NO PULP IN THE FICTION: "2"                                          Kapitel "DJANGO UNCHAINED" (TEILE 1.1.1 & 1.1.2)

 

Django Unchained (2012)

(165 Min.; dt. Verleihtitel: Django Unchained)

 

 

 

[There’s] A lot of controversy about the use of the N-word in the film [`Django Unchained`]. I‘m told the screenplay is based on Mel Gibson’s voicemail

 

(Witz von Seth MacFarlane, Schöpfer der Zeichentrick-Serie Family Guy und Regisseur von Komödien wie Ted (2012) oder A Million Ways to Die in the West (2014), bei der Oscar-Verleihung 2013, die er „ge-hosted“ hat – MacFarlane’s „offensive Oscar joke“, einer seiner besten des Abends, verbindet die „N-word“-Kontroverse um Tarantino’s DJANGO UNCHAINED mit der Tatsache, dass sich Schauspielstar & Regisseur Mel Gibson damals, aufgrund zahlreicher „an die Öffentlichkeit gelangter & öffentlich getätigter“ rassistischer Äußerungen, unter anderem eben auch im Rahmen eines „phone call[s], ins „Hollywood-Abseits“ befördert hat; Tarantino’s Django Unchained-Drehbuch hat bei den 85th Academy Awards im Laufe des Abends dann den Oscar für das „Best Original Screenplay“ erhalten – was wiederum QT’s zweiter Drehbuch-Oscar nach jenem für PULP FICTION war)

 

 

 

Kein anderes Genre zeigt das Jahrzehnt, in dem ein Film gemacht wurde, besser als ein Western. Er zeigt auch die Moralvorstellungen und die Gefühle der Amerikaner im jeweiligen Jahrzehnt

&

Django ist ein Superheld. Er ist der Typ, der in den Sonnenuntergang hinausreitet. Das tun nicht viele schwarze Schauspieler. Schon gar nicht in einer Zeit, in der Sklaverei herrscht. Er tötet böse Weiße, holt sein Mädchen und reitet in den Sonnenuntergang

 

(Zitat 1: Quentin Tarantino über das Genre des Westerns, dem er ja dann filmisch noch einmal, nämlich 2015 in THE HATEFUL EIGHT, gehuldigt hat; // Zitat 2: „Django“-Darsteller Jamie Foxx über den „exklusiven Superhelden-Status“ von „Django Freeman“ in DJANGO UNCHAINED; Quellen: Doku „Tarantino – The Bloody Genius“)

 

 

 

DR. SCHULTZ

Das ist mein Diener, Django. Das sind unsere Pferde, Tony und Fritz.

 

(aus: DJANGO UNCHAINED; „Dr. King Schultz“ Christoph Waltz bei der Ankunft auf „BENNETT MANOR, a plantation in Gatlinburg, Tennessee“ (Skript); „Django“ Jamie Foxx trägt bei der Ankunft von ihm und Schultz auf der Plantage von „Big Daddy Bennett“ Don Johnson das berühmte „powder blue satin“-Outfit, das, wie Tarantino in seinem Skript meint, irgendwie besser „in the court of Marie Antoinette at Versailles“ passen würde)

 

 

 

„D-J-A-N-G-O. The D is silent

I know

 

(aus: DJANGO UNCHAINED; „AND WITH THE FRIENDLY PARTICIPATION OF FRANCO NERO“ [Einblendung während der Opening Credits-Sequenz] - „Django Freeman“ Jamie Foxx trifft an einer Bar im „Cleopatra Club“ auf Sergio Corbucci’s „Original-Django“ von 1966, nämlich auf Franco Nero, der sich, bei seinem Cameo-Auftritt als „Italian slaver Amerigo Vessepi“, klarerweise „eingeweiht“ bezüglich der Aussprache des Namens gibt; dt. Synchro: DJANGO: „D-J-A-N-G-O. Das D ist stumm“ / AMERIGO VESSEPI: „Ich weiß“)

 

  

HOW THE WEST WAS WON AND WHERE IT GOT US“ (Titel eines Songs von R.E.M. aus dem Jahr 1996) – Der farbige Regisseur Spike Lee, welcher schon Tarantino’s „extensive use“ des N-Wortes in JACKIE BROWN kritisiert hatte, sparte auch 2012 nicht mit Kritik an DJANGO UNCHAINED, der in US-Medien, aus dem besagten Grund eben, teilweise auch als „DJANGO DISRESPECTFUL“ bezeichnet wurde.

Lee, einer der Mitbegründer und eine der Ikonen des New Black Cinema[s] der 1980er- & frühen 1990er-Jahre und Regisseur von Klassikern wie Do The Right Thing (1988) und Malcolm X (1992), war außerdem der Meinung, dass man die „American slavery“ nicht in Form eines „Spaghetti-Westerns“ abhandeln könne.

Nun, Tarantino’s DJANGO UNCHAINED-Drehbuch wurde, wie bereits erwähnt, dennoch mit dem Oscar ausgezeichnet und das hat sicherlich seine Gründe, denn: QT’s Film mag die „amerikanische Sklaverei“ zum Gegenstand eines „ultraviolent & darkly-comic-spaghetti western[s]“ machen, aber: das Werk verfügt über ein wahrlich atemberaubend originelles Konzept und weist einen einnehmenden Plot sowie einen ganzen Haufen ikonischer Charaktere auf, die sich einem auch umgehend ins Gedächtnis brennen – man denke nur an den von Samuel L. Jackson kongenial dargestellten „head slave Stephen Warren“, dem eigentlichen „Herrscher“ auf der Plantage von „Calvin J. Candie“ Leonardo DiCaprio.

Und außerdem hat DJANGO UNCHAINED so etwas wie „its own genre“ begründet, nämlich ein Western- oder Film-Genre, das Tarantino mit „The Southern“ tituliert hat.

 

 

 

Der Plot von Django Unchained:

Der Film beginnt damit, dass „[FIVE] shirtless and shoeless BLACK MALE SLAVES“, die an den Füßen aneinandergekettet sind, an einem „BOILING HOT DAY“ durch eine „COUNTRYSIDE“ [Quellen: QT-Skript] marschieren müssen, und zwar bewacht von den Sklavenhändlern Ace & Dicky Speck [gespielt von James Remar & James Russo] – „One of the [five] slaves is our hero DJANGO“ [QT-Skript].

Nachdem man während der Opening Credits-Sequenz mit einer „MONTAGE of misery and pain“ [Skript] konfrontiert wurde, welche das Leiden der fünf Sklaven, angesichts von diversen Wetterumständen wie „blistering sun“ und „pounding rain“ [Quellen: Skript], verdeutlicht hat, und die Speck-Brothers mit ihrer „black skinned cargo“ [Skript; cargo: Fracht, Ladung] in einem Wald angekommen sind, werden durch zwei Einblendungen quasi Zeit & Ort des Geschehens festgemacht – „1858 Two years before the Civil War“ & „somewhere in Texas“.

Plötzlich taucht in der „very pitch black night“ [Skript; pitch black: pechschwarz] ein Mann auf, dessen Gefährt von einem „BLACK HORSE“ [Skript] gezogen wird [Anm.: Tarantino nennt in seinem Drehbuch einige wichtige Elemente der Kleidung von „The RIDER“, so wie „Dr. SCHULTZ“ an der Stelle im Skript noch genannt wird: „A long grey winter coat, over a grey three piece business suit, and a grey bowler hat on his head“].

Die Speck-Brüder, die, in Erwartung von „possible trouble“ [Skript], ihre Gewehre bereithalten, fragen nach der Identität des Mannes [DICKY SPECK: „Wer irrt da holpernd und stolpernd durch die Nacht? […]“], welcher mit einem „slight German accent“ [Skript] aber dann zunächst die Identität der „Specks“ abklärt [The RIDER – gemäß Skript: „Good cold evening gentlemen. […] I’m looking for a pair of slave traders that go by the name of The Speck Brothers. Might that be you?“], bevor er, nach erneuter Nachfrage von Ace Speck, sich und sein Pferd vorstellt [The RIDER: „Ich bin Doktor King Schultz. Das ist mein Pferd Fritz“], wobei das Pferd ebenfalls eine „Begrüßungs-Geste“ macht – „Fritz, does a little bow with his head, a […] trick the doctor taught him“ [Skript].

Schultz stellt sich den Brüdern in der Folge auch als „Zahnarzt“ [Dr. SCHULTZ] vor und fragt die beiden dann danach, ob sie die Sklaven „[…] at The Greenville Slave Auction“ [Dr. SCHULTZ - gemäß Skript; gemeint ist: Greenville, Mississippi] erworben haben.

Als das geklärt ist, rückt Schultz mit seinem Anliegen heraus, Interesse an einem der Sklaven zu haben [Dr. SCHULTZ: „Sie haben in Ihrem Bestand […] ein Exemplar, das ich gerne erwerben möchte. Grüß euch, ihr armen Teufel“ / gemäß Skript: „Hello you poor devils“] – und zwar an einem ehemaligen Bewohner der Carrucan-Plantage.

I`m from The Carrucan Plantation“ [DJANGO’S VOICE – gemäß Skript] – In der Dunkelheit ertönt eine Stimme und Dr. Schultz sieht sich dann die Sklaven, beginnend bei „the Slave in lead position on the chain gang“, mithilfe einer Laterne näher an, bis er eben auf „our hero Django“ trifft, dem vierten Mann „in the leg iron line“ [Quellen: Skript].

Django stellt sich ihm vor und Dr. SCHULTZ teilt ihm mit, dass er nach den „Brittle Brothers“ sucht, die Django, so wie dieser Schultz auch bestätigt, auf der besagten Carrucan-Plantage getroffen hat.

Die Speck-Brüder geben sich daraufhin empört über die „polite conversation“ [Skript] zwischen den beiden [ACE SPECK – gemäß Skript: „Hey, stop talkin` to him like that!“], woraufhin der Doktor Ace & Dicky Speck, zumindest pro forma, zu beruhigen versucht [Dr. SCHULTZ: „Warum denn die Aufregung? Ich bin bloß ein Käufer, der versucht, eine Transaktion einzuleiten“].

Die Situation spitzt sich zu und Ace Speck richtet sein Gewehr auf Dr. SCHULTZ und spannt den Abzug – „Ace raises his rifle towards the German. […] Ace cocks back the rifle hammer“ [Skript]. Dann gibt Ace auch noch ein paar „verbale Freundlichkeiten“ von sich, bevor Schultz seine Pistole zieht und Ace Speck erschießt [zugehörige Skript-Passage: „The next FLASH OF LIGHT we see is the good doctors PISTOL out of his holster, and FIRING point blank into Ace Specks faceBLOWING the dumber dumb brother off his horse, dead in the dirt“].

Daraufhin wendet sich Schultz, bevor Dicky Speck sein Gewehr auf ihn richten kann, auch dem zweiten Speck-Brother zu und: „BAM… […] SHOOTS his HORSE in the head“ [QT-Skript]. Speck’s totes Pferd begräbt ihn quasi unter sich und macht den außerdem am Bein verletzten Dicky bewegungsunfähig [DICKY SPECK: „Mein Bein ist zerschmettert!“ / Dr. SCHULTZ: „Zweifellos“].

Django versichert Schultz dann noch einmal, dass er die „Brittle-Brüder“ erkennen würde. In der Folge befreit Schultz, der Speck noch einmal mitteilt, dass er ihm den Sklaven sozusagen abkaufen will [Dr. SCHULTZ: „Schon gekauft!“], Django von dessen Fußketten – „Django is free“ [Skript].

Schultz rät Django, sich den Wintermantel zu nehmen, „the dear departed Speck left behind“ [Dr. SCHULTZ – gemäß Skript], woraufhin Django sich den „dünnen Umhang“, den er in der Kälte tragen musste, vom Leib reißt und den Wintermantel von Ace Speck, unter Protest von Dicky Speck [DICKY SPECK: „N*****, rühr den Mantel von meinem Bruder nicht an!“], an sich nimmt und anzieht [Anmerkung: Jene Sequenz, in der der befreite „Django“ Jamie Foxx sich des „dünnen Umhangs“ entledigt und dann von Robert Richardson‘s Kamera kurz in Zeitlupe „verfolgt“ wird, sodass man einen Blick auf die zahlreichen Wunden am Rücken werfen kann, ist einer der Höhepunkte der „DJANGO-Befreiung“ – „[…] we can’t help but notice his back which has been SLASHED TO RIBBONS by Bull Whip Beatings“ (Skript-Passage); ribbons: Fetzen]. Anschließend besteigt Django auch noch Ace Speck’s Pferd.

Dr. Schultz übergibt Dicky Speck 125 Dollar für Django sowie einen kleinen Betrag für das Pferd von Ace und erstellt, während Dicky diverse „Flüche“ von sich gibt [DICKY SPECK: „Fahr zur Hölle, Zahnarzt!“], sogar eine „bill of sale“ [Dr. SCHULTZ], eine „Verkaufsurkunde“, für Django.

Now as to you poor devils“ [Dr. SCHULTZ – gemäß Skript] – Nachdem die „Django-Transaktion“ abgeschlossen ist, erhalten auch die restlichen Sklaven die Schlüssel zu ihren Ketten, was von Schultz damit verbunden wird, dass er ihnen die „two choices“ [Dr. SCHULTZ – gemäß Skript] aufzeigt, die sie nun haben, wobei Schultz, bei seinen Erläuterungen, irgendwie eine „Präferenz“ für die zweite Möglichkeit durchscheinen lässt, die eben nicht, so wie die erste, beinhaltet, dass sie den verbliebenen Speck-Bruder lebend dorthin zurückbringen, wo sie gerade hergekommen sind [Dr. SCHULTZ: „[…] Zweitens, ihr könnt euch die Fesseln abnehmen, das Gewehr schnappen, ihm eine Kugel verpassen, die beiden schön tief vergraben und euch in eine aufgeklärtere Gegend des Landes aufmachen. Is‘ eure Entscheidung“ / gemäß Skript: „[…] and make your way to a more enlightened area of the country“].

Dann machen sich Dr. Schultz und Django, Schultz mit seinem von „Fritz“ gezogenen Gefährt und Django auf „Tony“, davon, während die befreiten Sklaven sich für „Möglichkeit zwei“ entschieden haben und DICKY SPECK erschießen [Anm.: Im Tarantino-Skript folgt dann eigentlich eine Szene, in der Schultz & Django eifrig darüber diskutieren, welchen Namen das Pferd von Ace Speck künftig tragen soll, wobei Django sich eben für „Tony the horse“ (DJANGO – zu Dr. SCHULTZ) entscheidet. Im Film jedoch wird die Handlung in „THE WESTERN TOWN OF DAUGHTREY“ fortgesetzt].

 

 

 

(ENDE der TEILE 1.1 & 1.1.2; Fassungen vom 18.03.2021 & vom 21.03.2021)