ALFRED HITCHCOCK-"BONUS TRACK 4": "VERDACHT / SUSPICION" (TEILE 1.5.1 - 1.6.3)

 

„The first round of suspicion is triggered“. Nach einem Zeitsprung sieht man... „You are repressed, but you are remarkably dressed“ [Copyright: Morrissey] ...Lina bei der Rückkehr von einem Ausritt mit ihrem „horse“.

Als sie das Haus betritt, befindet sich dort ein „guest“, der... „We hate it when our friends become successful / We hate it when our friends become successful“ [Copyright: Morrissey] ...sofort den „georgianischen Stil“ der Immobilie lobt [GUEST: „[...] Ich wette, es hat ein Vermögen gekostet das herzurichten“].

„Who are you?“ – Lina möchte schließlich wissen, wer der Gast überhaupt ist, der soeben ihr „hübsches Haus“ gelobt hat, und der Mann behauptet, er wäre „Beaky“ Thwaite [gespielt von Nigel Bruce, der eben auch in Rebecca mit von der Partie war].

Der Hausherrin... „Beaky? Oh yeah, Beaky“ ...kommt der Name bekannt vor, denn bei „Beaky“ Thwaite handelt es sich um einen „old friend“ von „Johnny“, der meint, er wäre „vorbeigefahren“ und wollte sich mal eben kurz „blicken lassen“. Allerdings, so erwähnt er ebenfalls, habe er „Johnny“ ohnehin „vorige Woche auf der Rennbahn in Newbury getroffen“.

„The Races?“ – Lina gefriert nach dieser Nachricht das Lächeln, wobei „Beaky“ das Gefühl hat, dass er sich „verplappert“ hat, und nachfragt, ob „Johnny“ ihr denn „nichts davon erzählt habe“ [Reaktion von LINA: „Johnny hat doch seine Arbeit, er kann unmöglich zum Rennen gegangen sein. Außerdem will er nicht mehr wetten“].

Thwaite hält „Johnny’s Aussagen“ für „unglaubwürdig“, weil „das Wetten“ offenbar „zu seinen Leidenschaften“ gehört [Nachsatz von BEAKY THWAITE: „[...] Sie dürfen ihm nicht gleich böse sein. So etwas gehört nun mal zu Johnny“].

Daraufhin bittet sie „Beaky“, sich zu setzen, aber gleichzeitig merkt Lina, dass...die „two chairs“, die beiden „expensive museum pieces“, verschwunden sind [LINA: „Ja, hier standen doch heute früh, als ich aus dem Haus ging, noch zwei Stühle. [...] Wo können sie nur sein?“].

That Johnny’ll be the death of me“... Thwaite meint zunächst, mit einem „smile in his face“, dass ihn „dieser Johnny“ nochmal umbringen werde, und dann gibt er sich erstaunt über Lina’s „Naivität“ [BEAKY THWAITE: „Ich wette 20:1, dass er sie verkauft hat“].

Lina scheint den Grund für eine solche „Aktion“ nicht recht zu verstehen, aber „Beaky“ „opens her eyes“ und spricht von einer „Geldbeschaffungsaktion“ [BEAKY THWAITE: „[...] Was denken Sie? Der Bursche hat doch wieder Wettschulden. Er hat neulich in Newbury eine ganz schöne Pechsträhne gehabt, das kann ich Ihnen sagen. Und die Buchmacher, die warten nicht lange auf ihr Geld. Und schon gar nicht bei so einem wie Johnny“; // Anmerkung: Exkurs: „Gambling / Card Playing Professionals“: „LANCEY HOWARD EDWARD G. ROBINSON: „[...] Man braucht allerdings gute Nerven. Man verliert leicht das Kartengefühl, wenn man so viele Spiele macht, tagein, tagaus. Da müssen die Nerven standhalten. Wie steht’s mit Ihren, Kid?“ / „CINCINNATI KID STEVE MCQUEEN: „Viele haben schlechtere“ / LANCEY HOWARD: „Ja, ich möchte Sie aber nicht aufhalten. Vielleicht haben Sie etwas Besseres vor? [...] Die Freundin wartet vielleicht“ /

CINCINNATI KID: „Nein, nein“ / LANCEY HOWARD: „Haben Sie keine Freundin?“ / CINCINNATI KID: „Ja, aber sie ist augenblicklich nicht in New Orleans“ / LANCEY HOWARD: „Sie haben doch hoffentlich keinen Kummer? Ja, ja, die Frauen können in unserem Geschäft ein Problem werden. Für mich, in meinen Jahren, ist es selbstverständlich nur noch eine akademische Frage, aber zurückblickend mein ich, es ist das Beste, keine feste Bindung einzugehen, man sucht sich ein nettes Mädchen, wenn man gerade nicht spielt und...so etwas erledigt sich dann von selbst“ (aus: Cincinnati Kid; „psychologische Kriegsführung“ eines „alten Meisters“: Gespräch in einer Pause des Pokerturniers zwischen dem „Meister / `The Man`“ Edward G. Robinson und dem „Herausforderer“ Steve McQueen, wobei Robinson ständig versucht, irgendwelche „Schwachpunkte“ seines größten Gegners in diesem Pokerspiel herauszufinden) – im selben Jahr angesiedelt wie Hitchcock’s Verdacht, nämlich 1936, ist auch „The Cincinnati Kid“ (OT), Norman Jewison’s exzellenter Film über das Duell zweier „card playing professionals“, wobei das Werk, wenn man so möchte, auch ein beeindruckendes Duell zweier Schauspielgenerationen darstellt, denn McQueen galt seinerzeit, 1965, als gefeierter Shooting-Star einer neuen „acting generation“ und Edward G. Robinson (1893 – 1973) war längst eine lebende Legende; „After the game, I’ll be `The Man`. I’ll be the best there is. People will sit down at the table with you. Just so they can say they played with `The Man`. And that’s what I’m gonna be, Christian“ (McQueen im Original zu seinem „`girlfriend` Christian“ Tuesday Weld bezüglich seines Plans, die „Nr. 1 in Sachen Poker“ zu werden) – zur Story: Eric Stoner aka „Cincinnati Kid“ ist ein „young poker player“, der in New Orleans bereits als „der beste Spieler der Stadt“ gilt, was aber nicht heißt, dass er sich beim Kartenspielen nicht mit irgendwelchen „zwielichtigen Gestalten aus der Unterwelt“ in düsteren Hinterzimmern herumschlagen muss, die sich an ihm rächen wollen, wenn er sie besiegt hat (Dialog aus der ersten „Gambling Scene“ des Films: „Card Player & Some Kind of Gangster“: „Und ich behaupte, das Blatt ist von dir gezinkt, Kid“ / McQueen: „Ich brauch kein schmutziges Blatt, um dich fertigzumachen“); als „the legend“ Lancey Howard in die Stadt kommt, so etwas wie der  „King of Gamblers“, will „Kid“ unbedingt gegen ihn spielen, um selbst „The Man“ zu werden, „der Meister“, wie man Howard nennt (Dialog zwischen „Shooter“ Karl Malden & Steve McQueen: Malden: „Ich hielt mich für den raffiniertesten Stud-Poker*-Spieler, den es gibt“[*Pokervariante mit einigen offenen & verdeckten Karten] / McQueen: „Und ich bin es, Shooter, du weißt, dass ich es bin“ / Malden: „Ich weiß, wozu du das Zeug hast, Kid. Aber der Chef, der unbesiegte Meister ist immer noch er, verstehst du? Es ist viel, was er zu verteidigen hat. Er wird alle bekannten Tricks und ein paar unbekannte anwenden, um dich zu erledigen“ / McQueen: „Ich will keinen Unterricht von ihm, Shooter, ich will alles, was er hat“); privat ist „Cincinnati Kid“ mit Christian liiert, einer „young countrywoman“ (Dialog zw. McQueen & Tuesday Weld: McQueen: „Was hast du heute gemacht?“ / Weld: „Oh, ich bin im Kino gewesen, und da haben sie nur Französisch geredet“), die aber unter „Kid’s „Distanziertheit“ leidet sowie darunter, dass für „Kid“ eben das Pokern das Allerwichtigste ist (McQueen: „Das hab‘ ich mit keinem Wort gesagt“ / Weld: „Du hast noch nie ein Wort gesagt. Über uns“); als der wohlhabende und korrupte Geschäftsmann William Slade (Rip Torn) gegen Lancey Howard in einer privaten Pokerrunde viel Geld verliert (Edward G. Robinson zu Rip Torn, nachdem er ihn gerade besiegt hat: „Ich freue mich, jemandem zu begegnen, der weiß, dass für den wahren Spieler das Geld nicht Selbstzweck ist, sondern nur ein Mittel, das dem Zweck dient, wie etwa die Sprache dem Gedanken. [...]“), will Slade unbedingt, dass „The Kid“ bei dem bevorstehenden Turnier gegen Howard gewinnt; zu diesem Zweck soll der ehemalige Profi „Shooter“, der beim Kartenspiel als Geber fungieren wird, „Kid“ die ein oder andere vorteilhafte Karte zuschanzen, und im Gegenzug dazu verspricht Slade „Shooter“, der diesen Betrug zunächst nicht ausführen möchte, dass er ihm seine Schulden erlassen sowie keine „Ruf-schädigenden“ bzw. „damaging“ „informations“ bezüglich „Shooters“ „sleazy wife“ Melba an die Öffentlichkeit bringen wird (Rip Torn zu Karl Malden bezüglich Edward G. Robinson: „Dafür will ich diesen eingebildeten Affen erledigt sehen“); Melba ihrerseits, sozusagen „always willing to gamble with someone elses life“, hält ihren Ehemann für einen „loser“ und von Christian Rudd, von „the girl who really loves `The Kid`“, mit der sie befreundet ist, hält sie in Wahrheit genauso wenig (Ann-Margret zu Steve McQueen bezüglich Tuesday Weld: „Was bringt dieses komische kleine Mädchen vom Lande an dir zum Vorschein?“); allerdings erteilt ihr auch „Cincinnati Kid“, zunächst, eine Abfuhr (Dialog nach dem „Korb“: Ann-Margret: „Ich hoffe, dass du verlierst!“ / McQueen: „Danke, Baby“); letztendlich kommt „der große Tag“ und „Kid“ will, im „Apartment 2A“ im Hotel „Old Lafayette“, unbedingt die „Wachablöse“ bei dem Pokerspiel mit Lancey Howard schaffen (der um seine eigene Chancenlosigkeit wissende Mitspieler „Yeller“ Cab Calloway im Original zu McQueen vor Spielbeginn: „Kill that cat, Kid“)...; Norman Jewison, welcher McQueen dann ja auch in Thomas Crown ist nicht zu fassen so stilsicher in Szene setzte, hat mit Cincinnati Kid sicherlich eine Sternstunde der Filmgeschichte geschaffen; großartig ist allein schon der Moment, als sich, ohne, dass beide das „in this moment“ wissen, die Wege von McQueen & Robinson das erste Mal kreuzen, denn McQueen befindet sich auf der Flucht vor den Handlangern des „Gangster-Typen“, den er in der ersten Poker-Szene um einiges Geld erleichtert hat, und läuft dann an einem Zug vorbei, mit dem Edward G. Robinson gerade in New Orleans eintrifft; „Ich bin noch nicht reif für den Ruhestand“ (Copyright: „Lancey Howard“ Edward G. Robinson) – das Pokerspiel, in dem McQueen & Robinson sich duellieren, ist „spannend wie ein Krimi“ inszeniert, und ähnlich „entertaining“ sind vielleicht nur mehr die „poker games“ in Richard Donner‘s Western-Komödie Maverick (1994) mit Mel Gibson & Jodie Foster und in dem James-Bond-Film Casino Royale (2006; Regie: Martin Campbell) mit Daniel Craig & Mads Mikkelsen; mitreißend auch das Finale der „Stud Poker“-Runde, in der McQueen schon glaubt, Robinson besiegt zu haben (originales Voiceover von McQueen: „I got him. I got `The Man`“), was sich aber als glatter Fehlschluss erweist, da Robinson ihn quasi „in Sicherheit gewiegt“ und „in eine Falle“ gelockt hat (Worte von „Lancey Howard“ an „Cincinnati Kid“ Steve McQueen nach dessen Niederlage: „[...] Sie sind gut, Kid, aber solange ich in diesem Geschäft bin, sind Sie nur der Zweite, damit müssen Sie sich abfinden“); ein amüsantes „Zwischenspiel“ bildet jener Abschnitt von Cincinnati Kid, in dem McQueen seine Freundin „Christian“ Tuesday Weld quasi „zu Hause auf dem Land“ besucht und auf ihre „parents“, die unterm Strich noch „verschlossener“ als „The Kid“ selbst sind, trifft; letztendlich gelingt es ihm, das sperrige „Farmer-Ehepaar“ dadurch aufzulockern und den beiden ein Lächeln abzuringen, indem er ein paar Kartentricks vorführt; „Louisiana Rain“ heißt ein Song von Tom Petty & the Heartbreakers, und wie ich schon vor ein paar Jahren einmal in einer Arbeit über Steve McQueen festgehalten habe, gehören die Szenen von „The Cincinnati Kid“, in denen McQueen, mit seiner Lederjacke bekleidet, die ohnehin aussieht wie eine eigentümliche Mischung aus Leder- und Regenjacke, in der Nacht in New Orleans durch den „Louisiana rain“ spaziert und dabei kurz einmal durch ein Fenster hindurch der Jazz-Pianistin & Blues-Sängerin Sweet Emma Barrett und ihrer Band lauscht, zu den schönsten & poetischsten Momenten des US-Kinos der 60er-Jahre].

„I don’t believe you! I don’t believe a word you’re saying!“ – Lina ist empört über Thwaite und betont, dass sie ihm kein Wort glaube [LINA: „Wie können Sie meinem Mann so etwas nachsagen?“], aber „Beaky“ versucht sie zu beruhigen und meint, dass sie „sich das nicht so zu Herzen nehmen brauche“, denn immerhin sei „ihr Johnny“ trotzdem „ein Pfundskerl“ [BEAKY THWAITE: „[...] So einen Mann gibt es nie wieder. Na, das wissen Sie doch selbst am besten“].

„He couldn’t do so. He wouldn’t, without asking me“...Lina bringt nochmals ihre Zweifel über Thwaite’s „Johnny hat die beiden Erbstücke zu Geld gemacht“-Story zum Ausdruck, aber schließlich taucht, wie die beiden „through a window“ sehen können, Aysgarth vor dem Haus auf, und „Beaky“ bittet „Mrs. Aysgarth“, dass sie nichts von dem, was er ihr gerade erzählt hat, an „Johnny“ weitererzählt. Allerdings sagt er Lina vorher, dass sie „ihren `husband` gleich in Hochform“ erleben werde [BEAKY THWAITE: „[...] Erzählen Sie ihm nur irgendetwas über die Stühle. Ich wette, innerhalb einer Sekunde serviert er uns eine Geschichte, dass sich die Balken biegen. Ich freu mich schon drauf. [...]“].

„Johnny“ betritt das Haus und... „Everyone lies, everyone lies / Where is the man you respect? / And where is the woman you love?“ [Copyright: Morrissey] ...begrüßt zunächst „Beaky“ freudig, bevor er seine Frau begrüßt, die aber „irgendetwas zu haben“ scheint.

„What’s the matter, darling?“ – auf eine Nachfrage ihres Ehemanns hin, behauptet sie, dass „gar nichts“ sei, aber dann erwähnt Thwaite... „Your wife seems to be missing some chairs, old boy“ ...die zwei Stühle. Aysgarth geht aber nicht darauf ein und will stattdessen lieber „Beaky“ „fire“ für dessen Pfeife geben, was dazu führt, dass er ihm ein paar Zünder zuwirft.

Lina und „Beaky“ setzen sich in der Folge auf die Couch und Thwaite startet einen neuen Anlauf und wiederholt die Frage nach den Stühlen, was dazu führt, dass „Johnny“ beginnt, von einem... „Well, America, you know where / You can shove your hamburger“ [Copyright: Morrissey] ...„Amerikaner“ zu reden, den er, wie er meint, „vergessen habe zu erwähnen“ und der die Stühle „heute Vormittag“ abgeholt hätte.

„What American?“ – Lina’s Überraschung bezüglich dieses „Amerikaners“ ist groß und ihr „husband“ meint, dass dieser „vorige Woche einmal hier gewesen sei“ und im Übrigen ein Freund seines Chefs Captain Melbeck wäre [Nachsätze von JOHNNY: „Du warst, glaub ich, grad ausgeritten. [...] Er war begeistert von den Stühlen, ein kunstverständiger Bursche. Hat mir 100 Dollar pro Stück geboten. [...]“].

Lina betont, dass sie... „I wouldn’t“ ...niemals auf dieses Angebot eingegangen wäre [Reaktion von JOHNNY: „Nein, wirklich nicht, Schatz? Wenn ich das gewusst hätte, Liebling. Schade, ich hab‘ ihm gesagt, du wärst einverstanden“], scheint aber dann zu akzeptieren, dass „daddy’s chairs“ „gone“ sind [LINA: „Also gut, was hilft es? Wenn sie weg sind, sind sie weg“].

Als sich „Mr. & Mrs. Aysgarth“ dann umarmen und Lina, die immer noch in „Reitkluft“ ist, ankündigt, sich „zum Essen umziehen zu wollen“, stört „Beaky“ die plötzliche „Idylle“ dadurch, dass er ... „hold on a minute!“ ...meint, „Johnny“ solle doch den Scheck herzeigen, den er vom „American“, gemäß seiner „narrative“ bezüglich der „two chairs“, erhalten hätte müssen [Reaktion von JOHNNY: „Den schickt er ja erst“].

Thwaite will „10 Pfund gegen `one Shilling`“ darauf wetten, dass „Johnny“ nicht möchte, dass Lina „dieser Geschichte“ nachgeht, da er, „Beaky“, sich absolut sicher sei, dass Melbeck den „Amerikaner“, von dem „Johnny“ da erzählt hat, überhaupt nicht kenne [Kommentar von LINA – empört: „Wollen Sie damit andeuten, dass mein Mann ein Lügner ist, Mr. Thwaite?“].

Nachdem Lina deutlich klargemacht hat, dass sie etwas dagegen hat, dass „Beaky’s jokes“ ständig implizieren, dass ihr Mann „a liar“ sei, fragt sie nach, ob Thwaite zum Essen bleiben wolle [Antwort von BEAKY THWAITE: „Sie sind gut, ich verbringe das Wochenende hier, wenn Sie mich nicht rauswerfen“].

Lina betont abschließend, dass... „Hold on to your friends / Hold on to your friends“ [Copyright: Morrissey] ...„Johnny’s Freunde“ immer willkommen seien [Nachsatz von LINA: „Allerdings müssen es wirkliche Freunde sein“].

Die drei verlassen gemeinsam das Wohnzimmer, aber in Lina’s Gesicht macht sich eine erste Spur von „suspicion“ breit [Anmerkung: „Eine elegante Mischung aus Liebes-Desaster und Hitchcock-Thriller“: „NOLA RICE SCARLETT JOHANSSON: „Na, wer ist mein nächstes Opfer? Sie?“ / „CHRIS WILTON JONATHAN RHYS MEYERS: „Ich hab‘ schon lange nicht mehr Tischtennis gespielt“ / NOLA RICE: „Vielleicht spielen wir um 1000 Pfund pro Spiel?“ / CHRIS WILTON: „Wo bin ich da reingeraten?“ / NOLA RICE: „Wo bin ich da reingeraten?“ (aus: Match Point; der „ehemalige Tennisprofi & nunmehrige Tennislehrer“ Jonathan Rhys Meyers trifft auf einer Party die „erfolglose Jungschauspielerin“ Scarlett Johansson beim Tischtennis-Spielen und wagt ein Match gegen sie) – „PassionTemptationObsession“: wenn man den „besten ernsten Film“ auswählen müsste, den Meisterregisseur Woody Allen in seiner langen Karriere gedreht hat, dann wäre wohl sein brillantes Thriller-Melodram „Match Point“ (OT) von 2005, den ich bereits in meinem Buch „Six Movies To Be Murdered By – Das Kino des Alfred Hitchcock“ als „Meisterwerk“ und als „vergiftetes Geschenk von einem Film“ bezeichnet habe, ein „heißer Kandidat“ dafür, wobei mir persönlich letztendlich komödiantischer ausgerichtete Allen-Werke wie Der Stadtneurotiker (1977), Hannah und ihre Schwestern (1986), Ehemänner und Ehefrauen (1992), Harry außer sich (1997), Scoop – Der Knüller (2006) oder Vicky Cristina Barcelona (2008) noch ein Stück weit besser gefallen als dieser einst von der Kritik gefeierte „dunkle psychologische Thriller“ um einen Emporkömmling, dem es gelingt, sich in die Londoner High Society/Upper Class „einzuschleichen“; „It’s so hard to leave you. Beautiful woman“ (originales „Bettgeflüster“ von Jonathan Rhys Meyers zu Scarlett Johansson in Johansson‘s „cheap apartment“) – zu den Grundzügen dieser im Grunde sehr bösen Geschichte: Der Ex-Tennis-Profi Chris Wilton bewirbt sich als Tennislehrer in einem noblen Londoner Club (Meyers beim Bewerbungsgespräch zum Club-Chef, der ihn fragt, warum der das professionelle Spielen auf der Tour aufgegeben hat: „Ich hasse den ganzen Tennis-Tour-Zirkus. Das ständige Herumreisen. Ich wär‘ nie Rusedski oder Agassi geworden. Das muss man wirklich wollen. Ich hab‘ auch nicht deren Talent“); in diesem Club lernt er Tom Hewett (Matthew Goode) kennen, der aus einer „very rich“ Industriellenfamilie stammt, und freundet sich mit ihm an, woraufhin der Opern-Fan Wilton auch eine Einladung zu „a night at the opera“ mit der Familie von Tom erhält; in der Folge verliebt sich die lebenslustige Chloe (Emily Mortimer), die Schwester von Tom, der seinerseits mit Nola, einer „struggling actress from Boulder, Colorado“, liiert ist, in Wilton (Kommentar von „Eleanor Hewett“ Penelope Wilton, der Mutter von „Tom & Chloe“, bezüglich der Partnerwahl ihrer Kinder: „Chloe, sei vorsichtig. Tom lässt sich schon mit einer Frau ein, bei der ich Vorbehalte habe. Überstürze nichts“); Chloe, die tatsächlich eher „einfach gestrickt“ wirkt und überaus „pragmatisch“ daherkommt, besorgt Chris einen Job als „business man“ in der Firma ihres Vaters, doch Wilton fühlt sich vom ersten Augenblick an zu der „unbeherrschten“, sexy Nola hingezogen (Jonathan Rhys Meyers: „Hast du schon viele Filme gedreht?“ / Scarlett Johansson: „Es war ein Werbespot, kein Film. [...] Ich denke, meine Karriere ist nicht so gelaufen wie geplant“), zu der er eine Art „Seelenverwandtschaft“ spürt, da ihr ebenso wie ihm selbst der Upper-Class-Hintergrund fehlt (Dialog in einem Restaurant zwischen Meyers & Johansson bezüglich der ihm allesamt wohlgesonnenen „Hewetts“: Johansson: „Du wirst da bestimmt richtig absahnen, wenn du’s nicht vermasselst“ / Meyers: „Und wie werd‘ ich es vermasseln?“ / Johansson: „Indem du mich anmachst“); schließlich kommt es im Rahmen eines „Familienausflugs“, bei dem die Mutter von Tom & Chloe die „Schauspielerin ohne Rollen“ Nola wiederum hart kritisiert hat („Eleanor Hewett“ zu Johansson „Na ja, wenn die Zeit fortschreitet und sich nichts Entscheidendes ergibt, wie lange will man noch weitermachen, bevor man sich entschließt, etwas anderes zu versuchen? [...] Es ist besonders für Frauen ein grausames Gewerbe. Und wenn man älter wird, die Zeit vergeht und nichts passiert, wird es von Tag zu Tag härter“), zu einem „Liebesakt“ zwischen Wilton und Rice; „Das kann zu gar nichts führen“ (Johansson zu Meyers bezüglich ihrer „sexual episode“ beim „Hewett“-Landhaus) – das führt letztendlich dazu, dass Chris, der seine Büro-Arbeit als langweilig und einengend empfindet (Meyers im Bürogebäude zu seiner Sekretärin, von der er zuvor zwei Aspirin erhalten hat, und seine Krawatte lockernd: „Sagen Sie mal, Samantha, fühlen Sie sich hier drin auch klaustrophobisch?“), sich in der Folge, vor allem auch gedanklich, weit mehr mit Nola beschäftigt als mit Chloe, die ihn aber heiraten möchte und so schnell wie möglich ein paar Kinder bekommen (Emily Mortimer zu Jonathan Rhys Meyers in der gemeinsamen Wohnung: „[...] Und ich möchte drei Kinder, und zwar, solange ich jung bin. Komm schon, du schaffst das. Du hast einen mächtigen Aufschlag“); als Nola und Tom sich trennen und Nola dadurch aus Wilton’s Blickfeld verschwindet, sucht Chris sie, „totally bored“ von den zunächst erfolglosen Versuchen seiner Frau, schwanger zu werden (Meyers: „Für mich stehen Hormonspezialisten nur knapp über Medizinmännern“ / Mortimer: „[...] Ich hab‘ das Gefühl, dass es dieses Mal klappen wird“), regelrecht „obsessiv“ in halb London; nachdem Chris ihr eines Tages in der „Tate Gallery of Modern Art“ wiederbegegnet ist (Meyers: „Ich hab‘ dich gesucht“ / Johansson – „leicht aggressiv“: „Wozu?“ / Meyers: „Du bist immer noch so zornig“), beginnt eine „passionate affair“, doch als Chris durch Nola, die zunehmend „Besitzansprüche“ stellt, plötzlich sein bequemes Luxusleben bedroht sieht, heckt er einen mörderischen Plan aus...; „Hat Ihnen schon mal jemand gesagt, dass Sie ein unglaublich aggressives Spiel spielen?“ / „[...] Der Wettkampf liegt mir im Blut [...]“ (Dialog zwischen Johansson & Meyers) – nun, absolut gelungen an Allen’s Match Point, den der Regisseur in einem Spannungsfeld zwischen „Glück“ & „reinem Zufall“, zwischen „Luxus“ & „Leidenschaft“, zwischen „Unschuld“ & „Mord“ und zwischen „hot tears“ & „cold calculating“ angesiedelt hat, ist, dass darin zwei Außenseiter die „Spielregeln“ der „Upper Class“, mit der sie in Berührung kommen, nicht so recht durchhalten, wobei die „superreichen Hewetts“ rund um das „Familienoberhaupt“ Brian Cox mit ihren Anwesen, ihrem Personal und ihren Polo-Pferden, von Woody Allen keinesfalls als „bad people“ gezeichnet werden oder dergleichen, aber eben letztendlich als „snobbish“, als „diszipliniert“ und, wenn man so will, als „bürgerlich pragmatisch“ in sämtlichen Belangen, auch, was die Sexualität betrifft, wobei Jonathan Rhys Meyers und Scarlett Johansson gleichsam „die Rebellion der Outsider“ gegen diesen „pragmatism“ verkörpern, aber diese „rebellion“ führt letztendlich auch nur in ein „love-disaster“ und zu „murder“; ursprünglich hätte Allen’s Film in New York spielen sollen, doch die europäischen Geldgeber verlangten von dem Filmemacher, London als Drehort zu wählen – „Ich ließ mich also nicht lange bitten und unterschrieb, und bald wurde aus New York London, die Hamptons wurden die Cotswolds, und die Leute bestellten Fish `n` Chips statt Big Macs“ (Copyright: Woody Allen); eigentlich war Kate Winslet für die Rolle der „Nola Rice“ vorgesehen, aber als diese Allen quasi in letzter Minute einen Korb gab, fand er Ersatz in der damals 19-jährigen Scarlett Johansson, welche er in Terry Zwigoff’s gelungenem Coming-of-Age-Werk Ghost World (2001) an der Seite von Thora Birch & Steve Buscemi gesehen hatte („Sie war erst neunzehn, als wir `Match Point` drehten, aber es war alles schon da: Sie war eine aufregende Schauspielerin, der geborene Filmstar, intelligent, aufgeweckt und witzig“ – W. Allen); Allen hat immer betont, dass Match Point für ihn ein echtes Vergnügen war und seine Erwartungen übertroffen hat („Es war, als versuchten die Götter des Kinos mich für die vielen Male zu entschädigen, die sie mich schon reingelegt hatten“ – W. Allen), wobei ihm ein Moment bei der Entstehung dieses melodramatischen Thrillers, der ihn sicherlich noch ernsthafter auf die Spuren Alfred Hitchcocks geführt hat, als zum Beispiel Verbrechen und andere Kleinigkeiten (1989) oder Manhattan Murder Mystery (1993), besonders in Erinnerung geblieben ist, nämlich jener Moment, als er mit Jonathan Rhys Meyers im Studio jenen grandiosen Text aufnahm, den Meyers mit seiner wunderschönen irischen Stimme zu Beginn des Films aus dem Off spricht, als man nur ein Tennisnetz und einen Ball sieht, der in Zeitlupe mehrmals hin und her über das Netz gespielt wird, denn Allen konnte gar nicht glauben, dass diese Worte, die sich mit der Rolle des Glücks im Leben auseinandersetzen, von ihm geschrieben wurden, da sie eben aus Meyers‘ Mund wie aus der Feder eines James Joyce oder des walisischen Autors Dylan Thomas klangen: „Der Mann, der gesagt hat, ich hätte lieber Glück als Talent, hat tiefe Lebensweisheit bewiesen. Man will nicht wahrhaben, wie viel im Leben vom Glück abhängt. Es ist erschreckend, wenn man daran denkt, wieviel außerhalb der eigenen Kontrolle liegt. Es gibt Augenblicke in einem Match, da trifft der Ball die Netzkante, und kann für den Bruchteil einer Sekunde nach vorn oder nach hinten fallen. Mit ein bisschen Glück fällt er nach vorn, und man gewinnt. Oder vielleicht auch nicht, und man verliert“ (aus: Match Point); Allen hat übrigens gemeint, dass derselbe Text von ihm persönlich und nicht von Meyers gelesen einen ganz und gar nicht „James-Joyce-würdigen“ Sound besaß, sondern eher so wirkte, als wäre da „Elmer Fudd“ am Werk, also jene Zeichentrickfigur aus der Looney-Tunes-Reihe, deren Lebensinhalt es ist, dem Hasen „Bugs Bunny“ hinterherzujagen; unerwähnt im Match-Point-Zusammenhang darf auch Folgendes nicht bleiben: Jonathan Rhys Meyers‘ finaler schwermütiger Blick aus dem Fenster während einer Familienfeier, der kurz vor dem Abspann platziert ist, ist absolut bemerkenswert und gehört wohl zu den ganz großen „final looks“ der Filmgeschichte].

Nach einem Zeitsprung kommt Lina aus einem „Book Store“. Vor dem großen Schaufenster des Buchladens trifft sie... „I trust the views of certain people I know“ [Copyright: Morrissey] ...auf Isobel Sedbusk [verkörpert von Auriol Lee, die kurz nach den Dreharbeiten zu Verdacht bei einem Autounfall verstarb], eine berühmte Autorin von Kriminalromanen, dessen neuestes Werk „Mord auf der Brücke“ gerade in diesem Schaufenster ausgestellt ist [Kommentar von ISOBEL SEDBUSK: „Nett gemacht, nicht?“].

„How is Johnny?“ – da Lina und die „Lady Writer“ denselben Weg haben, erkundigt sich Sedbusk nach „Johnny“, was Lina dazu bringt, diesen als „Sedbusk-Fan“ zu outen [LINA: „Oh, vielen Dank, ich habe eben Ihr letztes Buch für ihn gekauft. Er bewundert Sie, Detektivgeschichten sind seine Leidenschaft, er hat jeden Roman von Ihnen gelesen“].

Vor einem „Antiques“-Geschäft scheint „Mrs. Aysgarth“ aber zu erstarren und als... „What’s the matter?“ ...die Sedbusk merkt, dass Lina sich plötzlich verändert hat, meint diese, dass ihr gerade etwas eingefallen sei und sie sich über etwas erkundigen möchte. Mit der Aussicht auf eine Einladung zum Essen verabschiedet sie sich von der Schriftstellerin. „What Lina saw“: In dem Schaufenster des Antiquitäten-Geschäfts befinden sich doch tatsächlich...die zwei Stühle, die Geschenke ihres Vaters General McLaidlaw!

Eine sichtlich beunruhigte Lina kehrt mit dem von ihr gekauften Sedbusk-Buch in Händen [auf dem man für die Zuschauer gut sichtbar das Wort „Murder“ als Teil des Titels erkennen kann (Anm.)] zurück nach Hause, wo sie sich „in front of the house“ umgehend bei... „I owe you an apology“ ...Beaky Thwaite entschuldigt und meint, sie habe ihm Unrecht getan.

Thwaite ortet seinerseits auf der Stelle „die Quelle des Problems“ [BEAKY THWAITE: „Nanu, was haben Sie denn? Sie sind ja ganz außer sich. Haben Sie Ärger gehabt? Natürlich, das seh‘ ich doch. Da stimmt doch wieder was nicht mit Johnny“] und wiederholt seine „opinion“, dass Lina sich auf gar keinen Fall über ihren „husband“ aufregen dürfe, weil das reine Zeitverschwendung sei [Nachsatz von BEAKY THWAITE: „Wenn Sie mir eine Standpauke halten würden, das hätte irgendwie Sinn. [...] Aber Johnny, nein, nein, nein, der meint das nicht so“].

There is something about Whitechapel. Not much, but something“ [Copyright: Morrissey (Live)] ...dann kommt „Johnny“ zurück, und das offenbar aus London. Er hat eine ganze Menge an Schachteln dabei, die er auf einen der Garten-Tische stellt, und kündigt an, dass das „today“ ein „ganz großer Tag“ sei. Bevor er aber einer verwirrten Lina und einem verwirrten „Beaky“ Thwaite erzählt, warum das aus seiner Sicht so ist, ruft er nach „Ethel, the maid“ und erkundigt sich... „La la la la la / Interesting drug“ [Copyright: Morrissey] ...nach den im Haus vorhandenen „Getränken“ [Antwort von ETHEL: „Brandy, Gin, Champagner und...äh...eine Flasche Sprudelwasser“].

Dann beginnt Aysgarth, „full of enthusiasm“, mit dem Austeilen seiner „Geschenke“, und so erhält „Beaky“ einen Spazierstock und Lina unter anderem einen Pelzmantel [JOHNNY: „Und nun, Schätzchen, werd‘ ich dir was zeigen. Den hast du doch so sehnsüchtig angesehen, als wir das letzte Mal in London waren. Der gehört dir“] sowie diverse Hüte.

„Mrs. Aysgarth“ ist völlig ratlos... „Johnny, ich versteh dich einfach nicht. Was bedeutet das alles?“ ...aber „the next present“ ist sogar „ein lebendiges“, denn ihr Ehemann präsentiert ihr... „A dog!“ [BEAKY THWAITE] ...einen süßen, kleinen Hund [Anmerkung: Bei dem Hund handelt es sich um einen sogenannten Sealyham-Terrier namens „Johnnie“, der tatsächlich Alfred Hitchcock gehörte, welcher seinerzeit übrigens auch noch den Cocker-Spaniel „Edward“ besaß], den Lina sofort zu streicheln beginnt.

Nachdem ihn Thwaite gefragt hat, ob er „‘ne Bank ausgeraubt“ hat, meint „Johnny“, dass er „per Zufall das Siegespferd getippt und 2000 Pfund gewonnen habe“ [JOHNNY – in Richtung LINA, die von dieser Nachricht schockiert ist: „Tu mir den Gefallen und lach mal. Ich hab‘s doch bloß für dich getan, Liebling“].

Kurz darauf... „Du hast die Stühle hergegeben, nur um das Geld zu verwetten?“ [LINA] ...konfrontiert ihn Lina mit dem Vorwurf, er hätte für den, wie „Johnny“ ihn bezeichnet, „todsicheren Tipp“ ihre „two chairs“ verscherbelt.

Als Lina zu weinen beginnt, wartet Aysgarth mit einer weiteren „Überraschung“ auf und... „Oh, I forgot something. Darling, look, look, look“ ...zieht einen „Kassaschein über `a certain pair of chairs`“ aus der Tasche, „and that means“, dass „Johnny“ die beiden Stühle zurückgekauft hat, welche, wie er ankündigt, „in einer Stunde“ geliefert werden.

Daraufhin ist „Mrs. Aysgarth“ gerührt [LINA: „Oh, Johnny, Liebling, ich danke dir“] und auch... „And I’m the only one who laughs / At your jokes when they are so bad / And your jokes are always bad“ [Copyright: Pavement] ...„Beaky“ scheint begeistert [BEAKY THWAITE: „Du hast es wieder mal geschafft, alter Knabe“].

Als Ethel die „Alkoholika und die eine Flasche Sprudelwasser“ heraus in den „Garden“-Bereich gebracht und auf einem Tisch „arrangiert“ hat, beginnt Thwaite Lina und „Johnny“ einzuschenken, will selbst aber keinen Champagner, sondern einen Brandy trinken, was ihm eine „warning“ von „Johnny“ einbringt, da dieser weiß, dass Thwaite Brandy nicht verträgt. „Good old Beaky“ will sich aber nicht abbringen lassen [Kommentar von JOHNNY: „Von dem einen wirst du schon nicht umfallen“], aber während „Johnny“ seiner Frau verspricht, dass das „the last bet made by Johnny Aysgarth“ gewesen sei, ist „das Unglück“ geschehen und Thwaite hat vom Brandy...einen seiner „Anfälle“ erlitten, hustet plötzlich stark und hält sich die Hand an die Brust.

Die Reaktion von „Johnny“ fällt eher „nüchtern & reserviert“ aus und er beobachtet Thwaite, mit ausdruckslosem Gesicht, wie dieser sich auf einen Stuhl setzt und sich die Hand an die Kehle hält. Lina hingegen... „Johnny, get some water, quick!“ ...will versuchen, ihm zu helfen, aber „Johnny“ meint, dass Dinge, wie die Krawatte zu öffnen, keinerlei Zweck hätten [JOHNNY: „[...] Entweder er stirbt oder er kommt von selbst wieder zu sich“].

„It’ll either kill him or it’ll go away by itself“...nachdem „Beaky“ sich wieder „etwas gefangen hat“, entschuldigt er sich bei den Aysgarths, wobei „Johnny“... „One of these days it will kill him“... eine „Vorhersage“ trifft [JOHNNY: „Irgendwann bringt ihn das um“; // Anmerkung: „A funny Murder Mystery“: „MARCIA FOX ANJELICA HUSTON: „Sie sind in `ner merkwürdigen Stimmung“ / „LARRY LIPTON WOODY ALLEN: „Nein, nein, ich bin nur etwas betrunken“ / MARCIA FOX: „Vom Perrier?“ / LARRY LIPTON: „Nein, aber ich hatte drei Rumkuchen“ (aus: Manhattan Murder Mystery; ein Dialog am Restaurant-Tisch zwischen der „Autorin“ Anjelica Huston und ihrem „Lektor“ Woody Allen; die beiden pokern miteinander, während „Larry’s Frau Carol“ Diane Keaton gerade „irgendwo in New York“ unterwegs ist und unbedingt ein „Murder Mystery“ rund um ihren Nachbarn lösen will) – auch wenn es um den Meister der Suspense ging hat Woody Allen stets „humorvolle Worte“ gefunden, und so hat er zum Beispiel einmal das wunderbare „Hollywood ending“ von Hitchcock’s genialem „Gift-Epos mit integrierter Love-Story“ Berüchtigt (1946) auf „die Realität heruntergebrochen“: „In Hitchcock’s Film `Berüchtigt` geht es um eine verstörende Mutter-Sohn-Beziehung. Claude Rains und seine Mutter halten Ingrid Bergman in ihrem Haus fest und vergiften sie langsam. Sie kappen ihre Telefonleitung, um zu verhindern, dass sie Cary Grant anruft. Am Ende dringt er ins Haus ein und rettet sie. Doch so was passiert nur in Filmen. In der Realität habe ich dasselbe versucht, aber der Pförtner hat mich nicht durchgelassen“ (Copyright: Woody Allen); nun, bei seiner „Notorious-Summary“ hat Allen gewisse Aspekte des Films mit einer bestimmten privaten Situation in Verbindung gebracht, die ihm mit seiner Ex-Frau Mia Farrow widerfahren ist, und ursprünglich hätte er auch vorgehabt, die weibliche Hauptrolle seiner witzigen „intellektuellen New-York-Komödie `with some thriller-elements`“ mit Farrow zu besetzen, wozu es dann aus den bekannten Gründen natürlich nicht kam; letztendlich führte Manhattan Murder Mystery von 1993, der Allen’s seit seiner frühesten Kindheit vorhandenen Begeisterung für „Mordgeschichten, in denen sich die Hauptfiguren die Pointen um die Ohren hauen“ entgegenkam, zu einer „reunion“ von Allen und Diane Keaton, die sozusagen darin jenen Part übernahm, der auch in den „old murder mysterys“, die der Filmemacher da im Hinterkopf hatte, so zentral war, nämlich jenen der viel mutigeren Hauptdarstellerin, die den „ängstlichen, aber lustigen Komiker“ ständig in Schwierigkeiten bringt; „Ich versteh nicht, warum du nicht interessierter daran bist. Möglicherweise wohnen wir hier neben einem Mörder“ / „Na ja, New York ist eben ein Schmelztiegel. [...] Gewöhn‘ dich doch daran“ (Dialog zw. Keaton & Allen bezüglich Allen’s mangelnder Motivation, einem möglichen Mordfall nachzuspüren) – zur Story dieser Komödie mit einigen Das-Fenster-zum-Hof-Anleihen: Das Ehepaar Larry und Carol Lipton lebt „friedlich-gesittet“ in Manhattan und besucht abwechselnd Kultur- und Sport-Events (Dialog während eines Eishockeymatchs: Allen zu einer sichtlich genervten Keaton: „Du hast versprochen, dass du das ganze Eishockey-Spiel durchhältst, ohne dich zu langweilen. Und ich halte dafür die Wagner-Oper durch nächste Woche, ich hab‘ auch schon Ohrenstöpsel“ / Keaton: „Ja, aber bei deinen Augen überrascht es mich, dass du hier den Puck siehst“); eines Tages jedoch lernen sie im Fahrstuhl ihres Apartment-Gebäudes das ihnen benachbarte ältere Ehepaar Paul & Lillian House (Jerry Adler & Lynn Cohen) kennen, aber wenige Tage später ist Mrs. House tot und soll an einem Herzinfarkt verstorben sein; Carol glaubt jedoch nicht so recht an diese Version und verdächtigt den Kinobesitzer Paul, ein Mörder zu sein und seine Frau ins Jenseits befördert zu haben; fortan ermittelt Carol entweder auf eigene Faust (Allen zu Keaton, während die beiden in einem Park um einen Springbrunnen herummarschieren: „Was soll das heißen, du bist in seine Wohnung geschlichen? Spinnst du völlig? [...] Das ist ein Verbrechen, das darfst du nicht! Das ist Einbruch. Einbruch, Diebstahl ist das. Was ist in letzter Zeit in dich gefahren? Das darf doch nicht wahr sein. Spar dir noch ein paar Verrücktheiten für die Wechseljahre auf. [...] Du endest noch als Zimmergenossin von Al Capone Jr.“) oder in Kooperation mit dem Autor & Theaterbesitzer Ted (Alan Alda), der weit „abenteuerlustiger“ scheint als der skeptisch-ängstliche Larry (Allen, mit Bezug auf die „Besessenheit“, die „his wife“ plötzlich entwickelt hat, den Nachbarn zu überführen: „Ich glaube, du musst...du...du musst wieder zu deinem Analytiker gehen, du musst wieder zu Dr. Ballard gehen“ / Keaton: „Larry, ich bin da zwei Jahre lang hingegangen“ / Allen: „Ja, ja...ich weiß, so wie General Motors defekte Autos zurücknimmt. Du brauchst eine große Inspektion. [...]“); Carol und Ted verbringen zunehmend mehr Zeit miteinander, um den Mord beweisen zu können und um die junge Geliebte des Kinobesitzers, Helen Moss (Melanie Norris), zu observieren, mit welcher dieser offenbar einen Trip nach Paris plant, während Larry Zeit mit der Autorin Marcia Fox verbringt, deren Lektor er ist (Dialog zwischen Allen & Anjelica Huston im Verlag: Allen: „Also, Ihre Überarbeitung ist sehr gut. Ich glaube wirklich, sie hat Ihrem Buch geholfen. Es ist noch etwas zu dicht und...“ / Huston: „Aber ich möchte nicht, dass es zu transparent wird, ich meine...“ / Allen: „Da...darüber machen Sie sich `mal gar keine Gedanken. Dagegen ist `Finnegans Wake` reine Reiselektüre. Ja, aber es ist zu lang“ / Huston: „Sie sind der einzige Lektor auf der Welt, von dem ich Vorschläge annehme, aber Sie sollten es nicht übertreiben. [...]“); am Rande einer Weinverkostung mit Ted erblickt Carol aber „one day“ per Zufall die totgeglaubte Mrs. House in einem Bus (Allen zu Keaton: „Die Tote fuhr im Bus an dir vorbei? Ach, welcher Bus war das, der Bus gegen Himmel? [...] Ich halte es für eine sehr vernünftige Annahme, dass, wenn jemand tot ist, er nicht plötzlich im New Yorker Verkehrsnetz auftaucht“) und der Fall nimmt eine plötzliche Wendung...; neben wirklich zahlreichen „funny dialogues“ zwischen dem Duo Keaton & Allen (Keaton, während sie die Zeitung „Daily News“ in Händen hält: „Nicht zu fassen, dieser Kerl in Indiana. Hat zwölf Menschen getötet, sie zerstückelt und gegessen“ / Allen: „Wirklich? Na, das ist auch eine Lebensalternative“) ist vor allem auch die „Elevator“-Szene gelungen, in der „Larry & Carol“ plötzlich in einem Hotelfahrstuhl stecken bleiben und dann auch noch mit einer Leiche konfrontiert werden, was dazu führt, dass Allen sein Image als „weltberühmter Neurotiker“ parodiert (Keaton: „Beruhige dich“ / Allen: „Sag mir nicht, ich soll mich beruhigen, ich bin weltberühmt für meine Klaustrophobie. [...] Mein Leben zieht schon an mir vorüber. Das Schlimmste daran ist, dass ich nur einen Gebrauchtwagen fahre“) und die „Doppelbelastung“ klarmacht, in die er da geraten ist (Allen: „Oh Gott, Klaustrophobie und eine Leiche. Das ist für den Neurotiker der Hauptgewinn“); Allen hält Manhattan Murder Mystery, dessen Vorspann mit dem großartigen, von Cole Porter geschriebenen und von Bobby Short interpretierten Song „I Happen to Like New York“ unterlegt ist, für einen seiner besten Filme („[...] `Murder Mystery` ist einer der besten Filme, die ich je gedreht habe, gute Story, gute Gags, unprätentiös, und er erfüllte mir den Herzenswunsch, in einem der Filme mitzuspielen, mit denen ich groß geworden bin. [...] Keine existenziellen Themen, keine tragischen Höhepunkte oder tiefsinnigen Botschaften. Es war einfach fluffige Unterhaltung“ – W. Allen), aber auf jeden Fall gehört er zu seinen unterhaltsamsten und „leichtesten“ jenseits der ganz frühen „slapstickartigen“ Werke des Regisseurs à la „Take the Money and Run“ (OT) von 1969]. 

Nach „Beaky‘s“ „Beinahe-Exitus im Garten“ folgt ein Zeitsprung und Lina kommt wieder aus dem Buchladen, „with some books in her hands“. Diesmal trifft sie dort auf „Johnny’s old friend“ Mrs. Newsham, die in einem „Auto mit geöffnetem Verdeck“ vorfährt... „Guten Tag, Mrs. Aysgarth. Guten Tag, Mrs. Newsham“.

Lina wird von der Newsham, die einen Hut trägt, sofort auf die zahlreichen Bücher angesprochen, die sie da gekauft hat [MRS. NEWSHAM: „Oh, was für eine Menge Bücher. Lesen Sie die alle, meine Liebe, ja?“], die aber... „Nein, ich selbst nicht, die sind für Johnny“ [LINA] ...allesamt „Murder Mystery“-Lesestoff für „Johnny“ sind.

Newsham, die im „car“ sitzen bleibt, meint, dass Lina’s „husband“ sich anscheinend gut an das „Country Life“ gewöhnt habe und dann ja wohl... „My only weakness is a list of crime / My only weakness is, well, never mind, never mind, oh“ [Copyright: The Smiths] ...„alle früheren Unarten“, sämtliche „vices“, abgelegt habe.

„Vices? What vices, Mrs. Newsham?“ – Lina möchte, nach dieser „Andeutung“ der offen missgünstig und „jealous“ agierenden Newsham, wissen, welche „Laster“ sie da meine, und „Johnny’s old friend“ erwähnt Aysgarth’s Wettleidenschaft. „Mrs. Aysgarth“ entgegnet daraufhin, dass „Johnny“ ja schließlich „durch seine Arbeit keinerlei Zeit dafür habe“.

„Who Put the M in Merchester?“... „Mrs. Newsham“ holt daraufhin, quasi „aus ihrem `car` heraus“, zum nächsten „Schlag“ aus und eröffnet Lina, dass sie „Johnny“ „on Tuesday“ bei einem Merchester-Pferderennen getroffen habe [MRS. NEWSHAM: „Tatsächlich? Demnach hat er Dienstag wohl einen freien Tag gehabt, wie? Ich habe ihn nämlich beim Merchester-Rennen getroffen“].

Lina pariert „den Schlag“, indem sie... „Ja, wirklich. Oh, wie interessant“ [LINA] ...so tut, als wäre diese „Information“ völlig uninteressant. Dann verlässt sie umgehend die „area around the book store“ und sobald sie die Newsham hinter sich gelassen hat, werden ihre Gesichtszüge von „concerns“ bezüglich „Johnny“ eingenommen... „Where is our boy? / Ah, we’ve lost our boy / But I should know / Why you’ve gone“ [Copyright: Morrissey].

Wenig später betritt sie das „Melbeck Estates Office“, den Arbeitsplatz ihres „husband“, aber die „secretary“ informiert Lina darüber, dass „Mr. Aysgarth“ nicht da ist. Schließlich wird sie zu „Johnny’s cousin and employer“ Captain Welbeck [gespielt von Hitchcock-Veteran Leo. G. Carroll] vorgelassen und... „I wanted to talk about him. I’m terribly worried“ ...erhält von diesem neuerliche „shocking news“, da Melbeck betont, dass er ihn für das, was er getan hat, „nicht gerichtlich belangen werde“ [Nachsatz von CAPTAIN MELBECK: „Vorausgesetzt, dass er...“].

„What on earth do you talking about?“ – Welbeck wundert sich darüber, dass „Johnny’s wife“ offenbar nicht eingeweiht ist, und fragt nach, ob Aysgarth denn keinen Grund angegeben habe, weswegen er ihn...entlassen hat, und das schon „six weeks ago“ [Reaktion von LINA: „Captain Welbeck, ich hab‘ heute sehr wenig Sinn für Humor. Verschonen Sie mich also mit solchen Spielen“].

Letztendlich offenbart ihr Welbeck, dass beim Überprüfen der Bücher „ein Fehlbetrag von 2000 Pfund“ festgestellt worden ist, und dies sei, um präziser zu werden, „bei einer Durchsicht von Johnny’s Inkasso-Belegen“ aufgefallen... „Shoplifters of the world / Unite and take over“ [Copyright: The Smiths].

Lina, die getroffen von diesen „very bad news“ scheint, vergewissert sich noch kurz, ob Welbeck... „Maladjusted maladjusted / Never to be trusted“ [Copyright: Morrissey] ...ihren Ehemann dafür wirklich nicht „zur Anzeige bringen“ wird, und Welbeck bestätigt ihr, dass das zumindest „vorläufig“ der Fall sei, vorausgesetzt natürlich, dass das Geld ersetzt werde. „Lina says `goodbye` to Captain Welbeck and leaves his office“ [Anmerkung: Exkurs: „`Young and Innocent`: Ein eher unbekannterer Hitchcock-Film“: „ROBERT TISDALL DERRICK DE MARNEY: „Wenn das nicht meine Krankenschwester ist...“ / „ERICA BURGOYNE NOVA PILBEAM: „Was machen Sie denn hier? Sie müssen verrückt sein. Wissen Sie nicht, wer ich bin?“ / ROBERT TISDALL: „Doch, die hübsche Tochter des Polizeichefs, und mein rettender Engel“ / ERICA BURGOYNE: „Ich finde das nicht so komisch wie Sie. Haben Sie völlig vergessen, dass die halbe Grafschaft nach Ihnen sucht? Ich übrigens auch. [...]“ (aus: Jung und unschuldig; der „Drehbuchautor unter Mordverdacht und auf der Flucht“ Derrick de Marney erweist sich als zunächst „uneingeladener Mitfahrer“ im Auto der „Tochter des Polizeichefs“ Nova Pilbeam; als seine „Krankenschwester“ bezeichnet er sie deshalb, weil sie ihm bei einem Ohnmachtsanfall auf dem Polizeirevier während eines Verhörs zur Hilfe geeilt ist) – Hitchcock hat sich bei seinen sogenannten „Verfolgungsthrillern“, zu denen sein US-Film Verdacht ja bekanntlich nicht gehört, stets an die, wenn man so will, „goldene Kinoregel“ „Journeys end in lovers meeting“ gehalten, und anders war das auch nicht in der eher zu „Hitch’s“ unbekannteren Werken zählenden Kriminalkomödie „Young and Innocent“ (OT) aus dem Jahr 1937, die, ganz im Gegensatz etwa zu Hitchcock’s sehr erfolgreichem „An innocent man on the run“-Epos Die 39 Stufen, in den Vereinigten Staaten tatsächlich „not generally known“ war und selbst in Hitchcock’s Heimat England sozusagen „not much esteemed“; nun, Jung und unschuldig besitzt „lightness & warmth“ und mit der damals 18-jährigen Nova Pilbeam, die 1934 in der britischen Version von „The Man Who Knew Too Much“ (OT) noch die entführte Tochter des Ehepaars Lawrence verkörpert hatte, und mit Derrick de Marney präsentiert einem der „Master of Suspense“ darin ein sehr einnehmendes, charmantes Duo, das quasi den „glücklosen Helden“ und die „mutige (Hitchcock-)Blondine“ verkörpert und dessen „journey“/Abenteuer dann folgerichtig auch in einem „lovers meeting“ endet; „Mein Vater ist hier der Polizeichef. Wissen Sie, was es heißt, wenn seine Tochter Ihnen hilft?“ („Erica“ Nova Pilbeam zu „Robert“ Derrick de Marney) – zu den Ausgangspunkten der Story: Zu Beginn steht ein Streit zwischen einem „famous film star“ namens Christine Clay (Pamela Carme) und ihrem Ex-Mann Guy (George Curzon), der immer heftiger wird („Guy“ zu „Christine Clay“: „Du hast mich vor acht Jahren für deine Filmkarriere verlassen, nachdem ich dich aus der Komparserie herausgeholt, aus der Gosse gezogen hab, und jetzt ziehst du mit einem albernen, halbwüchsigen Burschen durch die Gegend“); kurz darauf wird die Leiche des Filmstars an einem Strand angespült, wo sie zuerst von dem „struggling screenwriter“ Robert Tisdall, der die Tote kannte und mit Clay „a couple of years ago“ bei Filmprojekten zusammengearbeitet hat, entdeckt wird; als zwei junge Frauen dort am Strand auftauchen, flüchtet Tisdall aber ungeschickterweise vom Strand und gilt schon bald als Hauptverdächtiger für den Mord (Auswahl aus den Schlagzeilen diverser Zeitungen im Film: „Film Star Strangled“ / „Christine Clay found dead on beach“ / „Bathing Girls Allege Young Man Ran from the Scene“); als Mordwaffe gilt der Gürtel eines Regenmantels und ausgerechnet ein solcher „rain coat“ ist dem Hauptverdächtigen Tisdall kurz zuvor in einer Fernfahrerkneipe namens „Tom’s Hat“ gestohlen worden; hinzu kommt noch, dass der Drehbuchautor im Testament der Toten mit 1200 Pfund bedacht wurde; da es ganz offensichtlich nicht „good“ für ihn aussieht, was ihm auch sein Anwalt klarmacht („Rechtsanwalt Mr. Briggs“ J. H. Roberts zu Derrick de Marney: „Auch die 1200 Pfund, die Ihnen das arme Geschöpf hinterlassen hat, wird man kaum wegdiskutieren können. Aufgrund Ihrer wirtschaftlichen Verhältnisse sieht mir das eher nach einem Motiv aus. Aber deshalb müssen Sie nicht verzweifeln. Oder wie der Lateiner zu sagen pflegt: Nil desperando“), entschließt sich Tisdall, zu flüchten; nachdem es ihm gelungen ist, aus dem Polizeirevier zu entkommen, schleicht er sich in den Wagen von Erica, der „daughter of the chief constable“ (Percy Marmont), der er schon zuvor „aufgefallen“ ist (Dialog, als Derrick de Marney auf dem Revier das Bewusstsein verloren hat, von einem Stuhl gefallen ist und die zufällig anwesende Nova Pilbeam ihm zur Hilfe geeilt ist: Polizist, bezogen auf Derrick de Marney: „Lassen Sie sich nicht vom Aussehen täuschen, junge Dame“ / Pilbeam: „Das tu ich nie. Außerdem ist er gar nicht mein Typ“) und die mit ihrem Hund „Towser“ unterwegs ist; bald schon wird Erica zur einzigen Verbündeten des flüchtigen Mordverdächtigen (aus einem der Dialoge zw. „Erica“ & „Robert“: Pilbeam: „Wie können Sie noch Witze machen in Ihrer Lage? Wissen Sie, was Ihnen blüht, wenn Sie erwischt werden?“ / de Marney: „Überhaupt nichts mehr. Es sei denn, am Galgen blühen Blumen“ / Pilbeam: „Ich kann das nicht komisch finden“ / de Marney: „Ich auch nicht, aber ich kann immer noch lachen, weil ich unschuldig bin. Glauben Sie mir? Wär‘ schön, wenn’s so wär“); verfolgt von den Polizeieinheiten, die ja unter dem Befehl von Erica’s Vater stehen, versucht das Duo, das sich zunehmend näher kommt (Dialog während einer der zahlreichen „Abschiedsversuche“ von Pilbeam & Derrick de Marney, die den Film durchziehen: de Marney: „Also, auf Wiedersehen und vielen, vielen Dank“ / Pilbeam: „Ich kann doch jetzt nicht einfach `viel Glück` sagen und gehen“), zurück zu „Tom’s Hat“ zu gelangen, wo Tisdall‘s Regenmantel verschwunden ist und das Problem offenbar seinen Ausgang genommen hat...; „Ich weiß genau, wie Ihnen zumute ist. Sie sehen kein Ende und können nicht glauben, dass es wahr ist. Und die Nacht verstärkt solche Gefühle noch. Also, ich liebe die Nacht, sie ist viel lebendiger als der Tag“, sagt „Robert“ Derrick de Marney in einer schönen Szene, die an einem Bahnhof spielt, wo „Erica“ Nova Pilbeam, die im Übrigen eine begeisterte Autofahrerin ist, ihren Wagen geparkt hat, wobei die „young and innocent“ „Erica“, im Gegensatz zu „Pamela“ in Die 39 Stufen, von Anfang an ungleich „bereiter“ ist, mit dem „young and innocent“ „Robert“ das Abenteuer zu bestreiten, „Erica willingly goes along for the ride“ sozusagen; Jung und unschuldig bietet ein Netzwerk signifikanter Hitchcock-Motive, die der Filmemacher in seinen späteren Werken ausgebaut hat, und so haben zahlreiche „protagonists“, um nur eines dieser Motive herauszustreichen, in dem Film irgendwie mit „illusions“ zu tun, die einen an das Aufeinanderprallen der „world of appearances“ mit der „Welt der Realität“ erinnern, denn die ermordete Frau war ein Filmstar, der fälschlicherweise verdächtigte Mann ist ein Drehbuchautor, der Mörder erweist sich letztendlich als Musiker, der einen nervösen Tick („nervous, twitching eyes“) hat und in einer Jazz-Band spielt, die sich die Gesichter dunkel anmalt, wohl um als „Farbige“ rüberzukommen, und Hitchcock selbst hat einen Cameo-Auftritt als eine Art „Pressefotograf, der sich außerhalb des Polizeireviers positioniert hat“ und hält eine kleine Kamera in Händen; Apropos „camera“: ein berühmter „crane shot“, der ein echtes „Virtuosen-Stück in punkto Kameraarbeit“ darstellt, ist jene Aufnahme innerhalb des Finales im großen Ballsaal des Grand Hotels, bei der die Kamera sich von einem „high-angle overview“ des „ballroom“ ganz ohne Schnitt bis hin zu einer Großaufnahme des „nervösen, zuckendes Auges“ des Drummers bewegt, der somit als der „murderer of the famous film star“ überführt ist; sogar eine Art „Vorschau“ auf Hitchcock’s späteren US-Klassiker Die Vögel (1963) gibt es in Jung und unschuldig, denn als die zwei jungen Frauen, die beiden potenziellen „Lazy Sunbathers“, zu Beginn den „dead body“ von „Christine Clay“ finden, schreien sie laut auf und Hitchcock schneidet daraufhin ziemlich hart auf eine Gruppe von fliegenden sowie laut kreischenden Seemöwen].

Als Lina „back at home“ ist, hat sie keinerlei „Blick“ für das Hausmädchen Ethel oder für den Sealyham-Terrier, die sie gleichsam beim Eingangsbereich „empfangen“, denn sie geht sofort in ihren „big room“, wo sie beginnt, einen Koffer zu packen.

Dann... „I was happy in the haze of a drunken hour / But heaven knows I’m miserable now“ [Copyright: The Smiths] ...setzt sie sich an einen Tisch und beginnt einen „Letter to Johnny“ zu verfassen, einen „Abschiedsbrief“ [Inhalt des BRIEFES: „Johnny, ich verlasse Dich. Ich verlasse Dich für immer. Ich hoffe, dass du für Dich ebenso glatte Erklärungen bereit hast wie sonst für andere. Lina“].

Wenige Augenblicke nach Beendigung des Briefes erhebt sich Lina und...zerreißt den Brief wieder. Und das ist der Moment, in dem... „You do all that you do / Because it’s all you can do“ [Copyright: Morrissey] ...„Johnny“ plötzlich „im Raum steht“, sozusagen hinter ihr auftaucht.

Er fragt sie, ob sie „es“ schon wisse [JOHNNY: „Du weißt es also schon?“], und Lina... „Yes, I’ve heard“ ...ist sich sicher, dass er „das Gleiche“ meint wie sie, doch dann erwähnt er ein Telegramm und sagt, dass es ihm „furchtbar leid“ täte [JOHNNY: „Es tut mir leid, Schatz. Es tut mir furchtbar leid. [...]“].

Das Telegramm hat „shocking news of a different kind“ für „Mrs. John Aysgarth mit Wohnsitz in Wickstead, Sussex“ parat, denn darin wird ihr von einem gewissen „Wilson“ der Tod ihres Vaters mitgeteilt [Auszug aus dem TELEGRAMM: „Teile tief erschüttert mit, Ihr Vater heute Früh infolge Herzanfall verstorben. Ihre Mutter erbittet sofortiges Kommen. Wilson“]. „Lina starts to cry“ und lehnt sich an „Johnny‘s“ Schulter. Er tröstet sie... „He was a sweet and tender hooligan, hooligan / And he swore he’ll never, never do it again“ [Copyright: The Smiths].

Nach einem Zeitsprung ist der Tag der Testamentsverlesung gekommen und nachdem diverse Begünstigte vorgelesen wurden und klar ist, dass General McLaidlaw das Haus samt Inventar sowie „den Rest des Kapitals“ seiner Frau Martha vererbt hat und Lina weiterhin ihren „jährlichen Zuschuss von 500 Pfund“ erhält, liest der „executor“ eine Passage vor, die vor allem „Johnny“ „ungläubig dreinblicken“ lässt [EXECUTOR: „`Außerdem...außerdem hinterlasse ich meiner Tochter Lina und ihrem Ehemann John Aysgarth das von dem berühmten Maler Sir Joshua Nettlewood stammende Porträt von mir`“].

„Excuse me, I need a drink“...als er realisiert hat, dass er soeben ein „riesiges Porträt seines Schwiegervaters“ geerbt hat, verlässt „Johnny“ den „room full of people“ und betritt die Bibliothek. Dort schenkt er sich einen Drink ein, stellt sich vor das besagte Nettlewood-Porträt von General McLaidlaw und... „You just haven’t earned it yet, baby“ [Copyright: The Smiths] ...prostet dem General zu [JOHNNY: „1:0 für dich, alter Knabe“; // Anmerkung: Exkurs: „Ein Fernsehjuwel aus dem Jahr 1966“: ALFRED HITCHCOCK: „Always, immer, wir must nicht the cliche haben. [...] Was ist...ich hab‘ vier Filmen gesehen. Und in jedem Film, James-Bond-Film, aeroplane schießen einen Mann. [...] So, jetzt, die Schüssen auf einen Mann from an aeroplane ist einen Klischee“ (aus: Rezepte aus der Gruselküche – Alfred Hitchcock zu Gast beim Frankfurter Stammtisch; Hitchcock erklärt den vier übrigen Männern am „TV-Stammtisch“, und das überwiegend tatsächlich auf Deutsch(!), warum er stets versucht hat, Klischees in seinen Filmen zu vermeiden, was aber letztendlich auch dazu geführt hat, dass seine „Alternativlösungen“, wie die berühmte „crop duster plane“-Szene mit Cary Grant in Der unsichtbare Dritte, die einen „Mordversuch jenseits der damals üblichen Film-Klischees“ darstellen hätte sollen, im Laufe der Zeit zu „filmischem Allgemeingut“ und somit selbst zu Klischees geworden sind, derer sich damals eben auch die erst vier Filme umfassende James-Bond-Serie bedient hat) – nun, in gewisser Weise „aberwitzig“ ist Hitchcock’s Auftritt vom 13.10.1966 in dem TV-Format „Frankfurter Stammtisch“, wo Hitchcock sich nach etwa zehn Minuten zu der Runde um Gastgeber Botho Jung gesellte, die außerdem noch aus dem Autor Curt Riess, dem Journalisten Richard Kirn und dem „Leiter des Ausstattungswesens der städtischen Bühnen Frankfurt“ Hein Heckroth bestand, wobei Heckroth nicht nur Oscarpreisträger in der Kategorie „Bestes Szenenbild“ für den legendären britischen Ballettfilm Die roten Schuhe (1948; Regie: Michael Powell & Emeric Pressburger) war, sondern auch für die Ausstattung in Hitchcock’s Thriller und „50. Film“ Der zerrissene Vorhang / OT: Torn Curtain (1966) verantwortlich; nachdem in diesem denkwürdigen Schwarzweiß-TV-Special aus den 60s eine gewisse „Erwartungshaltung“ bezüglich des berühmten Gastes aufgebaut wurde (Botho Jung, in die Runde: „Ein ganz berühmter Herr kommt und...ich will’s nicht vorwegnehmen, denn nachher kommt er vielleicht wirklich nicht, aber er hat mir’s versprochen, dass er kommt“), taucht „Hitch“ also, wie immer im Anzug und mit Krawatte, auf; dann werden zunächst mal die Wünsche des „Man from Hollywood“ bezüglich eines Drinks abgefragt (Jung, zur Runde und dann nach der Kellnerin „Gretel“ rufend, die während der insgesamt rund 50 Minuten immer wieder auftaucht, um die „Bestellungen“ aufzunehmen: „Ich möchte Sie nicht unterbrechen. Bevor wir unserem Ehrengast nicht etwas zu trinken angeboten haben. Und...ja, wo bleibst du denn jetzt, Gretel? Ausgerechnet jetzt, wo der berühmte Gast aus Hollywood da ist, jetzt ist sie nicht hier“), woraufhin man vom „Meister der Suspense“, der im Rahmen eines Deutschland-Aufenthalts im Jahr 1924 bei der Ufa in Babelsberg Deutsch gelernt hat (Richard Kirn zu Hitchcock: „Ich habe gehört, das erste Deutsch, was Sie gesprochen haben, sei gewesen: `Wo ist mein Hut?`“), erfährt, dass er keinen Scotch trinken möchte, da Scotch etwas für „Trinker“ sei (Hitchcock: „Scotch is für die Trinken-Leute“); in der Folge kommt man zunächst auf Hitchcock’s Psycho zu sprechen und auf die Tatsache, dass der Film seinerzeit mit der „TV-Crew“ von „Alfred Hitchcock Presents“ gedreht worden ist (Hitchcock: „The Film war gemacht mit eine Unit-Kameramann und the architect dieselbe wie Television“), um sich dann dem Faktum zu widmen, dass Hitchcock, im Gegensatz eben zu dem anwesenden Hein Heckroth, nie einen Oscar gewonnen hat (Hitchcock: „I have...ich habe nominiert vier oder fünf Mal. Always the bride’s maid, never the bride. [...] Lubitsch hat keinen Oscar, Chaplin keinen Oscar, die Garbo keinen Oscar“); schließlich macht Hitchcock selbst Das Fenster zum Hof zum Thema, der ganz, wie er ausführt, seiner Vorstellung von „Pure Cinema“ entsprach (Hitchcock: „Aber für mich dieser Film ist `True Cinema`, `Echt Cinema`, weil er[James Stewart] kuckt, er sieht und he response. [...] Das kann nicht in den Bühnen machen, ist nicht dasselbe mit einem Roman in einem Buch, es ist nur mit Film. [...] Das ist die echte Technik von dem Cinema. Das ist...heißt: Telling a story, visually. [...] Nur durch Bilder“); natürlich muss Hitchcock, da, wo sein „German“ nicht reicht, einzelne Dinge gänzlich auf Englisch ausführen, so zum Beispiel dann, wenn er seine Kritik bezüglich des „modernen Films“ äußert, der aus seiner Sicht nur mehr wie „Fotografien von sprechenden Leuten“ gestaltet ist und deshalb lediglich wie eine bloße Fortführung des Theaters wirkt (Hitchcock: „So many films today, so viel Filme heute gemacht what I call...ich sage: Die Photo von Leute wer sprach...wer spricht. In other words: Many films, make it a little clearer, are what I call photographs of people talking. [...] And they are not cinema. They are only extension of theatre. [...] What is...was es nicht gebraucht im Film heute ist die Bild...jeder Bild ist wie die Wort für einen Schreiber. Das ist die Sprach von dem Camera. The Language. [...]“); auch das gemeinsame Buchprojekt mit François Truffaut kommt zur Sprache, denn „Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht?“ stand damals kurz vor der Erstveröffentlichung (Hitchcock: „Ein Buch by Truffaut. Truffaut. Das heißt `Conversations with Hitchcock`. `Konversation mit Hitchcock`“), wobei er, auf die englische Nachfrage von Hein Heckroth hin, welchen Ratschlag er den Regisseuren der Nouvelle Vague mit auf den Weg geben würde (Heckroth: „What would you say to the new producers of the New Wave?“), auf Englisch geantwortet hat, dass er sozusagen das „Beherrschen der Technik“ als Voraussetzung für die seriöse Ausübung jeglicher „Filmkunst“ betrachtet (Hitchcock: „I would say the same to them as I would say to a young man who wants to become a modern sea captain: Learn to sail first“); wie auch immer: „Rezepte aus der Gruselküche“ ist ein äußerst amüsantes TV-Dokument für Hitchcock-Fans, in dem, um diesen thematischen Aspekt nicht zu vergessen, auch Hitchcock’s erster Tonfilm Erpressung / OT: Blackmail aus dem Jahr 1929 zur Sprache kommt sowie die Tatsache, dass die deutschsprachige Hauptdarstellerin Anny Ondra später den „famous German boxer“ Max Schmeling geheiratet hat – „Ich hab‘ eine Brief geschrieben. `Liebe Anny, was ist los? Warum haben Sie eine Boxer für Ihren Mann?“ (Copyright: Alfred Hitchcock beim „Frankfurter Stammtisch“)].

Später... „And if a ten ton truck / Kills the both of us / To die by your side / Well, the pleasure, the privilege is mine“ [Copyright: The Smiths] ...fahren Johnny und eine nachdenkliche Lina eine Küstenstraße entlang, „and Johnny is the driver“.

Nachdem „Johnny“ seine Frau „by her name“ angesprochen und er ihre... „Yes, dear?“ ...volle Aufmerksamkeit hat, fragt er sie nach möglichen „regrets“ bezüglich ihrer „marriage“ [JOHNNY: „Hat es dir schon mal leidgetan, mich geheiratet zu haben?“].

Seine „Angetraute“ möchte daraufhin erfahren, wie er „denn darauf komme“, und „Mr. Aysgarth“ meint, dass wohl die Tatsache, dass er ihr „husband“ sei, ihren verstorbenen Vater dazu bewogen habe, ihnen lediglich ein Porträt zu vererben [JOHNNY: „Es liegt ziemlich klar auf der Hand, dass dein Vater etwas mehr als das Porträt hinterlassen hätte, wenn du jemand anders als deinen Johnny geheiratet hättest“].

„What about you?“ – Lina stellt ihm die „Gegenfrage“ und will wissen, ob er es je „bedauert“ habe, sie geheiratet zu haben, woraufhin „Johnny“... „Monkey Face, marrying you is the one thing I never changed my mind about it“ ...ihr versichert, dass das das Einzige sei, was er niemals bereut hätte [Anmerkung: Cary Grant spricht Joan Fontaine im Film tatsächlich immer wieder mit dem Spitznamen „Monkey Face“ an, was in der deutschen Synchro zu dem „nickname“ „Mutzi-Putzi“ wird].

Dies führt zunächst zu einer weiteren Lina-Nachfrage [LINA: „Sagst du das wirklich im Ernst, Johnny?“] und in der Folge zu einer weiteren „Johnny“-Beteuerung samt „Andenken eines Todesszenarios“ [JOHNNY: „Ja, ist mein voller Ernst, und ich hoffe, wir beide werden immer zusammenbleiben. Solltest du zuerst sterben, dann...“], bevor Lina, nachdem Aysgarth auch noch kurz das „umgekehrte“ Szenario angedacht hat, nämlich, dass er zuerst stirbt, ihm... „Stop me, oh, stop me / Stop me if you think that you’ve heard this one before“ [Copyright: The Smiths] ...so etwas wie „unlimited love“ verspricht [LINA: „Ich würde niemals aufhören, dich zu lieben. Ich könnte es nicht“].

Nach der „I couldn’t stop loving you if I try“-Aussage seiner Frau möchte „Johnny“ schließlich herausfinden, ob sie denn das schon mal versucht habe, und Lina gesteht ihm, dass das „einmal“ schon der Fall gewesen sei [LINA: „Als ich erfahren habe, dass du nicht mehr bei Captain Melbeck bist“].

„Johnny’s face“ wird auf der Stelle ernster und er möchte den Zeitpunkt erfahren, an dem sie davon in Kenntnis gesetzt wurde, und als sie ihm von dem „meeting with Captain Melbeck last Friday“ berichtet hat, gibt ihr „Johnny“ eine Begründung für den „trouble with Melbeck“ [JOHNNY: „Wir haben uns nicht so richtig verstanden“].

Dann... „Should we stop and look at the sea?“ ...hält „Johnny“, anscheinend einer „sudden idea“ folgend, den Wagen an, und zwar an einem Platz, in dessen Nähe „some sheep“ grasen und die Sicht auf die Küste tatsächlich „marvelous“ ist. Lina möchte wissen, wieso er sich nicht mit Melbeck verstanden hat, und „Johnny“ bezeichnet diesen dann als „ulkigen Kauz, der für seine Ideen nichts übriggehabt hätte“.

„A way to make money is to think in a big way“...in der Folge erklärt „Johnny“ Lina, dass er schon immer der Meinung gewesen sei, dass man sich „nicht um Kleinkram kümmern könne, wenn man etwas erreichen wolle“, bevor er... „Good times for a change / See, the luck I’ve had / Can make a good man / Turn bad / So please, please, please / [...] Let me get what I want this time“ [Copyright: The Smiths] ...einen Wunsch äußert, der offenbar mit einer „Geschäftsidee“ zusammenhängt [JOHNNY: „Ich wünschte, ich hätte 10000 Pfund oder besser noch 20000. Ich würde aus der Gegend was machen“].

Lina scheint der „business idea“ gegenüber „durchaus aufgeschlossen“ zu sein [LINA: „Dir fehlen also nur die 20000 Pfund?“], was „Johnny“ dazu bringt, den „Wunsch-Betrag“... „Or 30000. An extra 10000 wouldn’t hurt a bit“ ...noch zu steigern [JOHNNY: „30000 wären besser. 10000 mehr können auf keinen Fall schaden“; // Anmerkung: Exkurs: „Cary Grant & Ingrid Bergman in einer `exhilarated Romantic Comedy`“: „PHILIP ADAMS CARY GRANT: „Miss Kalman ist mir keine Fremde. ...Ich habe Sie oft auf der Bühne gesehen. Ich bin ein großer Bewunderer von Ihnen“ / „ANNA KALMAN INGRID BERGMAN: „Wirklich? Sehr freundlich“ / PHILIP ADAMS: „Ich bin sogar einen Tag länger in Liverpool geblieben, weil Sie dort ein Gastspiel geben sollten, und dann wurde die Vorstellung abgeblasen“ / ANNA KALMAN: „Es tut mir leid“ / PHILIP ADAMS: „An dem Tag machte ich allerdings ein unerwartetes Geschäft“ / ANNA KALMAN: „Das freut mich“ / PHILIP ADAMS: „Ich hätte jedoch den Gewinn gern gegen die Vorstellung eingetauscht“ / ANNA KALMAN: „Möchten Sie, dass ich die Vorstellung jetzt gebe? Ich übernehme sämtliche Rollen. Wie viel haben Sie verdient?“ (aus: Indiskret; der „US-Diplomat Philip“ Cary Grant und die „berühmte Theaterschauspielerin Anna“ Ingrid Bergman treffen in der Londoner Wohnung des Bühnenstars das erste Mal aufeinander, was Regisseur Stanley Donen wie eine klassische „love at first sight“-Szene inszeniert hat; anwesend sind dabei außerdem noch „die Schwester & der Schwager von Anna Kalman“ Phyllis Calvert & Cecil Parker, an die Grant eben den Satz „Miss Kalman ist...“ richtet) – lässt man jetzt mal sein „great masterpiece“ aus 1958, nämlich Vertigo – Aus dem Reich der Toten, beiseite, hat Alfred Hitchcock 1946 mit Berüchtigt wohl seine komplexeste und „einnehmendste“ Romanze in die Kinos gebracht, in welcher Cary Grant und Ingrid Bergman ein Liebespaar spielten, wobei „Notorious“ (OT), um genau zu sein, eine „`romance about trust with a lot of adult confusions` im Gewand eines Spionage-Thrillers“ war, in dem letzten Endes, wenn man so will, „the desire for true love“ über das „Pflichtgefühl“ siegte; nun, auch Regisseur Stanley Donen, mit dem Grant bereits 1957 bei der Komödie „Kiss Them for Me“ (OT; Co-Starring: Jayne Mansfield) zusammengearbeitet hatte, war der Meinung, dass Grant und Bergman „magical“ in Berüchtigt waren und er wollte diese „chemistry“ sozusagen für seine Liebeskomödie Indiskret / OT: Indiscreet (1958) wieder aufleben lassen; Indiskret gehörte, wie ich bereits in „Hitchcock Vol. 2 – More Movies To Be Murdered By“ erwähnt habe, zu Cary Grant’s „favorites“, was seine eigenen Filme anlangte, und der „actor“ sah das Werk als „Versuch, einen Kontrast gegen eine damals gerade kursierende `new wave of violence in films` zu setzen“; „Damn!!!“ (Original-Aufschrei von Ingrid Bergman, als sie erfährt, dass Cary Grant in Wahrheit gar nicht verheiratet ist) – zu den Ausgangspunkten der Story: Der berühmten Bühnenschauspielerin Anna Kalman mangelt es nicht an Verehrern (Dialog zwischen Ingrid Bergman und „ihrer Schwester Margaret Munson“ Phyllis Calvert: „Margaret“: „Du hast genügend Verehrer. Du bist schön, begabt und berühmt. Du bist eine große Schauspielerin, die von allen beneidet wird, die dich kennen“ / „Anna“: „Dann kennt mich eben keiner“), aber als sie in London auf den amerikanischen Diplomaten, der einen hohen Posten bei der NATO in Paris übernehmen soll, Philip Adams trifft, ist sie sofort angetan und die beiden gehen miteinander aus (Dialog zwischen Bergman und Grant in einem Restaurant bezüglich des beruflichen Werdegangs des nunmehrigen „diplomat“: Bergman: „Haben Sie sich immer für die Hochfinanz interessiert?“ / Grant: „Nein, als junger Mann hatte ich zu Zahlen überhaupt keine Beziehung. Mit meinem Taschengeld war ich meistens schon Dienstag am Ende, ein schlechtes Zeichen für einen werdenden Bankier. Meine erste Liebe galt der Musik. Ich wollte unbedingt Violinist werden“); bald schon erklärt ihr Adams aber, dass er ein „married man“ sei, was sie, nach kurzer „Irritation“, nicht zu stören scheint (Bergman zu Grant im Original: „It’s perfectly alright“), und fortan reist Adams regelmäßig von Paris nach London, um Kalman zu treffen...; Stanley Donen lässt Grant & Bergman zahlreiche „Stationen einer Liebe“ durchexerzieren, und so zeigt er das Paar zunächst beim „Small Talk“ in Restaurants und in Fahrstühlen (Grant: „[...] Ich habe kürzlich gelesen, das Wetter soll sich auf der ganzen Welt geändert haben“ / Bergman: „So, wirklich? Das ist interessant“ / Grant: „Ja, find ich auch“) sowie bei nächtlichen Spaziergängen durch London oder bei ausgedehnten abendlichen „Telefon-Konferenzen“ (Ausschnitt aus einem Telefongespräch, bei dem Grant eben in Paris, Bergman in London ist: Bergman: „Hallo?“ / Grant: „Hallo?“ / Bergman: „Zehn Sekunden zu spät. Gestern Abend waren es sieben, vorgestern fünf. Ich merke schon, woher der Wind weht. Du wirst kühler“ / Grant: „Kaum. Wie war dein Tag?“) und beim Schenken von „very expensive gifts“ (Dialog zwischen Grant und Bergman, nachdem er ihr ein „boat“ gekauft hat: Bergman: „Mir wäre lieber, du hättest überhaupt kein Geld. ...Ob ich das gesagt hätte, wenn du nicht gerade eine Yacht gekauft hättest?“ / Grant: „Sagen wir im Zweifelsfalle ja“); als „die Bombe“ dann platzt, nämlich, als Ingrid Bergman schließlich erfährt, dass Cary Grant in Wahrheit ein vehementer „Ehe-Gegner“ ist und nur behauptet, verheiratet zu sein, um keinerlei „falsche Hoffnungen“ zu wecken, geht das Ganze bei der Bergman dann in Zorn über (Bergman zu ihrer Schwester und ihrem Schwager, der durch einen „indiskreten“ Blick in eine Akte den wahren Beziehungsstatus von Grant herausgefunden hat: „Wie kann er es wagen, mich zu lieben, ohne, dass er verheiratet ist?!!“), welcher in der Folge verbunden wird mit dem Plan, Grant mit einem Ex-Liebhaber namens „David Wilson“ eifersüchtig zu machen, was sich aber zunächst ebenfalls als „schwieriger als gedacht“ erweist (Bergman zu ihrer Haushälterin „Doris“ Megs Jenkins, nachdem sie am Telefon kurz zuvor von „David’s“ Verhinderung für den „Making Cary Grant jealous“-Abend erfahren hat: „Mr. Wilson ist am Nachmittag mit einer akuten Blinddarmentzündung vom Tennisplatz getragen worden. [...] Ein paar Minuten später lag er auf dem Operationstisch, die Operation ist gut verlaufen. [...] Wozu zum Donnerwetter musste er Tennis spielen?!“); ein Highlight von Indiskret, und das sah auch Cary Grant so, der diese Szene überhaupt zu „one of his favorite scenes“ zählte, ist die Tanz-Szene, bei der der Schauspieler, im Rahmen eines schottischen Tanzes, welcher bei einem Empfang aufs Parkett gelegt wird, eine Art „Solo-Part“ hinlegt, und das tut er äußerst akrobatisch & wahrhaft „leichtfüßig“ (Kommentar von Grant: „Wie ein echter Schotte!“), während die Bergman, Cecil Parker & Phyllis Calvert zuschauen; obwohl es gewiss „great“ ist, das „grandiose couple“ aus Hitchcock’s Berüchtigt nochmals gemeinsam vor der Kamera zu sehen, so leidet Indiskret in gewisser Weise in manchen Passagen an einem „Tempo-Problem“ und an der Tatsache, dass Stanley Donen das Duo Cary Grant & Ingrid Bergman, was die Regie betrifft, „zu sehr sich selbst überlassen hat“, soll heißen: die beiden wirken „in certain scenes“ etwas „führungslos“ und das Lächeln der Bergman rettet so manchen Moment vor der „Bedeutungslosigkeit“ und dem „Leerlauf“; darüber hinaus ist der Score an einigen Stellen eine echte „Zumutung“ für die Ohren, genauso wie, was natürlich nicht die Schuld der „filmmakers“ ist, die wirklich unpassende deutsche Synchronstimme, mit der Grant da ausgestattet wurde und die „ein völlig fremdartiges Gefühl“ erzeugt, wobei man sich Cary-Grant-Movies ja ohnehin stets im Original ansehen sollte; Grant, der Donen übrigens für Indiskret zugesagt hatte, ohne das Drehbuch zu kennen, behielt die Dreharbeiten zu dem Werk stets in ausnehmend guter Erinnerung und bezeichnete den Film, aufgrund der „small cast“, auch als „one of the most economical to make“].

„A next round of suspicion is triggered“...nach einem Zeitsprung halten sich „Johnny“ sowie „Beaky“ Thwaite im Aysgarth-Haus bei einem Tisch auf, vor ihnen liegt ein Foto von dem Küstenstreifen, bei dem „Johnny“ „some time ago“ den Wagen mit Lina als Beifahrerin angehalten hat.

Die beiden... „Bigmouth, la-da-da-da-da / Bigmouth, la-da-da-da-da / Bigmouth strikes again“ [Copyright: The Smiths] ...besprechen offenbar ihre „idea to develop land for a seaside resort“ und sehen sich einen Lageplan an, auf dem „Beaky“ sofort den idealen Platz für das geplante „Grand Hotel“ ausmacht [BEAKY THWAITE: „Wunderbar, dann würden wir das Groß-Hotel da hinsetzen“] und „Johnny“ „Raum für die Bungalows“ sieht [JOHNNY: „Ja, genau, hier unten kommen die Bungalows hin“].

Dann betritt Lina den Raum... „Hello, what goes on here anyway?“ ...und fragt, „was die beiden da eigentlich treiben“, woraufhin ihr „Johnny“ mitteilt, dass er und Thwaite eine „Immobiliengesellschaft“ gegründet hätten und beabsichtigen würden, „einen der prächtigsten Küstenstriche Englands“ zu erwerben, um das Land dann „parzellenweise mit hohem Gewinn“ zu verkaufen.

Ja, aber wichtig ist doch vor allem die Finanzierung“ [LINA]... als sich Lina „Gedanken um die Finanzierung der `Real Estate Company`“ macht und wissen möchte... „You found somebody who put up the money?“ ...wer das Geld dafür bereitgestellt hat, kommt zutage, dass „Beaky“ der Geldgeber ist [Kommentar von JOHNNY: „Die Idee ist von mir und Beaky gibt das Geld“] und das Gründungskapital durch die Beleihung von Wertpapieren, die in „Paris, France“ gebunkert waren, aufbringen konnte.

Lina ist... „Now I know how Joan of Arc felt / Now I know how Joan of Arc felt“ [Copyright: The Smiths] ...zumindest skeptisch, was den „business plan“ und das „partnership money“ angeht, aber „Johnny“... „Look darling, let me show you how simple it is“ ...möchte ihr alles erklären, wobei Lina vor allem erfahren will, ob Thwaite überhaupt „weiß, was er da tut“ [Antwort von BEAKY THWAITE: „Na, selbstverständlich. ...Ich denke doch“].

In diesen „Does Beaky understand it?“-Moment platzt Ethel, das Dienstmädchen, und holt „Mr. Aysgarth“ zum Telefon, wo ihn Captain Melbeck erwartet. „Johnny“ lässt Lina und „Beaky“ dann allein in dem Raum zurück, da er den besagten „phone call“ in der Bibliothek entgegennimmt.

Als „her husband“ weg ist, verlangt Lina vom „partner“ ihres Mannes, ihr „the whole thing“ zu erklären, woraufhin Thwaite von einem „ganz fantastischen Gefühl, Geschäftsmann und Generaldirektor zu sein“ spricht.

„Meanwhile“ versichert „Johnny“ Captain Melbeck am Telefon, während der Sealyham-Terrier im Hintergrund auf einem Bibliotheksstuhl weilt, dass er „eine Sache am Laufen habe, die ganz bestimmt funktionieren werde“ und er „in ein paar Wochen sein Geld zurückerhalte“.

„Beaky“ müht sich währenddessen ab, Lina zu erklären, dass sie planen, „das Land zu erwerben und einen Teil davon zu verkaufen“ [BEAKY THWAITE: „Wir verdienen daran 100 Prozent im Handumdrehen und von dem Gewinn bauen wir ein modernes Hotel“].

„Oh yes, but from whom do you buy the land? How much do you pay for it? To whom do you sell it?“ – Lina hat „1000 Fragen“ zu dem Immobilien-Projekt und mahnt Thwaite damit aufzuhören, so ein „Kindskopf“ zu sein und „an Märchen zu glauben“.

Schließlich wirft sie ihm vor, „überhaupt nicht an Johnny zu denken“, ein Vorwurf, der „Beaky“ regelrecht empört [BEAKY THWAITE: „Jetzt schlägts 13! Das ist ein bisschen stark! Er ist Präsident unserer Dingsbums-Firma“] und dazu bringt, Lina vor Augen zu führen, dass „Johnny“ bald „ein großes Gehalt“ bekommt und bald selbst „Schecks ausschreibt“.

„Yes, that’s what I mean“ – Lina stellt klar, dass genau das „das Problem“ sein könnte, aber dann...geht plötzlich die Tür auf und „Johnny“ steht wieder im Raum und hat wohl alles mitgehört.

Thwaite deutet gegenüber Aysgarth, der nun etwas „angry“ wirkt, an, dass „his wife“ ihn offenbar nicht unbedingt für „geistig ganz gesund“ hält [BEAKY THWAITE: „Das ist ja toll, Bursche. Lina sagt, bei dir stimmt’s im Köpfchen nicht so ganz. [...]“], und „Johnny“ bestätigt, dass die Aussagen seiner Frau diesen Schluss irgendwie nahelegen [JOHNNY: „So hat es sich angehört, absolut“; // Anmerkung: „Final Analysis: eine vielleicht nicht so gelungene `Hitchcock-Imitation` aus den 1990s“: „DR. ISAAC BARR RICHARD GERE: „Tell me anything. Just don’t say it was for the money. Not something as cold as that“ / „HEATHER EVANS KIM BASINGER: „Isaac, this is crazy“ / DR. ISAAC BARR: „This is crazy. It’s also very clever. You are a very clever woman“ (aus: Eiskalte Leidenschaft; Original-Dialog: der „Psychiater“ Richard Gere will von der „`Femme Fatale`, in die er sich verliebt hat und die seine Patientin war“ Kim Basinger im Rahmen eines Gesprächs in einer Art „Mental Hospital“ hören, dass nicht Geld das Motiv war, ihren „husband“ zu ermorden, sondern, wie er ursprünglich angenommen hat, jahrelange „emotional and psychological torture“) – für Alfred Hitchcock war es ja bekanntlich wichtig, in seinen Filmen möglichst Klischees zu vermeiden, aber was diesen Punkt anbelangt, ist Regisseur Phil Joanou, welcher 1988 auch U2’s den gleichnamigen Longplayer begleitende „mixture“ aus Musik-Doku & Konzertfilm Rattle and Hum inszenierte, bei seinem Thriller „Final Analysis“ (OT) aus dem Jahr 1992 wohl gescheitert, denn das Werk, das eindeutig mit „Hitchcock-elements“ spielt, strotzt im Grunde nur so vor Thriller-Klischees, und dennoch, die Besetzung mit Richard Gere, Kim Basinger, Uma Thurman & Eric Roberts ist ein „Coup“ und macht einiges an „nonsense“ wieder wett, wobei man sagen muss, dass Richard Gere, der zuvor mit Pretty Woman (1990) seinen wohl größten Erfolg gefeiert und mit Mike Figgis‘ Cop-Thriller Internal Affairs – Trau‘ ihm, er ist ein Cop (1990) einen seiner allerbesten Filme vorgelegt sowie mit Rhapsodie im August (1991) einen interessanten Abstecher nach Japan in die Welt von Akira Kurosawa gemacht hatte, im Laufe des Joanou-Werks immer „besser & glaubwürdiger“ wird, Basinger und Thurman jedoch, aufgrund des durchwachsenen Drehbuchs, zunehmend „unglaubwürdiger“ agieren müssen; „I’d stop seeing the girl“ / „I don’t know if I can. She’s not the kind of girl you stop seeing“ (Original-Dialog zw. dem „Anwalt“ Paul Guilfoyle und Richard Gere in einer Bar, bei dem Guilfoyle Gere rät, Kim Basinger lieber „sausen“ zu lassen) – zur Story von Eiskalte Leidenschaft: Der Psychiater Isaac Barr behandelt in seiner Praxis in San Francisco eine attraktive junge Frau namens Diana Baylor (Uma Thurman) wegen Zwangsstörungen (Thurman zu Gere, während einer Therapiesitzung: „Wieso muss alles immer einen sexuellen Bezug haben, Doktor?“), wobei immer wieder auch ein Traum, in dessen Zentrum Blumen, genauer: Lilien und Nelken, stehen, zur Sprache kommt (Gere zu Thurman: „Erzählen Sie mir mehr von den Blumen“); Diana besteht darauf, dass Barr auch mit ihrer älteren Schwester Heather redet (Thurman zu Gere: „Sie sollten wirklich mit ihr reden. Sie bereuen‘s nicht. Sie ist ausgesprochen interessant“), weil diese, wie sie behauptet, ihn über gewisse „Familiengeheimnisse“ besser aufklären könne; als es dann zu einem Gespräch zwischen dem Psychiater und Heather kommt (Ausschnitt aus einem Dialog zw. Basinger und Gere in der Praxis: Basinger: „Was wollen Sie eigentlich für Diana erreichen?“ / Gere: „Tja, das, was alle Seelenklempner in der Regel wollen. Um es frei nach Freud zu sagen: Ich versuche einfach aus ihrem neurotischen Schmerz allgemeines Unglück zu machen, damit sie so wie wir alle sein kann“ / Basinger: „Sie ist nicht so wie wir alle“), behauptet diese, ihr Vater, der in einem Feuer umgekommen ist, hätte ihre Schwester einst vergewaltigt; Barr ist sofort fasziniert von Heather und erfährt bei einer Art „Date“, dass sie verheiratet ist (Basinger: „Isaac, ich bin verheiratet“ / Gere: „Na klar, damit hätt‘ ich rechnen müssen“), und zwar mit dem kriminellen Bauunternehmer Jimmy Evans (Eric Roberts), der Sozialsiedlungen errichtet, wobei Jimmy Heather „at home“ regelmäßig gleichsam „emotionaler und psychologischer Folter“ unterzieht (Roberts zu Basinger, nachdem diese gerade nach Hause gekommen ist und er sich vor ihr demonstrativ ein Haar ausgerissen hat: „Ich sag dir, ich hatte auch nicht ein graues Haar, kein einziges bis...ich dich geheiratet hab, Süße“); Dr. Barr und Heather Evans beginnen eine Affäre, was Barr einige „warnings“ seines Umfelds einbringt (aus einem Dialog zw. Gere und seinem „Kollegen“ „Dr. Alan Lowenthal“ Robert Harper: Harper: „Das ist ein billiges Klischee. Der Psychiater mit einer Schwäche für eine unglückliche Frau“ / Gere: „Unglücklich hab‘ ich nicht gesagt“ / Harper: „Das war auch ganz überflüssig. `Sie erwählt den, der sie erwählen muss`, heißt es“); eines Abends erschlägt Heather ihren Mann schließlich mit einer Hantel und bei dem darauffolgenden Prozess glauben die Geschworenen ihr, dass sie sich an die Tat nicht erinnern kann, und zwar aufgrund einer sogenannten „pathologischen Intoxikation“, einer Art „extremen Überempfindlichkeit“ gegenüber Alkohol, die dazu führt, dass kleinste Mengen zu einem „psychotischen Schub“ führen (die „skeptische Gutachterin Dr. Grusin“ Rita Zohar bezüglich der „pathological intoxication“ vor Gericht: „Die Thematisierung einer derartigen Störung ist...ist nur ein Versuch, die Geschworenen durch pseudowissenschaftlichen Jargon zu irritieren, sonst nichts. Sie sollen glauben, dass Alkohol auf die Gehirne einiger Menschen eine geradezu magische, unheilvolle Wirkung ausübt“); als sich Heather nach dem Freispruch wegen „temporary insanity“ einer eingehenden Therapie in einer geschlossenen Einrichtung unterziehen muss, wird Barr nach und nach nicht nur klar, dass es Heather letztendlich um die Lebensversicherungssumme ihres Mannes gegangen ist, sondern auch, dass sie ihm den Mord an „Jimmy“ in die Schuhe schieben will...; bereits im Vorspann, bei dem Joanou den Zuschauer nacheinander mit „flowers“, „wine“, der Golden Gate Bridge sowie „water“ konfrontiert, fühlt man sich, in allererster Linie, an Hitchcock’s Klassiker Vertigo – Aus dem Reich der Toten erinnert, wobei San Francisco bekanntlich die Lieblings-US-Stadt des Suspense-Meisters war; hinzu kommt, da eben auch ein „deadly fire“ im Film thematisiert wird, das „Element des Feuers“ und Joanou lässt die Leinwand hin und wieder brennen wie ein weiterer Regie-Meister, der bei Eiskalte Leidenschaft anscheinend ebenfalls, zumindest in visueller Hinsicht, Pate gestanden hat, nämlich David Lynch; die Kamera-Arbeit von Jordan Cronenweth gibt sich in einigen Passagen des Werks ebenfalls überaus „Hitchcock-like“ und präsentiert überraschende Perspektiven und „betont schräge Winkel“, vor allem auch immer dann, wenn der Leuchtturm, der eindeutig eine Hommage an den schicksalhaften Glockenturm aus „Vertigo“ ist, eine Rolle spielt; „Final Analysis“ bietet, dem Filmtitel alle Ehre machend, eine ganze Reihe an „klischeehaftem psychoanalytischem Talk“ (Gere: „Es wär schon möglich, dass das Zuspätkommen ein Ritual ist, das Sie vollziehen, um einem potenziellen Liebhaber auszuweichen oder ihn zu verärgern“ / Thurman: „Also bin ich passiv aggressiv?“) und der „Freudianer“ Richard Gere wird auch dementsprechend von seinen „Patientinnen“ Uma Thurman & Kim Basinger mit einem exemplarischen Traum aus Freud’s Traumdeutungsbuch gezielt in die Irre geführt; „Heather, du bist ein Wrack. Aber du bist auch meine Frau. Und falls du mich je wieder in so eine Verlegenheit bringst wie heute, verdammt, dann leg ich dich um“ (Eric Roberts zu Kim Basinger in einem Wagen, nachdem sie ihm in einem Restaurant und anscheinend im Zustand der „pathologischen Intoxikation“ eine Szene gemacht hat) – Kim Basinger, die in Eiskalte Leidenschaft, wie übrigens auch in der äußerst amüsanten Blake-Edwards-Komödie Blind DateVerabredung mit einer Unbekannten (1987; Co-Starring: Bruce Willis), offenbar keinerlei Alkohol verträgt, und Eric Roberts legen einige wahrhaft bizarre und reichlich „overacted“ daherkommende „Szenen einer Ehe“ hin, bei denen man den Eindruck hat, dass hier konsequent „weitergedacht“ wurde, wie wohl eine „marriage“ zwischen dem „toxischen Duo“ Rourke & Basinger aus Adrian Lyne’s 9½ Wochen (1986) ausgesehen hätte; eindeutig „good“ an „Final Analysis“ jedoch ist der absolut „Hitchcock-Film-würdige“ Score von George Fenton sowie, was auch dem US-Star-Kritiker Roger Ebert seinerzeit aufgefallen ist, die tolle Liebesszene zwischen Kim Basinger & Richard Gere].

„Darling, Beaky’s staying with us for a few days“...nachdem „Beaky“ [BEAKY THWAITE: „Hören Sie, Mädchen, das ist von Ihnen als seine Frau aber nicht nett“] Lina für ihren „Mangel an Vertrauen“ in „Johnny“ ein wenig gerügt hat, stellt „Johnny“ klar, dass Thwaite, wie gewohnt, ein paar Tage ihr Gast sein wird.

Als „Beaky“ den Raum verlassen hat, um sich für das geplante Essen umzuziehen, wirkt „Johnny“ plötzlich äußerst verärgert und er bringt, während er und Lina schließlich den Weg aus dem „room“ hinaus zur großen Treppe beschreiten, seinen Unmut darüber zum Ausdruck, dass sie sich in sein „business“ eingemischt hat [JOHNNY: „Eins sag ich dir, aus meinen Angelegenheiten hältst du dich heraus!“].

„I was only...“ – Lina versucht ihm in der Folge zu erklären, dass sie erreichen wollte, dass „Beaky“ sich nicht vollkommen auf ihn verlässt und ebenfalls Verantwortung übernimmt für den Fall, dass „etwas schiefgehen sollte“ [Nachsatz von LINA: „[...] Es ist ja nicht so, dass ihr beide sehr erfahrene Geschäftsleute seid“].

Diese Aussagen... „What the devil do you know about business?“ ...scheinen „Johnny“ aber noch mehr zu „provozieren“, wobei sie ihrem „husband“ zustimmen muss, als dieser meint, dass sie... „Oh, very little“ ...nur wenig von Geschäften verstehe. Allerdings gibt sie ihm zu bedenken, dass diese Immobilien-Sache nicht „any good“ sein könnte.

„That’s my business, not yours!“ – als das Paar dann gemeinsam die große Treppe hinaufgeht, bekräftigt „Johnny“ nochmals, dass „die Sache gut ist, wenn er der Meinung ist, dass sie gut ist“ und dass er keinerlei Einmischung ihrerseits wünscht [Nachsatz von JOHNNY: „Ist das klar?“].

„Yes, that’s clear“... Lina wirkt, „at the top of the stairs“ angekommen, etwas „intimidatet“ und meint, dass „Johnny’s Botschaft zweifellos angekommen sei“ [LINA: „Ja, ganz klar“].

Am nächsten Tag schneidet Lina im Garten die Hecke, als... „Girl afraid / Where do his intentions lay? / Or does he even have any?“ [Copyright: The Smiths] ...„Johnny“ unerwartet vor ihr auftaucht [JOHNNY: „Guten Morgen, Mutzi-Putzi“].

„Oh, you’ve frightened me. I didn’t see you coming“ – nachdem sie ihren „Schreck“ über sein plötzliches Auftauchen zum Ausdruck gebracht hat, teilt er ihr eine Entscheidung mit, nämlich jene, dass er die Grundstücksfirma wieder aufgibt [JOHNNY: „Du, ich muss dir was sagen, ich gebe die Grundstücksfirma wieder auf“].

Lina... „What happened?“ ...will natürlich wissen, warum er die Firma „fallenlässt“, was dazu führt, dass er ihr zunächst eine Reihe an Gründen nennt (viel von „Beaky’s“ Geld stünde auf dem Spiel etc.), als Hauptgrund aber... „Perhaps it’s a stiff job and I’m too lazy“ ... die „erwartbar hohe Arbeitsbelastung“ angibt, auf die er, wie er meint, „keinerlei Lust habe“.

Daraufhin fragt Lina ihn, ob er „still angry about last night“ sei, was „Johnny“ verneint, woraufhin Lina von einer „schlaflosen Nacht“ ihrerseits spricht, die mit einer gewissen „Angst“ verbunden gewesen sei [LINA: „Wirklich. Ich habe die ganze Nacht deshalb nicht schlafen können. Du...du hast noch niemals so scharf mit mir gesprochen und ich hatte Angst...“].

„Johnny“ möchte umgehend wissen, von welcher „fear“ sie da in der Nacht geplagt worden sei, und sie teilt ihm mit, dass sie... „I was afraid you’d stopped loving me“ ...Angst davor gehabt habe, dass er sie nicht mehr liebe.

Das führt zu einer... „No, Monkey Face, I’m not angry and I love you very much“ ...diesbezüglichen „Entwarnung“ von Johnny, der danach den Gartenbereich wieder verlässt. Auf Lina’s Gesicht jedoch bleiben deutliche „Spuren von Zweifel“ bezüglich „Johnny’s all-clear in terms of love“ zurück [Anmerkung: Exkurs: „Apropos `I was afraid you’d stopped loving me`: François Truffaut’s Liebe auf der Flucht“: VOICEOVER von „ANTOINE DOINEL JEAN-PIERRE LÉAUD, eine Passage aus seinem Roman wiedergebend, die gerade von „COLETTE TAZZI MARIE-FRANCE PISIER in einem Zugabteil gelesen wird: „`Woran merkt man, dass man verliebt ist? Das ist sehr einfach. Man ist verliebt, wenn man anfängt, gegen seine eigenen Interessen zu handeln`“ / COLETTE TAZZI, zu sich selbst und dabei lächelnd: „Schon möglich“ (aus: Liebe auf der Flucht; „Antoine Doinel’s `first love` Colette“ Marie-France Pisier liest gerade jenes Kapitel aus dem Roman „Les salades de l’amour“, in dem „Antoine“ Jean-Pierre Léaud die seinerzeit etwas einseitige „Liebesgeschichte“ mit ihr „aufgearbeitet“ hat) – nach seinem „Totenkult-Drama“ Das grüne Zimmer / OT: La chambre verte (1978), das ein „begrenztes Zielpublikum“ hatte, wollte Hitchcock-Freund & Hitchcock-Gesprächspartner Truffaut unbedingt wieder eine Komödie drehen; „La vie d’Antoine Doinel“ – was den Stoff betraf, fiel die Entscheidung des Franzosen darauf, sozusagen „den letzten Part der Abenteuer von Antoine Doinel“ zu drehen; in „L’amour en fuite“ (OT), der 1979 in die Kinos kam, wird die Entwicklung des wiederum von Jean-Pierre Léaud dargestellten „Antoine Doinel“ in einer „puzzleartigen“ Geschichte rekonstruiert, die aus zahlreichen Rückblenden besteht, in denen Szenen oder Episoden aus Doinel’s Leben (also aus Sie küssten und sie schlugen ihn, Antoine und Colette, Geraubte Küsse, Tisch und Bett) wieder aufgegriffen werden, welche aber gleichsam in eine Geschichte integriert sind, in deren Verlauf Doinel mit seiner Vergangenheit und mit all den Frauen, denen er begegnet ist und mit denen er „in love“ war, konfrontiert wird; „Hast du unseren ersten Abend im Kino vergessen? An einem bestimmten Punkt haben dich die brutalen Szenen dazu gebracht, an meiner Schulter Zuflucht zu suchen“ (aus einem Brief, den „Antoine“ Jean-Pierre Léaud an sein „girlfriend“ „Sabine Barnerias“ Dorothée schreibt, um sich mit ihr zu versöhnen) – zu den Ausgangspunkten der Story: Antoine Doinel lässt sich von seiner Ehefrau Christine (wie immer großartig: Claude Jade) scheiden („Christine“ zu einigen „Vertretern des Rundfunks“, die vor dem Gerichtsgebäude aufgetaucht sind, weil sie und „Antoine“ offenbar das erste Ehepaar Frankreichs sind, das sich „einvernehmlich“ scheiden gelassen hat: „Napoleon hat trotzdem das Revolutionsgesetz dazu benutzt, Josephine loszuwerden. So war es doch, Antoine?“) und hat eine neue Freundin, nämlich die junge Plattenverkäuferin Sabine (aus einem Dialog zwischen Léaud & Dorothée ganz zu Beginn des Films, als „Sabine“ „Antoine“ als Geschenk einen Stapel Bücher überreicht: Dorothée: „Die Tagebücher von Léautaud*“ / Léaud: „Im Ernst. Du hast sie so einfach bekommen, alle neunzehn? Für mich? Da siehst du, wie viele Schwierigkeiten er mit Frauen gehabt hat, der alte Léautaud“; *Paul Léautaud (frz. Schriftsteller & Theaterkritiker; 1872 - 1956); vor dem Gerichtsgebäude wird Antoine auch von seiner Jugendliebe, der nunmehrigen Anwältin Colette, beobachtet („Colette“ zu einem Kollegen, als Antoine nach dem Scheidungstermin fluchtartig das Gerichtsgelände verlässt: „Aha, Doinel läuft weg. Der scheint sich überhaupt nicht geändert zu haben“), die sich daraufhin seinen Roman „Der Liebessalat“ kauft; der Zufall will es, dass Antoine dann am Abend desselben Tages seinen Sohn Alphonse auf die Bitte seiner Ex-Frau hin zum Bahnhof bringt (Dialog am Bahnhof zwischen Vater und Sohn, als der Sohn schon im Zug ist: Léaud: „Übe auch fleißig Geige, Alphonse. Mit viel Üben und Talent wirst du ein berühmter Musiker“ / „Alphonse“ Julien Dubois: „Und wenn ich schlecht bin?“ / Léaud: „Wenn du schlecht bist und `ne Menge Fehler machst wirst du später Musikkritiker, Alphonse“), zum Gare de Lyon, wo Colette aus beruflichen Gründen gerade in einen Zug nach Aix-en-Provence eingestiegen ist; als er Colette sieht und ihr Zug abfährt, springt Antoine, zunächst ohne ihr Wissen, spontan auf den Zug auf; in ihrem Schlafwagen liest Colette dann Antoine’s Roman, und zwar speziell jenen Teil, in dem es eben um „Antoine et Colette“ geht; dann erhält sie eine Einladung von einem „Fremden“ in den Speisewagen, und der Fremde entpuppt sich als Antoine, woraufhin die beiden in Erinnerungen schwelgen und sowohl den Roman (Léaud: „Und bedenken Sie bitte auch, dass das ein Roman ist, zwar ein wenig autobiografisch, aber letzten Endes doch ein Roman“) besprechen als auch „neue Projekte“ (Marie-France Pisier: [...] Ich halt Sie wirklich für einen guten Schriftsteller, Antoine, aber ich hab‘ den Eindruck, dass Sie es zum echten Romancier bringen könnten, wenn es Ihnen gelingen würde, eine Geschichte von A bis Z zu erfinden, wenn Sie dazu nur Ihre Fantasie benutzen würden“ / Léaud: „Diese Geschichte gibt es schon. Ich hab‘ auch bereits einen Titel, es wird ein richtiger Roman. Ich werde ihn `Das Manuskript, das ein Gör fand` nennen“); letztendlich kommt es aber zu einem Streit zwischen Antoine und Colette, der damit endet, dass sie ihm klarmacht, dass er eben nie verstanden habe, dass sie ihn seinerzeit nur gern gehabt hätte und nicht geliebt; zurück in Paris will sich Doinel mit Sabine, die ebenfalls beleidigt auf ihn ist (Dorothée zu Jean-Pierre Léaud, als sie ihm seine Briefe vor die Füße wirft: „Da, das sind deine Briefe! Du kannst sie wiederhaben! Ich möchte diesen Haufen Lügen nicht hierbehalten!“), weil er sie versetzt hat, indem er auf den Zug gesprungen ist, versöhnen, was zunächst schwerer als gedacht ist...; „Du bist ein alter Dummkopf! Alt, alt, alt!“ / „Es stimmt, dass ich alt bin, aber die Alten sind weise“ („unernster“ Dialog zw. „Sabine“ & „Antoine“ in der Wohnung von „Sabine“) – nun, Truffaut ist vielleicht der einzige Regisseur der Filmgeschichte, der eine Figur an verschiedenen Punkten ihres Lebens vom gleichen Akteur spielen ließ, denn zunächst hat er seinen Antihelden „Antoine Doinel“ Jean-Pierre Léaud 1959 in Sie küssten und sie schlugen ihn als 13-Jährigen porträtiert, dann in dem Kurzfilm Antoine und Colette von 1962 „Antoine’s“ erste Liebe in Szene gesetzt und ihn schließlich in Geraubte Küsse (1968) und Tisch und Bett (1970) als erwachsenen Mann gezeigt, der mit „Christine“ verheiratet ist und einen Sohn namens „Alphonse“ hat, was ihn aber, wie man in „L’amour en fuite“ erfährt, auch nicht davon abhält, letztendlich zu „flüchten“ (François Truffaut zum Thema „Antoine n’est pas un héros“: „Doinel fühlt sich nur in extremen Situationen wohl. Er ist keine außergewöhnliche Figur, er ist das Gegenteil eines Helden. Aber im Gegensatz zu Durchschnittstypen begibt er sich nie in durchschnittliche Situationen. Er ist entweder so tief enttäuscht und verzweifelt bis zu dem Punkt, dass man um ihn fürchten muss, oder er ist ganz und gar begeistert. Das ist das Lustige bei ihm. Es ist das, was ihn wenig vorhersehbar macht“); der fünfte und letzte Teil des Zyklus hat gewiss retrospektiven Charakter und gerät zur „Auto-analyse“, zur Selbstanalyse der Familiengeschichte, der Ängste, Eigenheiten und Lügen von „Antoine Doinel“ und hat etwas von einem Drahtseilakt zwischen Lebenskraft, Trauer & Melancholie an sich; Liebe auf der Flucht war bekanntlich die letzte Zusammenarbeit zwischen Truffaut und Jean-Pierre Léaud und natürlich schwebt über dem gesamten Werk eine gewisse „Abschiedsstimmung“, die einem durch das „Happy End“ gewiss erleichtert wird („Das Ende des Films war anstrengend. Eine Tür schließt sich, obwohl ich wollte, dass der Film ein Happy End hat. Ja, das musste sein. In der letzten Szene waren Léaud und ich sehr durcheinander. Ich wollte ein Ende wie ein Revue-Finale, bei dem jeder noch einmal auf die Bühne kommt. Es ist das Ende der Vorstellung. Jetzt fühle ich mich zum ersten Mal frei. Ich habe keine Projekte am Laufen“ – F. Truffaut); ein echtes Highlight ist übrigens der regelrecht innovative Vorspann von Liebe auf der Flucht, denn dieser besteht aus einer Art „morgendlichen `love-scene`“ zwischen „Antoine und Sabine“, und Truffaut hat das so gelöst, dass sich, während die Titel laufen, die beiden „völlig angezogen bleibend und ohne jegliche Nacktheit“ gleichsam „auf dem Boden“ in „Sabine’s Wohnung“ „herumwälzen“, wobei zahlreiche Überblendungen ebenfalls ihren Teil dazu beitragen, dass man im Grunde „wirklich gar nichts sieht“; erwähnen in diesem Zusammenhang, als „very nice and sweet detail“, kann man auch das pinke Nachthemd, das Dorothée trägt, denn auf diesem findet sich eine Abbildung, die einen völlig erledigten Snoopy zeigt, der auf seiner Hundehütte liegt, sowie eine Aufschrift, auf der steht: „I’m allergic to mornings!“].

 

 

 

 

[To be continued...]

 

 

(ENDE der TEILE 1.5.1 - 1.6.3; Fassungen vom 23.06.2024, 27.06.2024, 30.06.2024, 03.07.2024, 05.07.2024, 12.07.2024, 15.07.2024 & 17.07.2024)