NO PULP IN THE FICTION: "2"                                          Kapitel "INGLOURIOUS BASTERDS" (TEIL 3.1)

 

„ONE MORE! WHY? BECAUSE WE LOVE MAKING MOVIES!“

 

(Standard- & Lieblings-Ausruf von Quentin Tarantino am INGLOURIOUS BASTERDS-Set, wenn ein Take, und sei es nur zur Sicherheit, wiederholt werden musste – „Einmal noch! Warum? Weil wir es lieben, Filme zu machen!“)

 

 

 

Okay, so you’re Brad Pitt / That don’t impress me much / So you got the looks but have you got the touch? / Don’t get me wrong, yeah I think you’re alright / But that won’t keep me warm in the middle of the night

&

Weiß du, du bist ziemlich hübsch für n‘ Stuntman

 

(Zitat 1: aus der Reihe „Vorurteile gegenüber gutaussehenden Männern & gegenüber Brad Pitt“ – Textzeilen aus dem Song „That Don’t Impress Me Much“ von Shania Twain, veröffentlicht 1997 auf dem Album „Come on Over“; // Zitat 2: ebenfalls aus der Kategorie „Vorurteile gegenüber Brad Pitt“, allerdings diesmal ausgesprochen von einer letztendlich „fiktiven Figur“, nämlich jenem (von dem Schauspieler, Stuntman & Kampfkünstler Mike Moh verkörperten) „Bruce Lee“, der in Tarantino’s ONCE UPON A TIME...IN HOLLYWOOD von 2019 auftritt und der, durch seine diversen „Angebereien“, mit dem von Pitt wahrlich brillant gespielten Stuntman „Cliff Booth“ aneinandergerät)

 

 

 

LT. ALDO

Ich stamme in direkter Linie von dem alten Trapper Jim Bridger ab. Das heißt: In mir steckt ein halber Indianer und unser Schlachtplan lehnt sich an den Widerstand der Apachen an.

 

(aus: INGLOURIOUS BASTERDS; „Aldo, der Apache“ Brad Pitt deutet in seiner Ansprache an die Basterds „somewhere in England“ an, woher sein Spitzname und seine „Schwäche für (Nazi-)Skalps“ kommt)

 

 

Hollywood-Superstar Brad Pitt (Jahrgang 1963), von dem ich persönlich seit ONCE UPON A TIME...IN HOLLYWOOD ein echter Fan bin, hat im Laufe seiner Karriere bereits mit einigen „Regisseuren mit eindeutiger Handschrift“ zusammengearbeitet, so zum Beispiel mit David Fincher, denn dieser hat den Schauspieler sowohl in seinem berühmten Serienkiller-Film Sieben (1995; Seven; Co-Stars: Morgan Freeman & Gwyneth Paltrow) als auch in dem Kult-Psychothriller Fight Club (1999; Co-Stars: Edward Norton & Helena Bonham Carter), der mittlerweile, ob zurecht oder unrecht, als „eines der großen Meisterwerke der 90er“ gilt, sowie in dem -wahrlich seltsamen- Fantasyfilm Der seltsame Fall des Benjamin Button (2008; The Curious Case of Benjamin Button; Co-Star: Cate Blanchett) besetzt.

Für Ethan & Joel Coen, also: für die „so-called“ Coen-Brothers, übernahm Pitt 2008 auch einen Part in deren Krimikomödie Burn After Reading – Wer verbrennt sich hier die Finger? (Burn After Reading; Co-Stars: George Clooney, Frances McDormand & John Malkovich) und unter der Regie eines weiteren bedeutenden Vertreters des „US-Autorenfilms“, nämlich Terrence Malick (z. B.: 1973: Badlands – Zerschossene Träume; 1978: Days of Heaven – Tage des Himmels; 1998: Der schmale Grat), war Pitt 2011 in dem Drama The Tree of Life (Co-Stars: Sean Penn & Jessica Chastain) zu sehen.

INGLOURIOUS BASTERDS stellte nicht den ersten Berührungspunkt zwischen Brad Pitt und Quentin Tarantino dar, denn Pitt war bereits 1993 an Tony Scott’s Verfilmung von QT’s Drehbuch-Debüt True Romance beteiligt gewesen – Pitt verkörperte darin „Floyd“, einen „notorischen Kiffer“, der mit einem altem Schulfreund der von Christian Slater gespielten Hauptfigur „Clarence Worley“ zusammenwohnt.

Eigentlich hatte Tarantino die Rolle des „Basterds“-Boss „Lt. Aldo Raine“ ursprünglich sogar für sich selbst geschrieben (Brad Pitt: „Quentin schrieb die Rolle für sich selbst, und dass er sie in letzter Minute mir gab, weiß ich zu schätzen“) und die „LT. ALDO“-Figur ist, wie QT in Interviews betont hat, die einzige zentrale Figur in seinem Film, die sozusagen „von Anfang bis zum Ende dieselbe“ bleibt (QT: „Jede Figur mit Ausnahme von Aldo gibt vor, ein anderer Mensch zu sein, oder spielt eine Rolle. Sei es Shosanna oder sonst jemand. Aber Aldo ist unfähig, jemand anderer als Aldo zu sein. Er gibt sein Bestes, er glaubt, er leistet gute Arbeit“; Quelle: „Diskussion am Runden Tisch mit Quentin Tarantino, Brad Pitt und Elvis Mitchell“) und die, wenn man so will, einem „strikten Kodex“ folgt (Brad Pitt: „Er räumt ein Übel aus der Welt. Das ist ein strikter Kodex und er vermittelt eine Botschaft, er versucht, das Spielfeld aufzuräumen. Und das beruht auf seiner Vergangenheit“).

Begeistert gab sich Tarantino vor allem über die Art & Weise, wie schnell Pitt sich gleichsam auf den „Character Aldo Raine“ einlassen konnte (QT: „Es war wirklich cool, wie Brad die Figur so gut kennenlernte, dass es gar keine Situationen gab, in denen ich als Regisseur ihm etwas sagen musste. Es waren meinerseits eigentlich immer nur Fragen, die ich ihm stellte“), was der Schauspieler wiederum auf seine langjährige Erfahrung im Filmgeschäft zurückführt (Brad Pitt: „Ich taste mich durch die Figuren, weil ich mich vom Gefühl leiten lasse. Aber da ich es schon so lange mache, schaffe ich es recht schnell“).

Besonders erwähnenswert an Pitt’s schauspielerischer Leistung in INGLOURIOUS BASTERDS ist aber sicherlich auch, dass er seine „Aldo Raine“-Figur mit interessanten „körperlichen Merkmalen“ ausgestattet hat, so zum Beispiel mit einem „steifen, unbeweglich wirkenden Kiefer“, was Pitt weit weg von seinem vor allem damals noch mehr als hartnäckigen Image als „Hollywood-Schönling“ führte und was in diversen Szenen auch entscheidend zu einer gewissen „schrägen Komik“ beiträgt, die natürlich auch im Rest des Films, man denke an die karikaturartigen Darstellungen von „HITLER“ & „GOEBBELS“, vorhanden ist (QT: „Sein Instinkt bezüglich der Körperlichkeit seiner Figur ist großartig, es passt genau, es tritt eine Figur und ein Verhalten zutage. So etwas kann man nicht aufschreiben: Die Physiologie, um eine Figur zum Leben zu erwecken. Er ist ein Genie darin“).

 

 

 

 

Wir kommen jetzt zum Ende der Dreharbeiten mit dem tollen Rod Taylor!

 

(QT am Set von INGLOURIOUS BASTERDS und bei der „Verabschiedung“ von Schauspiel-Legende Rod Taylor, der soeben seine Winston Churchill-Szenen an der Seite von Michael Fassbender und Mike Myers beendet hatte)

 

 

Für die Rolle des britischen Premiers „Winston Churchill“ (Anmerkung: Der „real“ Winston Churchill (1874-1965), der wohl bedeutendste britische Staatsmann des 20. Jahrhunderts, war Premierminister von 1940-45 sowie von 1951-55) wollte Tarantino von Anfang an unbedingt den australischen Schauspieler Rod Taylor gewinnen, obwohl ihm Taylor (1930-2015) sogar selbst vorgeschlagen hat, statt ihn den Briten Albert Finney (z. B.: 2012: James Bond 007: Skyfall) für die Rolle zu nehmen, der Churchill schon mehrfach gespielt hatte (Rod Taylor: „Und ich sagte: `Direkt über dem Kanal in England ist Albert Finney. Der hat Churchill schon etwa 6x gespielt`. Und er sagte: `Wenn Rod Taylor ablehnt, rufe ich Albert Finney an`. Nun, das ist ein Freund fürs Leben, ich hätte alles für ihn getan“; Quelle: Interview-Session „Ein Gespräch mit Rod Taylor“).

Von der Arbeit mit QT am Basterds-Set war Taylor, der schon mit Regie-Größen wie George Stevens (1956: Giganten; mit Elizabeth Taylor, Rock Hudson & James Dean), John Ford (1965: Cassidy, der Rebell; Co-Regie: Jack Cardiff) oder, wie bereits in der „plot summary“ erwähnt, eben mit Alfred Hitchcock bei „The Birds“ (Co-Star: Tippi Hedren) gearbeitet hatte, begeistert (Rod Taylor: „Ich erlebte Quentin unmittelbar und es war das Aufregendste und Erfreulichste, was ich je sah. Er sitzt hinter der Kamera […] und beobachtet die Szene genau. […] Er liebt seine Schauspieler […] und schaut mit begeistertem Gesichtsausdruck zu oder lauscht mit ernsthaftem Interesse jedem Wort. […] Es macht Spaß, so einem Mann bei der Arbeit zuzusehen“; Anm.: Als Kameramann bei INGLOURIOUS BASTERDS fungierte, wie schon bei KILL BILL und wie später bei DJANGO UNCHAINED, THE HATEFUL EIGHT sowie ONCE UPON A TIME...IN HOLLYWOOD, Ausnahme- & Star-„cinematographerRobert Richardson).

 

 

 

(ENDE von TEIL 3.1; Fassung vom 07.03.2021)