NO PULP IN THE FICTION: "2"                               Kapitel "DEATH PROOF - TODSICHER" (Teil 1.1) [EXPLICIT CONTENT]

 

Death Proof (2007)

(109 Min.; dt. Verleihtitel: Death Proof – Todsicher)

 

 

 

Ich wollte sie nach 15 Minuten heiraten und nach einer halben Stunde gab ich sogar auf, ihre Handtasche zu stehlen

 

(„After fifteen minutes I wanted to marry her, and after half an hour I completely gave up the idea of stealing her purse“ - Voiceover des Kriminellen & „bank robber[s]“ „Virgil Starkwell“ Woody Allen aus der Woody Allen-Gangster & Gauner-Komödie Take the Money and Run von 1969; QUENTIN TARANTINO hat seine, durch diverse „Crime & Gangster-Movies“ wie Reservoir Dogs – Wilde Hunde, Pulp Fiction & Jackie Brown etablierten, „unrühmlichen Bastarde“ & „Bad Ass-Dudes“ in seinen zwischen 2007 und 2019 veröffentlichten Werken durch eine Slasher-Film-Hommage, einen Kriegsfilm, zwei Western sowie eine Art „Comedy-Drama“ geschickt)

 

 

 

There’s a nail in the door

And there’s glass on the lawn

Tacks on the floor

And the TV is on

And I always sleep with my guns

When you’re gone

[…]

What should I do I’m just a little baby

What if the lights go out and maybe

And then the wind just starts to moan

Outside the door he followed me home

&

You’re gonna see the reason why

When they’re spitting in your eye

They’ll be spitting in your eye

Hang up the chick habit

Hang it up, daddie

A girl’s not a tonic or a pill

 

(Zitat 1: aus „Goodnight Moon“ von Shivaree, einem der „End-Credits-Songs“ von KILL BILL VOL. II; „Die Braut“ Uma Thurman sitzt, während der Song und eben diverse „end credits“ laufen, am Steuer ihres Wagens und fährt, eingefangen in einem edlen Schwarz/Weiß, eine „long & almost empty road in Mexico“ entlang – solange, bis sie sich dann sozusagen direkt ans Publikum wendet und diesem zublinzelt; tacks: Reißnägel // Zitat 2: aus „Chick Habit“ von April March, jenem Song, der, in einer englischen sowie in einer französischen Version, während des Abspanns von DEATH PROOF – TODSICHER läuft - auch in DEATH PROOF – TODSICHER geht es, ähnlich wie im KILL BILL-Epos, wenn man’s so ausdrücken will, um: „Vergeltung, Macht & Feminismus“)

 

 

 

Komisch, als ich DEATH PROOF sah, in dieser Szene, in der die Mädels im Auto sitzen und quatschen. Es passiert nichts, sie sagen nichts, was wirklich wichtig ist. Und das geht lange, immer länger, 45 Minuten lang geht das so. Sie fahren immer nur durch die Gegend, sie reden immer nur. Und dieser Moment hat mich so fasziniert, es machte `Klick`. Neben der Tatsache, dass sie unglaublich unterhaltsam sind, haben diese Filme eine Anziehungskraft und einen Reiz, dem man sich nicht entziehen kann. Man spürt ständig diese Kraft darin

 

(Christoph Waltz über DEATH PROOF – TODSICHER & über QT’s Filme im Allgemeinen; aus der 2019er-Doku Tarantino – The Bloody Genius/OT: QT8: The First Eight)

 

 

 

WARREN

Genau genommen weiß ich nicht, ob er überhaupt schon mal was gedreht hat. Er hat mir mal `ne Folge von `High Chaparral` gezeigt. Da fällt ein Typ vom Pferd und er hat gesagt, das sei er.

 

(aus: DEATH PROOF - TODSICHER; „Warren“, der Barkeeper & Besitzer des „Huck‘s“, gespielt von Quentin Tarantino selbst, in Richtung „Stuntman Mike“ Kurt Russell; QT-Skript-Fassung: „Well technically, I don’t know he’s ever done anything for sure. He shows me an old episode of `High Chaparral`, a guy falls off a horse, he says it’s himokaycould be“)

 

 

 

STUNTMAN MIKE

Um ehrlich zu sein, ich bin da reingerutscht, wie die meisten in dem Geschäft. […] Mein Bruder hat mich reingeholt.

 

PAM

Wer ist denn dein Bruder?

  

STUNTMAN MIKE

Stuntman Bob.

 

(aus: DEATH PROOF - TODSICHER; Dialog zwischen Kurt Russell & Rose McGowan, nachdem „Pam“ „Stuntman Mike“ gefragt hat, wie jemand überhaupt Stuntman werden kann („So how exactly does one become a stuntman?“); Anmerkung: Der „Mike & Bob-Aspekt“ wird gemeinhin als „Tarantino-Hommage“ an das „böse Duo Mike & Bob“ in David Lynch’s TV-Serie TWIN PEAKS interpretiert; QT-Skript-Fassung: STUNTMAN MIKE: „But really, I got into the business the way most people get into the stunt business. […] My brother got me in it“ / PAM: „Who’s your brother?“ / STUNTMAN MIKE: „Stuntman Bob“)

 

 

 

Im Grunde wird DEATH PROOF – TODSICHER, Quentin Tarantino’s „Exploitation-Slasher-Film“ von 2007, in dem es um einen Stuntman geht, der junge Frauen im Rahmen von „staged car accidents“ ermordet, indem er dabei sein „todsicheres“ Stunt-Auto zum Einsatz bringt, nicht gerade zu den absoluten Meisterwerken des Regisseurs gezählt.

Eher im Gegenteil: DEATH PROOF – TODSICHER gilt für die meisten vielmehr als das „offizielle Schlusslicht“ innerhalb des Tarantino-Oeuvres.

Der Haupttenor der Kritik geht dabei stets in jene Richtung, dass das Werk, das auch Teil des „Quentin Tarantino-Robert Rodriguez-Planet Terror & Death Proof-Double Feature-Grindhouse-Projektes“ war, „awful boring“ für einen Slasher-Film sei, da die Figuren darin im Grunde die ganze Zeit über nur in ihren Autos in den US-Bundestaaten Texas und Tennessee herumfahren und dabei endlosen sowie „schwerfälligen“ „conversations about nothing“ nachgehen.

Und in der Tat: In dem Film wird viel „gequatscht“ – vielleicht sogar mehr als in jedem anderen Tarantino-Film, aber: DEATH PROOF – TODSICHER ist, allein schon was die „Bildsprache“ betrifft (Director of Photography: QT selbst!), durchaus auch „aufregend & cineastisch großartig“.

Das Faszinierendste an DEATH PROOF - TODSICHER, dem vermeintlich „schlechtesten Tarantino-Film aller Zeiten“ (QT: „[…] so if that’s the worst I ever get, I’m good“), ist allerdings der Aspekt, dass das Werk im Grunde eine Fortführung des mit KILL BILL VOL. I & II eingeschlagenen Weges ist, da darin zunächst so gut wie jedes „Slasher-Film-Klischee“ von Gewalt gegen Frauen bedient wird - aber eben nur solange, bis der Spieß umgedreht wird!

 

 

 

Der Plot von Death Proof – Todsicher:

Bei den „Opening Credits“ sieht man den „POV[Point of View-Shot] OF A CAR WINDSHIELD“ [QT-Skript]. Das Auto fährt, zu den Klängen eines „Good God Almighty rockabilly tune“ [Skript], eine Straße entlang und zwei nackte Frauenfüße sind auf dem Armaturenbrett platziert – allerdings auf der Beifahrerseite [„A pair of female bare feet with a gold ankle bracelet lie propped up on the dashboard emanating from the passenger seat“; QT-Skript; ankle bracelet: Fußreifen; to emanate: im Sinne von „stammen von“].

JUNGLE JULIA’S APARTMENT – DAY“ [Skript] – Eine „tall [ ] Amazonian Mulatto goddess“ [QT-Skript] namens Julia Lucai ist gerade dabei, sich anzukleiden [Beschreibung von „Jungle Julia“ im Drehbuch: „This sexy chick is Austin, Texas, local celebrity, JUNGLE JULIA LUCAI, the most popular discjockey of the coolest rock radio station in a music town“].

Anschließend wird sie von zwei Freundinnen mit einem „Honda civic“ [Skript] abgeholt – „One girl is SHANNAThe other (the one with the sexy opening credit feet) is ARLENE“ [QT-Skript].

Das Trio fährt dann zunächst durch „The City of Austin, Texas“ [eingeblendeter „Subtitle“] und führt in dem Auto [Angaben im Skript zu den „Platzierungen“ der drei Frauen innerhalb des Autos: „Shanna is behind the wheel, Arlene is in the passenger seat, and Jungle Julia lies sprawled out in the back seat, her feet out the car door window, like Cleopatra“; to sprawl: sich ausbreiten], mit dem sie das „Margaritas and Mexican Food“-Lokal „Guero’s“ ansteuern wollen, eine Diskussion über diverse Themen wie „Dope“ oder einen Filmemacher namens Christian Simonson, welcher angeblich später auch ins „Huck’s“, einer Bar, kommen soll [ARLENE: „Wir hatten gedacht, du hast was“ / […] JUNGLE JULIA: „Ach Scheiße, hör doch auf, […], jedes verfickte Mal soll ich mich ums Dope kümmern, wenn wir weggehen“ // SHANNA: „Ok, ist Christian Simonson auch da?“ / JUNGLE JULIA: Aber sicher, er kommt mit Jessie Leadbetter“ / SHANNA – zu ARLENE: „Christian Simonson, der Filmemacher ist hier. Und er steht tierisch auf Julia“].

Schließlich gibt Shanna noch eine Art „Verhaltenskodex“ für den bevorstehenden Abend aus [SHANNA: „Aber nicht vergessen, heute Nacht totales Abschleppverbot. Ihr könnt gerne mit ihnen abhängen, ihr könnt gerne mit ihnen rummachen. Ihr sollt sie dann nur nicht gleich abschleppen“], bevor die Frauen abermals, denn dies kommt insgesamt dreimal vor, eines der Jungle Julia-Plakate „feiern“, die am Wegesrand aufgestellt sind [Auszug aus dem QT-Skript mit Bezug auf die „Jungle Julia billboards“ entlang der „Texas Road“: „A billboard of Jungle Julia Lucai, the discjockey of the local classic rock station, AUSTIN HOT WAX 505. […] Different styles of Jungle Julia billboards are all over town. As the girls pass by it they scream“].

Als Shanna, Arlene & Jungle Julia aber eine ansonsten „empty road“ [Skript] entlangfahren, taucht plötzlich ein „menacing looking muscle car with a powerful thumping engine“ [Skript; menacing: bedrohlich; thumping: pochend] hinter ihnen auf und fährt ihnen nach.

 

 

 

(ENDE von TEIL 1.1; Fassung vom 22.12.2020)