Abschnitt des Gesprächs bemerkt man, dass Stuntman Mike’s Sitz an der Theke plötzlich frei ist und er den „Coffee Shop“ offenbar wieder verlassen hat.

 

 

 

(ENDE von TEIL 1.3.1 & von TEIL 1.3.2; Fassungen vom 09.01.2021 & 12.01.2021)