NO PULP IN THE FICTION: "2"                                         Kapitel "INGLOURIOUS BASTERDS" (TEIL 1.1)

 

Inglourious Basterds (2009)

(153 Min.; dt. Verleihtitel: Inglourious Basterds)

 

  

Du wirst nie erwachsen werden. […] Emotional, sexuell und auch intellektuell

Aber sonst fehlt mir doch nichts

&

Bring’s zu Ende!

Keine Kugeln mehr. Und außerdem hab ich noch was Besseres zu tun

 

(Zitat 1: Originalfassung: NANCY: „You’re immature […]. Emotionally, sexually and intellectually“ / FIELDING MELLISH: „Yeah, but what other ways?“ - Dialog zwischen „Nancy“ Louise Lasser & „Fielding Mellish“ Woody Allen in Woody Allen’s Komödie Bananas von 1971 -  nach der „Erstansicht“ von INGLOURIOUS BASTERDS seinerzeit im Kino hatte ich das Gefühl, dass QUENTIN TARANTINO mit dem Film, nachdem er in jüngeren Jahren schon mal mit JACKIE BROWN ein verblüffend „erwachsenes“ Werk abgeliefert hatte, eine Art „Entwicklungsrückschritt“ gemacht hat oder eben als Filmemacher in eine Art „regressive Phase“ gestürzt sei, die auch nach dem „relativen Flop“ von DEATH PROOF – TODSICHER jetzt nicht wirklich absehbar war; // Zitat 2: Originalfassung: BLOFELD: „Finish it“ / JAMES BOND 007: „Out of bullets. And besides. I`ve got something better to do“ - Dialog zwischen „Ernst Stavro Blofeld“ Christoph Waltz & „James Bond 007“ Daniel Craig in Sam Mendes` Spectre von 2015; auch in seiner zweiten großen Schurkenrolle, nach jener des „Col. Landa“ in INGLOURIOUS BASTERDS, kam der Schauspieler am (Film-)Ende dann mit dem Leben davon; im Fall von Spectre bestand der Grund darin, dass es James Bond auf der Brücke, auf der der verletzte Blofeld vor ihm auf dem Boden liegt, eher zu seiner Freundin „Madeleine Swann“ zieht, welche bekanntlich von Léa Seydoux verkörpert wird, die ihrerseits wiederum 2009 in INGLOURIOUS BASTERDS noch in der Rolle von „Charlotte LaPadite“ zu sehen war, einer der Töchter jenes Farmers, dem der „Nazi officer Hans Landa“ zu Beginn von Tarantino’s Kriegsfilm einen Besuch abstattet)

 

 

 

Er hat die Geschichte nicht verändert und er behauptet auch nicht, es getan zu haben. Im Gegenteil, er tut genau das, worum es beim Storytelling geht: `Was wäre wenn...`

 

(Christoph Waltz in der Doku Tarantino – The Bloody Genius“ über den diskussionswürdigen / umstrittenen „What if…“-Aspekt von INGLOURIOUS BASTERDS, da darin das Attentat auf Adolf Hitler am Ende ja gelingt)

 

 

 

COL. LANDA

[…] two strudels, one for myself and one for the Mademoiselle. A cup of espresso, with a container of steamed milk on the side. For the Mademoiselle, a glass of milk.

 

(aus: INGLOURIOUS BASTERDS; Bestellung von „Hans Landa“ Christoph Waltz im Pariser Café „Maxim’s“ in Gegenwart von „Shosanna Dreyfus“ / „Emmanuelle Mimieux“ Mélanie Laurent; Text gemäß QT-Skript - im Film wird die Bestellung, die während des „erneuten Aufeinandertreffens“ zwischen dem SS-Kolonel & der Jüdin „Shosanna Dreyfus“ getätigt wird, auf Französisch gesprochen)

 

 

 

LT. ALDO

Jetzt nimmst du deinen Wiener Schnitzel-Finger und zeigst mir auf der hübschen Karte, was ich wissen will.

 

(aus: INGLOURIOUS BASTERDS; „Now take your Wiener-Schnitzel-lickin` finger and point out on this map what I want to know“ [Skript-Version] – „Ober-`Basterd`-Lieutenant Aldo Raine“ Brad Pitt will von „Sergeant Werner Rachtman“ Richard Sammel Informationen über, wie’s im Drehbuch heißt und so wie „Lt. Aldo“ sagt, „another kraut patrol fuckin‘ around here somewhere“)

 

  

Während ich also mit Tarantino’s „Fest für Fußfetischisten“, denn auch das war und ist DEATH PROOF – TODSICHER, noch relativ vorbehaltlos etwas anfangen konnte, so hatte ich, wie bereits angedeutet, mit QT’s „war film INGLOURIOUS BASTERDS anfangs tatsächlich so meine Schwierigkeiten, denn: jahrelang hinterließ das Werk eher ein „Das hat mit Meisterwerken wie RESERVOIR DOGS, PULP FICTION & JACKIE BROWN nichts mehr zu tun“-Gefühl bei mir - und auch so etwas wie ein, wie ich’s selbst gerne bezeichne, „George Michael-`Freedom! `90`-Effekt“ wollte sich bei INGLOURIOUS BASTERDS im Laufe der Zeit nicht so recht einstellen, soll heißen: dass man von einem Kunstwerk (im Falle von „Freedom! `90“ eben von einem Song) zunächst recht wenig begeistert ist und es dann, irgendwann, im Nachhinein als „true masterpiece“ empfindet und plötzlich sogar zu den „personal favorites“ innerhalb einer bestimmten Kunstkategorie zählt.

Nun, heutzutage mag ich QT’s schräg-brachialen „Men on a Mission“-Film mit dem kühnen „Was wäre wenn…“-Ende, von dem Christoph Waltz in dem oben angeführten Zitat spricht, zumindest weitaus mehr als 2009, denn Tarantino’s „twisted genius“ ist sicherlich auch in diesem Werk spürbar, und das „Eröffnungs-Kapitel“, also das „CHAPTER ONE“, „ONCE UPON A TIME IN…NAZI-OCCUPIED FRANCE“, gehört, so wie auch Tarantino selbst immer wieder betont hat, wohl tatsächlich zum Besten und vor allem Eindringlichsten und (dank Christoph Waltz’s Nebenrollen-Oscar-prämierter „more-than-creepy-interpretation“ des SS-Mannes „Hans Landa“) auch Unheimlichsten, was er je geschrieben hat.

 

 

 

Der Plot von Inglourious Basterds:

Über schwarzem Hintergrund wird das „Kapitel eins“, betitelt mit „ONCE UPON A TIME IN…NAZI-OCCUPIED FRANCE“ [gemäß Skript], angekündigt.

Auf einer „dairy farm in the countryside of Nancy, France (what the French call cow country)“ [Skript; dairy farm: „Milch-Farm“] ist ein Farmer namens Perrier LaPadite auf seinem Grundstück gerade dabei, einen Baumstumpf mit einer Axt zu bearbeiten. Julie, „one of his three pretty teenage daughters“ [Skript], hängt währenddessen gerade Wäsche an einer Leine, und das ebenfalls im Freien, auf. Schließlich bemerkt Julie, dass sich ein „Nazi town car convertible, with two little Nazi flags attached to the hood“, das flankiert von „TWO OTHER NAZI SOLDIERS on motorcycles“ [Quellen: Skript] ist, der Farm nähert.

Nachdem Julie ihren Vater auf den sich nähernden Convoy aufmerksam gemacht hat, weist dieser seine Töchter an, im Haus zu bleiben, und wartet die Ankunft ab [Erläuterung im QT-Skript bzgl. des Gemütszustandes des Farmers, der durch diesen „Besuch“ ausgelöst wird: „After living for a year with the sword of Damocles suspended over his head, this may very well be the end“].

Der „S. S. colonel“, der einen „black leather attaché case“ bei sich trägt [Quellen: Skript], steigt aus und stellt sich dem Milchbauern vor – die beiden führen ihre Unterhaltung in der Folge zunächst auf Französisch [COL. LANDA – auf Französisch: „Ich bin Oberst der SS Hans Landa. […] Ich hatte gehofft, dass Sie mich hereinbitten, damit wir uns unterhalten können“; Text gemäß dt. Untertitelung].

Im „LAPADITE FARMHOUSE“ [Skript], das der Farmer und Landa dann betreten, macht der SS-Mann zunächst einige Bemerkungen über die Schönheit der Lapadite-Töchter [COL. LANDA – auf Französisch: „Von Ihren Töchtern ist eine schöner als die andere“], bevor er sich von Charlotte [gespielt eben vom späteren Spectre & No Time To Die-Star Léa Seydoux] ein Glas Milch kredenzen lässt, welches er dann auch trinkt.

Die drei Töchter werden, auf „Wunsch“/Befehl von Landa hin, hinaus vor die Tür geschickt [COL. LANDA – bevor die Töchter rausgehen & auf Französisch: „Monsieur, zu Ihrer Familie und Ihren Kühen sage ich nur: Bravo“; Text gemäß dt. Untertitelung].

An dem Holztisch, an dem beide sitzen, wird die Unterhaltung dann auf Deutsch [im Original natürlich auf Englisch; „They now speak ENGLISH“ – QT-Skript] weitergeführt, da Landa meint, dass sein Französisch nun „erschöpft“ sei.

Nachdem Landa LaPadite gleichsam darüber „verhört“ hat, ob der Farmer denn wisse, mit wem er es zu tun hat [COL. LANDA: „Wissen Sie denn auch, wofür man mich hierher nach Frankreich beordert hat?“], und eine Antwort erhalten hat [LAPADITE: „Ich habe gehört, dass der Führer Sie beauftragt hat, die Juden zu fassen, die noch in Frankreich sind, die sich verstecken oder als Nicht-Juden ausgeben“], die von Landa durchaus „gewürdigt“ wurde [COL. LANDA: „Der Führer selbst hätt’s nicht besser ausdrücken können“/Skript-Version: „The Führer couldn’t have said it better“], fragt der SS-Mann, sich dabei in seinen mitgebrachten Unterlagen mit einer „expensive black fountain pen“ [Skript] Notizen machend, sein Gegenüber über ein paar jüdische Familien aus, die in der Gegend als Milchbauern gelebt haben, darunter auch die Familie Dreyfus, wobei Landa betont, dass alle Familien, außer eben „the Dreyfuses“ [COL. LANDA], mittlerweile ausfindig gemacht werden konnten.

Danach nennt Landa seine „mögliche Theorie“ bezüglich des Verbleibs der Familie [COL. LANDA: „Irgendwann letztes Jahr sind die einfach verschwunden, scheint. Woraus ich nur schlussfolgern kann, dass ihnen entweder die Flucht gelang, oder, dass sie jemand erfolgreich bei sich versteckt“], wobei er von LaPadite auch jene „Gerüchte“ hören will, die der Farmer vorgibt, über die Familie zu wissen [COL. LANDA: „Ich liebe Gerüchte. Na ja, Fakten können so irreführend sein, wohingegen Gerüchte, wahr oder falsch, häufig erhellend sind“/QT-Skript-Fassung der brillanten Aussage: „I love rumors! Facts can be so misleading, where rumors, true or false, are often revealing“].

LaPadite teilt dem SS-Mann mit, dass die „Dreyfuses“ angeblich nach Spanien geflüchtet wären, was Landa dazu bringt, die Fragestellung in Bezug auf die Familie zu „präzisieren“, wobei, wie sich eben an der Stelle herausstellt, zu der 5-köpfigen jüdischen Familie auch die „18- oder 19-jährige“ Shosanna gehört.

„[…] the CAMERA LOWERS behind his chair, to the floor, past the floor, to a small area underneath the floorboards“ [Anweisung im Skript; mit „his chair“ ist der Stuhl des Farmers gemeint] und enthüllt die Tatsache, dass sich eben unter den Fußboden-Dielen offenbar einige Personen versteckt halten: die besagte Familie Dreyfus! [zugehörige Skript-Passage: „FIVE HUMAN BEINGS lying horizontally underneath the farmer’s floorboards. These human beings are the DREYFUSES, who have lived lying down underneath the dairy farmer’s house for the past year. […] This family has done the only thing they could-hide from an occupying army that wishes to exterminate them“].

Landa lässt sich von LaPadite, der am Tisch auch eine Pfeife raucht, ein zweites Glas Milch kredenzen [COL. LANDA – gemäß Skript: „However, before I go, could I have another glass of your delicious milk?“], bevor er den Farmer dann nach dem Spitznamen fragt, den die Franzosen ihm, dem SS-Mann, verpasst haben, um diesem, nachdem LaPadite die „korrekte Antwort“ gewusst hat [LAPADITE – gemäß Skript: „They call you `the Jew Hunter´“/dt. Synchro: „Juden-Jäger“], anschließend zu verdeutlichen, warum er sich den von ihm durchaus geschätzten „unofficial title“ [Skript] in jedem Fall verdient hat [COL. LANDA: „Die Eigenschaft, die mich zu einem effektiven Juden-Jäger macht, ist: Im Gegensatz zu den meisten deutschen Soldaten kann ich denken wie ein Jude, wohingegen die nur denken können wie ein Deutscher, genauer gesagt: wie ein deutscher Soldat“].

Ihn in Bezug auf Verstecke also anzulügen wäre sinnlos, da er ein untrügliches Gespür für diese hat [COL. LANDA – gemäß Skript: „However, the reason the Führer brought me off my Alps in Austria and placed me in French cow country today is because it does occur to me“/dt. Synchro & um einen `Nachsatz` Landas erweitert: „[…], der Grund, weshalb mich der Führer aus meinen österreichischen Alpen geholt hat und ins französische Flachland versetzt hat, ist: Es kommt mir in den Sinn, weil ich weiß, zu welchen enormen Taten der Mensch fähig ist, sobald er seine Würde abgelegt hat“].

The farmer’s cool facade is little by little eroding“ [Skript-Passage; eroding: im Sinne von „bröckeln“] – Landa, der sich selbst dann eine S-förmige Pfeife anzündet [QT-Skript-Anmerkung bzgl. der im Vergleich zu jener von LaPadite sehr großen Pfeife: „The pipe, strangely enough, is a calabash, […] made famous by Sherlock Holmes“], kündigt eine Hausdurchsuchung an, die sozusagen nur noch durch „gewisse Informationen“ von Seiten LaPadites verhindert werden könnte [COL. LANDA: „Außerdem darf ich hinzufügen, dass jede Information, die mir die Erfüllung meiner Pflichten erleichtert, nicht mit einer Strafe belegt wird, ganz im Gegenteil sogar, sie wird zu einer Belohnung führen. Und diese Belohnung äußert sich darin, dass Ihre Familie durch das deutsche Militär so lange, wie wir Ihr Land besetzt haben werden, nicht mehr belästigt wird“].

Der Farmer bricht -innerlich- zusammen und beginnt in der Folge zu weinen, denn Landa konfrontiert ihn schließlich mit Tatsachen, die LaPadite letztendlich nur bejahen kann [COL. LANDA: „Sie halten Staatsfeinde bei sich versteckt, nicht wahr? […] Sie verstecken Sie unter der Fußboden-Diele, nicht wahr? […] Deuten Sie auf die Stelle, wo das Versteck liegt!“].

Nachdem LaPadite die Stelle angezeigt hat, öffnet Landa die Eingangstür und holt seine Begleiter herein – „Col. Landa silently points out the area of the floor the Jews are hiding under“. Das Maschinengewehr-Feuer wird eröffnet und das kleine Farmhaus ist plötzlich erfüllt von Rauch, Staub, Splittern, Schreien, „and even a little BLOOD“ [Skript].

Die Dreyfus-Familie ist tot – bis auf…Shosanna, welche sich aufmacht, durch eine Art Lüftungsschlitz zu flüchten [„With her dead family surrounding her, the young girl goes for freedom […]“].

It’s the girl. Nobody move!“ [COL. LANDA; gemäß Skript] – Shosanna flüchtet in Richtung der Wälder, mit Panik & Angst im Gesicht [Skript: „CU[Close-up; Nah- oder Großaufnahme] SHOSANNA’S FACE same as an animal being chased by a predator: FLIGHT-PANIC-FEAR“]. Landa tritt vor das Haus, nimmt seine Walther P38 „and straight-arm aims at the fleeing Jew“ [Skript]. Er überlegt es sich aber noch einmal und schickt Shosanna lediglich „ein Wort für einen abgegebenen Schuss“ [COL. LANDA – „österreichisch“: „Bumsdi“] anstelle eines tödlichen Schusses hinterher, bevor er dann ruft: „Au revoir, Shosanna!“.

 

 

 

(ENDE von TEIL 1.1; Fassung vom 03.02.2021)