Vorbemerkung zu "HITCHCOCK" (Arbeitstitel)

 

 

Das war ganz nett, aber die Schere glänzt nicht genug. Ein Mord ohne blitzende Schere ist wie Spargel ohne Sauce Hollandaise - fade

&

In Amerika nennen Sie diesen Mann `Hitch`. Wir in Frankreich sagen `Monsieur Hitchcock`

&

Heute hat Hitchcocks Werk viele Schüler, das ist normal, denn er ist ein Meister. Aber wie immer zeigt sich auch hier, dass man Unnachahmliches nicht nachahmen kann, wohl die Wahl des Stoffes, allenfalls seine Behandlung, aber niemals den Geist, von dem sie durchtränkt ist

&

Es mag enden, wie es will. Jedenfalls freue ich mich, Sie zu kennen, Madame

&

Jeden Nachmittag beginn ich meine Rundfahrt. Immer zur gleichen Zeit fahr ich die Champs-Élysées hinunter

 

(ZITAT 1: Kommentar von Alfred Hitchcock am Set von Bei Anruf Mord (1954)  – geäußert angesichts der Tatsache, dass die Mordszene, in der sich Grace Kelly gegen ihren Angreifer, der sie zu erdrosseln versucht, mit einer Schere zur Wehr setzt, zunächst nicht so recht die gewünschte Wirkung entfalten wollte; // ZITAT 2: Worte des französischen Star-Regisseurs François Truffaut, die dieser 1979 im Rahmen der Verleihung des „Life Achievement Award“ des AFI (American Film Institute) an Alfred Hitchcock (1899-1980) gesprochen hat; // ZITAT 3: Wiederum François Truffaut, aber diesmal in seinem Filmbuch-Klassiker „Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht?“ (erste Originalfassung: 1966) und zum Thema Alfred Hitchcock & dessen Nachahmer und darauf Bezug nehmend, dass Hitchcock, wenn es darum geht, einen Thriller- oder Suspense-Film zu drehen, sozusagen „im tiefsten Innern“ wohl das ultimative Vorbild ist und bleibt; // ZITAT 4: Satz, den „Louis“ Jean-Paul Belmondo zu „Julie“ Catherine Deneuve in Truffaut’s Das Geheimnis der falschen Braut von 1969 sagt, einem Thriller, in dem Truffaut quasi selbst recht deutlich „auf den Spuren & und im Schatten des Meisters“ wandelt, da Belmondo darin erkennen muss, dass die geheimnisvolle Schönheit, in die er sich verliebt hat und die er geheiratet hat und die eben von Catherine Deneuve dargestellt wird, ein dunkles Geheimnis verbirgt, das ihn in der Folge in einen Strudel von Begierde & Leidenschaft abdriften lässt, in dem auch „murder“ plötzlich eine Rolle spielt – literarische Vorlage: Cornell Woolrich, der in den 1950er-Jahren auch die Grundlage zu Hitchcock’s Klassiker Das Fenster zum Hof lieferte; // ZITAT 5: ein weiteres Beispiel aus einem französischen „Kriminal-Film“, der durchaus, vor allem was den Schnitt betrifft, Hitchcock’sche Elemente aufweist – der Satz ist ein Voiceover von Alain Delon, der in Jean-Pierre Melville’s Der Chef von 1972 einen Kommissar gibt, der zufällig dieselbe Frau (gespielt von Catherine Deneuve) liebt wie der Bankräuber (verkörpert von Richard Crenna), dem er gerade auf der Spur ist; absolutes Highlight des Films: die Deneuve ermordet als Krankenschwester verkleidet jemanden in einem Krankenhaus mit einer Spritze – das Vorbild für die „killer nurse“ Daryl Hannah in Tarantino’s Kill Bill - Volume 1)

 

 

Ich habe meine Arbeit getan, so gut ich konnte“ (Copyright: Alfred Hitchcock) – „Monsieur Hitchcock“, dessen „Arbeit“, die aus insgesamt 53 Kinofilmen besteht, ich, ohne den Zeitraum groß zu übertreiben, seit mittlerweile über dreißig Jahren bewundere, gehört, mit der Mischung aus Geheimnisvollem & Psychologischem, die seine Thriller & Suspense-Movies durchzieht, sicherlich zu jener Art von Filmkünstlern, die so etwas wie eine „persönliche Sphäre“ geschaffen haben, deren Bedeutung weit über die Filme hinausgeht und die das Unterbewusstsein zahlreicher Menschen nachhaltig beeinflusst hat.

Wie kein Zweiter konnte er dem Publikum ANGST machen, wobei sich die Hitchcock-Movies, die, wie‘s ebenfalls François Truffaut so trefflich ausgedrückt hat, als „einer der bedeutendsten Beiträge zur Kunst der Inszenierung“ gelten können, fast allesamt durch außerordentliche Sorgfalt & Präzision sowie ungewöhnlicher technischer Meisterschaft auszeichnen.

Was aber zweifelsohne von Beginn an am augenfälligsten an Hitchock’s Werk ist, ist der „unbedingte Wille“ dieses „Meisters der Suspense“, die Aufmerksam der „audience“, des Publikums, zu erlangen, um mit den geweckten Emotionen dann zu spielen, aber das letztendlich immer mit dem finalen Ziel, so etwas wie „Leerlauf & Banalität auf der Leinwand“ zu verhindern. 

Und als „Hitch“ nach und nach Ende der 40er-/Anfang der 50er-Jahre auch zu seinem eigenen Produzenten geworden ist, um mehr Kontrolle über seine Filme zu erlangen, wurde er auch zu so etwas wie zu einem „Regisseur, dem die Stars vertrauen“, denn Hitchcock hat es, speziell natürlich mit Vertigo – Aus dem Reich der Toten (1958), nicht nur geschafft, gleichsam den ohnehin in den 1950s eingeleiteten Imagewandel von James Stewart (von der Verkörperung „unschuldiger Jungen oder Männer vom Lande, die in eine komplizierte Welt geraten“ hin zu eher „einsamen, von Wahn und Schmermut gequälten Figuren“) auf die Spitze zu treiben, sondern auch Sean Connery, welcher Mitte der 60er-Jahre seinem James-Bond-007-Weltretter-Image im Grunde längst überdrüssig war, in Marnie (1964) zu einem „character“ zu machen, der auf fast fetischistische Art und Weise versucht, die Kleptomanin „Marnie“ Tippi Hedren zu beherrschen und zu kontrollieren.

 

 

(Fassung vom 4.11.2021)