NO PULP IN THE FICTION: "2"                                        Kapitel "DEATH PROOF - TODSICHER" (TEIL 3.1 & 3.2)

 

Zoe, I want you to remember your arms. Zoe the cat is Zoe the bullet. Give it to me, girl!

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Als ich die Geschichte entwickelte, hatte ich zwei Gruppen von Mädchen. Eine davon ist im Grunde genommen die weibliche Besetzung eines Slasher-Films. Besonders in der ersten Hälfte, wenn man die Mädchen sieht – das ist wie der Anfang der meisten Slasher-Filme. Es gibt einen Haufen Freunde, die zusammen sind. Normalerweise ist da ein fünftes Rad am Wagen – das ist mehr oder weniger Vanessa Ferlito’s Figur. Sie reden immer über Jungs und alles Mögliche. Und das machen sie auch am Anfang von meinem Film

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Als wir anfingen, hat Quentin nur gesagt: `Jungle Julia ist für die Musik, was ich für den Film bin. Sie hat dieses enorme Musikwissen`

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Umgeben zu sein von all diesen harten Mädchen. Das ist Quentin’s `Harte Mädchen`-Film

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Er schreibt Rollen für Frauen, die er sehen möchte

 

(Zitat 1: „Zoe, ich will, dass du an deine Arme denkst. Zoe die Katze ist Zoe die Kugel. Zeig es mir, Mädchen!“ – letzte „Regieanweisung“ von QT an Zoe Bell auf dem Death Proof-Set, kurz bevor diese ihren „Abflug ins Grüne vom Autodach des Dodge Challenger“ vor der Kamera performte; // Zitat 2: Tarantino über „The Girls“; // Zitat 3: Sydney Tamiia Poitier, die Tochter des legendären Sidney Poitier, über die von ihr verkörperte Figur der „Jungle Julia Lucai“, die ja in Austin eine gefeierte Radio-DJane sein soll; // Zitat 4: eine Art Death Proof-„Genre-Zuordnung“ der Abernathy-Darstellerin Rosario Dawson; Quelle der Zitate 1, 2, 3 & 4: die Doku „Quentin’s Mädels“; // Zitat 5: Stuntfrau & „Zoe“-Darstellerin Zoe Bell über QT’s Frauen-Rollen in der Doku „Tarantino – The Bloody Genius“)

 

 

Der US-Filmjournalist und ausgewiesene Tarantino-Fan Elvis Mitchell hat einmal über QT geschrieben, dass dessen „greatest gift as a writer“ zweifellos jener Umstand sei, dass Tarantino es liebt, Leuten beim Reden zuzuhören.

Und ja, wie bereits mehrfach erwähnt, geredet wird in DEATH PROOF – TODSICHER eine ganze Menge - und das Werk ist, wie eben zuvor JACKIE BROWN oder das KILL BILL-Epos, zweifellos auch wiederum der Beweis dafür, dass Tarantino ebenso viel Zeit mit „sitting around and listening to women & soaking up their attitude“ verbracht hat wie mit „sitting around and listenting to men & soaking up their attitude“, wobei sich die Frauen in Konversationen nicht weniger „territorial“ verhalten als die Männer und diesen auch im „Wälzen und Darbringen von Theorien“ in Nichts nachstehen.

Tarantino’s „characters“, egal, ob Männer oder Frauen, hören aber bei Gesprächen nicht wirklich aufeinander oder gar einander zu, sondern warten vielmehr auf ihre „Chance zum Reden“, auf ihre „chance to talk“, was den zumeist sehr ausgedehnten Unterhaltungen unterm Strich auch ein großes Maß an Realismus verleiht.

Zu den „GIRLS“, so wie sie ja explizit im Death Proof-Vorspann genannt werden: Die erste Gruppe an jungen Frauen, die von Stuntman Mike gestalkt werden, bilden „Jungle Julia“, „Arlene“ & „Shanna“.

In seinem Drehbuch macht Tarantino, und das gleich auf den ersten Seiten, ein paar Anmerkungen bezüglich der „dynamic of the trio“ (Quelle: Skript), wobei zunächst festgehalten wird, dass alle drei gemeinsam die „University of Texas“ besucht haben. Shanna soll aus Texas sein („Shanna being a Texas native, Corpus Christi to be exact“; Skript), Arlene aus Brooklyn und Julia aus Austin. Des Weiteren werden noch die „Jahre nach dem College“ und „Jungle Julia Lucai’s Aufstieg zur lokalen Berühmtheit“ kurz „aufgearbeitet“:

 

 

After school was over, Arlene went back to New York, Julia got into the local Austin music scene, becoming a fixture on the scene, and ultimately becoming a drive – time D.J. for the local oldies radio station Austin Hot Wax 505, and in the process turning into one of the most popular local celebrities since Stevie Ray Vaughan

 

(Quelle: Death Proof-Skript; drive time: Tageszeit, bei der „radio broadcasters“ die höchste Zahl an Zuhörerinnen & Zuhörer erreichen können – meist äquivalent mit der berühmten „rush hour“, also der „Zeit mit hohem Verkehrsaufkommen“; Stevie Ray Vaughan (1954 – 1990): Blues- & Rock-Gitarrist, der für gewöhnlich zu den besten Gitarristen der Musikgeschichte gezählt wird und 1990, während einer gemeinsamen Tour mit Eric Clapton, bei einem Helikopterabsturz ums Leben kam)

 

 

 

Die „Jungle Julia Lucai“-Darstellerin Sydney Tamiia Poitier (z. B.: TV-Serie Die himmlische Joan – lief von 2003-2005) kannte Tarantino bereits von den Kill Bill- & CSI: Vegas – „Gravedanger“-Castings (QT: „Sie sprach für die Rolle von Vivica A. Fox in `Kill Bill` vor. Und sie kam zum Vorsprechen für eine Rolle, die ich für CSI besetzte“; Quelle: „Quentin’s Mädels“).

Poitier wurde vor DEATH PROOF – TODSICHER allerdings meist als „das nette Mädchen“ oder als „die beste Freundin“ besetzt, aber neben den Fähigkeiten als Charakterdarstellerin, die ihr QT bescheinigt (QT – über seinen Eindruck bei den Death Proof-Castings: „[…] ich konnte sehen, dass sie eine tolle Charakterdarstellerin war. Aber sie bekam nicht oft Gelegenheit, es zu zeigen“), war es vor allem auch Poitier’s „physicality“, deren Körperlichkeit/körperliche Erscheinung, die sie in den Augen des Regisseurs für die Rolle prädestinierte (QT: „Ihre Körperlichkeit war absolut perfekt für Jungle Julia Lucai“).

Die Rolle der „ARLENE M.“ (Skript; Anm.: Bei der ersten Girls-Gruppe wurde lediglich „Jungle Julia“ von QT mit einem „vollständigen Nachnamen“ ausgestattet) hingegen hatte Tarantino, nachdem er, nach eigener Aussage, einige Zeit lang darüber nachgedacht hatte, ob die Figur „ihren eigenen Weg gehen“ oder gleichsam „auf Vanessa Ferlito basieren“ sollte (QT – diesen Prozess wiedergebend: „[…] Nehme ich Vanessa und die Figur kommt aus Brooklyn und ich benutze ihr Vokabular und ihre Ausdrucksweise? Wenn ich das tue, wird niemand anders sie spielen können, es muss Vanessa sein“), letztendlich dann bereits mit der gebürtigen New Yorkerin Ferlito vor Augen geschrieben (Vanessa Ferlito: „Quentin hat eigentlich die Rolle für mich geschrieben. Er rief mich an und sagte: `Du musst das Drehbuch lesen`“), die QT aus Filmen wie der Cheerleader-Komödie Der Herr des Hauses (2005; Man of the House; Regie: Stephen Herek) mit Tommy Lee Jones oder dem Independent-Drama On_Line (2002; Regie: Jed Weintrob) kannte.

Die „Lapdance-Szene“ im „Huck’s“ wurde von Ferlito mitchoreographiert, wobei Tarantino in der Doku „Quentin’s Mädels“ dazu anmerkt, dass Schauspielerinnen nach der Tanzszene zwischen Uma Thurman & John Travolta in PULP FICTION meist keinerlei Bedenken haben, in seinen Filmen zu tanzen (QT: „Jetzt, wo ich ein paar Filme gedreht habe, macht es Schauspielerinnen nichts mehr aus, in meinen Filmen für mich zu tanzen, weil sie in der Regel dabei ziemlich cool aussehen“).

Die Dritte im Bunde jener Frauen, die, so wie’s im Drehbuch heißt, allesamt „[…] in their three-years-after-college phase“ sind, nämlich „SHANNA S.“ (Skript), wird von Jordan Ladd verkörpert, der Tochter von Cheryl Ladd, jener Schauspielerin, die ab 1977, nach dem Abgang von Farrah Fawcett in Richtung Kino-Karriere, zur „main cast“ der TV-Serie Drei Engel für Charlie (1976-1981; Charlie’s Angels) gehörte.

Ladd, die auch eine kleinere Rolle in Eli Roth’s nicht unbedingt gelungener Splattermovie-Opus-Fortsetzung Hostel 2 (2007; Hostel: Part II) hatte, beschreibt „Shanna“ als „hartes Partytier“ (Quelle: „Quentin’s Mädels“), das sie aber, angesichts der großartigen Umstände, die ihr DEATH PROOF – TODSICHER bot (Rolle in einem Tarantino-Film – Kurt Russell als Co-Star – großartige Crew), auch gerne gespielt hat. QT selbst gab sich vor allem von Ladd’s „Treffsicherheit“ bei der Interpretation der Shanna-Figur begeistert (QT: „Sie hat Shanna irgendwie genau auf den Punkt getroffen. Ihre Vortragsweise war genau richtig. Sie hat viele kleine Monologe […] und sie hat das Timing gut getroffen, sogar schon beim Vorsprechen. Sie hat die Witze verstanden“).

Ein aus heutiger sowie aus meiner ganz persönlichen Sicht „wahrlich irgendwie kurioses & leicht morbides Detail“ von DEATH PROOF – TODSICHER, das zu der Zeit, in der der Film entstanden ist und veröffentlicht wurde, also 2006/2007, noch gar kein „wahrlich irgendwie kurioses & leicht morbides Detail“ sein konnte, ist der Umstand, dass sich hier Rose McGowan, eine der zentralen #Me Too-Aktivistinnen, in einem ausgerechnet von Harvey Weinstein mitproduzierten Film in der Nähe einer Person (Jungle Julia) befindet, die von einer anderen Person eine „text message-answer“ auf ihr Handy erhält, die den Satz „ME TOO!“ zum Inhalt hat (siehe auch Zusammenfassung des Plots)!

Aber, wie auch immer, die Rolle der „Pam“, also jener Frau, die nicht zur Gruppe um Jungle Julia gehört und von Stuntman Mike im „Huck’s“ angesprochen und in der Folge in dessen Wagen gekillt wird, hat McGowan, die einem breiteren Publikum speziell in Europa wahrscheinlich vor allem durch ihre Rolle in der TV-Serie Charmed – Zauberhafte Hexen (Charmed; 2001-2006) bekannt ist, quasi „unabsichtlich“ nach dem optischen Vorbild der Schauspielerin Barbara Bouchet gestaltet, welche 1967 in der James Bond-Parodie Casino Royale (Regie: John Huston et al.) die Rolle der Tochter von Miss Moneypenny gespielt hat und die zufälligerweise von Tarantino verehrt wird (Rose McGowan: „Arme Pam. Ich wollte, dass sie wirklich engelhaft und süß aussieht. Ich sprach mit Quentin viel darüber, […], und wir legten uns schließlich auf etwas Weiches, Blondes fest. Es gibt eine Schauspielerin aus den 60er-Jahren namens Barbara Bouchet, die er liebt. Und ich sah letztendlich, rein zufällig und auf gespenstische Weise, fast genauso aus wie sie und er war überglücklich“; Quelle: Doku „Quentin’s Mädels“).

Dass Rose McGowan in dem Death Proof-„Grindhouse“-Partner-Film Planet Terror sogar die Hauptrolle der Go-Go-Tänzerin „Cherry Darling“ spielt, hat QT bei der Besetzung von McGowan als „Pam“ übrigens nicht gestört, obwohl er darüber angeblich mit dem Planet Terror-Regisseur Robert Rodriguez einige Debatten geführt hat, da dieser sich nicht sicher war, ob das Publikum diese „Doppel-Besetzung“ von McGowan akzeptieren würde.

Tarantino soll Rodriguez in der Folge daran erinnert haben, dass es in den 70ern durchaus Schauspielerinnen & Schauspieler gegeben hat, die gleichsam von Film zu Film „gesprungen“ sind (QT: „Ich erwähnte Robert gegenüber: `Das passierte doch ständig in den New World Pictures-Filmen. Sie hatten dieselbe Schauspieler-Besetzung in vielen verschiedenen Filmen, weil sie sie mochten und sich auf sie verlassen konnten. Sie machten Sachen, die unmittelbar aufeinander folgten“; New World Pictures: eine von Roger Corman 1970 gegründete unabhängige Produktionsfirma, die bis 1997 existierte und zahlreiche B-Filme, wie beispielsweise Joe Dante’s Horror-Komödie Piranhas von 1978 oder die Martial Arts-Gurke Karate Tiger mit Jean-Claude Van Damme von 1986, produzierte), und nennt in Interviews diesbezüglich auch stets seinen JACKIE BROWN-Star Pam Grier als Beispiel (QT: „Eine Schauspielerin, die von Film zu Film gesprungen ist, war zum Beispiel Pam Grier. Rose war unsere Pam Grier“; Quelle: „Quentin’s Mädels“).

 

 

 

 

Ich besetze Schauspieler nicht so sehr nach den Rollen, die sie vorher gespielt haben. Es gibt viele Schauspieler, mit denen ich gerne einmal arbeiten würde, aber die Realität sieht so aus, dass ich sehr individuelle Figuren schreibe. Und dann finde ich die Schauspieler, die diese Figuren verkörpern, die diese Personen spielen können. Also geht es zuerst um die Figuren. Immer

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Tracie spielt meinen Dialog so gut. Sie ist eine Theaterschauspielerin. Und als sie zu ihrem ersten Vorsprechen kam, hat sie direkt den Nagel auf den Kopf getroffen. Sie wusste einfach, wie die Figur sich anhören sollte, wie diese Figur sprechen sollte und ihre Ausdrucksweise, alles. Sie spricht wie ein weiblicher Samuel L. Jackson

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Sie ist Lee. Sie trifft Lee auf den Punkt. […] Durch sie begriff ich, dass ich schon viel mehr von der Figur entwickelt hatte, als mir eigentlich bewusst war. Mary Elizabeth zeigte mir, dass ich eine bessere Rolle geschrieben hatte, als ich eigentlich gedacht hatte. Sie gab mir sozusagen meine Figur zurück

 

(Zitat 1: Tarantino zu seiner Vorgangsweise in puncto Rollen-Besetzung; // Zitat 2: QT über „Kim“-Darstellerin Tracie Thoms; // Zitat 3: QT über „Lee“-Darstellerin Mary Elizabeth Winstead; Quellen: in allen drei Fällen die Doku „Quentin’s Mädels“)

 

  

Stuntman Mike’s „new 3 girls“, „Abernathy Ross“, „Kim Mathis“ & „Lee Montgomery“, welche unterm Strich nicht weniger intensiv als die „ersten drei Girls“ den „rhythm of their talk“ ändern, ihre „individuellen Sorgen“ ausdrücken oder nach einem „Platz in ihrer Clique/ihrem Freundeskreis“ suchen, werden dann durch Rosario Dawson, Tracie Thoms & Mary Elizabeth Winstead verkörpert.

Rosario Dawson und Tracie Thoms waren zum Zeitpunkt der Death Proof-Castings bereits „Real Life-Friends“ und haben sogar gemeinsam vorgesprochen (Tracie Thoms: „Wir haben fast das gesamte Drehbuch für ihn vorgetragen“ / Rosario Dawson: „Er saß da und sagte `Mein Gott, ich hab das Gefühl, dass ich mir gerade den Film anschaue`“), wobei Tarantino sozusagen ohnehin schon vorher ein deklarierter Fan von Dawson war (QT: „Ich wusste, dass Rosario Dawson eine großartige Schauspielerin war. Ich habe sie schon immer geliebt und sie hat gezeigt, was sie drauf hat. Sie war der Inbegriff der ganzen Begeisterung während dieser großen Action-Szene, die wir zu einer der besten Verfolgungsszenen machen wollten, die jemals gedreht wurden“), zu deren Filmographie-Highlights Werke wie Spike Lee’s David Benioff-Adaption 25th Hour (2002; mit Edward Norton & Philip Seymour Hoffman), Oliver Stone’s großartiges und völlig unterschätztes Historien-Drama Alexander (2004; Anm.: Dawson spielte darin „Roxana“, die Braut von „Alexander the Great“ Colin Farrell) oder die Graphic Novel-Verfilmung Sin City (2005) von Robert Rodriguez & Frank Miller gehören. Bei letzterem Werk, bei der visuell herausragenden „Pulp-Stories-Sammlung“ Sin City, hat aber auch QT eine Szene, und zwar mit Clive Owen & Benicio Del Toro im Mittelpunkt, inszeniert, und das übrigens für die „symbolische Gage“ von lediglich einem Dollar, was als „Gegenleistung“ für die „`Gratis-Filmmusik` um einen Dollar“ von Rodriguez für den zweiten KILL BILL-Teil gedacht war.

Tracie Thoms, die Tarantino aufgrund ihrer „acting skills“ quasi den Eindruck vermittelt hatte, dass er es hier mit einem „weiblichen Samuel L. Jackson“ zu tun hat, und die aufgrund ihrer „driving skills“ genau die Richtige war, um in zahlreichen „fahrtechnisch problematischen“ Sequenzen des Films tatsächlich hinter dem Steuer des Dodge Challenger zu sitzen, war vor DEATH PROOF – TODSICHER beispielsweise in Werken wie dem populären „comedy drama“ Der Teufel trägt Prada (2006; The Devil Wears Prada; Regie: David Frankel; mit Meryl Streep, Anne Hathaway & Simon Baker) zu sehen, wobei Thoms über die Jahre hinweg vor allem Auftritte in einzelnen Episoden zahlreicher US-TV-Serien, wie etwa The Good Wife (2009-2016) oder auch Blindspot, (2015-2020) hatte.

Die „Lee Montgomery“-Figur hat Tarantino, nach eigenen Angaben, nicht so sehr „auf dem Papier“ entwickelt, sondern eher vor Ort bei den Dreharbeiten (QT: „Im Fall der Lee Montgomery dachte ich tatsächlich: `Weißt du was? Ich werde diese Figur nicht so speziell schreiben, ich werden die Figur nicht auf dem Papier finden, ich werde sie sehr offenlassen. So kann ich irgendjemanden besetzen, der hereinkommt und eine wirklich coole Persönlichkeit hat, irgendeine niedliche, interessante, schrullige Schauspielerin, die ich mag, oder irgendeine witzige Schauspielerin, die hereinspaziert kommt. Ich kann diese Persönlichkeit nehmen und das wird Lee sein. […] Ich kann eine Schauspielerin finden – sie kommt in den Raum und ich verliebe mich künstlerisch ein wenig in sie. Und ich setze sie ein, und das wird dann die Figur sein`. Dann kam Mary Elizabeth herein“; Quelle: „Quentin’s Mädels“), wobei dann eben Mary Elizabeth Winstead das Rennen bei der Besetzung machte, die 2007, im Jahr der Death Proof-Premiere, durch ihre Rolle im erfolgreichen Die Hard-Sequel Stirb langsam 4.0 (Live Free or Die Hard; Regie: Len Wiseman), in der sie als Tochter von „John McClane“ Bruce Willis, „Lucy Gennaro/McClane“, zu sehen war, noch ein zweites Mal gleichsam weltweite Aufmerksamkeit generieren konnte.

Als Tarantino die Entscheidung getroffen hatte, dass die zweite Gruppe von „GIRLS“, die ja dann im Laufe des Streifens um ein viertes „Girl“, nämlich um „Zoe“, erweitert wird, aus „Filmleuten“ bestehen würde, wollte er unbedingt, dass die Stuntfrau Zoe Bell als Schauspielerin in seinem Film zu sehen war (QT: „[…] Weil ich wusste, dass Zoe eine fantastische Schauspielerin sein würde“; Anm.: Für Bell stellte der Death Proof-Auftritt tatsächlich die „first on-screen acting role“ dar - und einige der „kleinen Set-Stories“, die Bell im Laufe des Streifens zum Besten gibt, haben einen realen Hintergrund und basieren auf ihrem reichen Erfahrungsschatz als Stuntfrau im Filmgeschäft), da dies automatisch auch bedeutete, dass QT jemanden an Bord hatte, der ohne Probleme dazu in der Lage war, „all dieses großartige Stunt-Zeug“ (QT) vor der Kamera zu machen.

 

 

 

(ENDE von TEIL 3.1 & von TEIL 3.2; Fassung vom 22.01.2021 & 25.01.2021)