HITCHCOCK-"Hidden Bonus Track 2": "GEHEIMAGENT / SECRET AGENT" (TEIL 2 & EPILOG)

 

 

Ich muss dich warnen. Ich hab‘ gehört, dass Beziehungen, die auf extremer Erfahrung beruhen, nicht von Dauer sind

Na schön. Dann muss unsere Grundlage Sex sein

Wenn Sie es sagen, Ma‘am

 

(„I’ve heard relationships based on intense experiences never work“: abschließender Dialog zwischen „Jack Traven“ Keanu Reeves & „Annie“ Sandra Bullock in Jan de Bont’s an sich ja „Bus-zentriertem“ Action-Thriller Speed aus 1994; das, was diesem „dialogue“, der zu den allerbesten „Nach einem bestandenen Abenteuer und kurz von einem abschließenden Kuss“-Dialogen der Filmgeschichten zählt, vorausgeht, ist eine Szene, die sich problemlos mit den großen „Zug-Szenen“, die von Hitchcock & Co inszeniert wurden, messen kann, denn: Reeves & Bullock rasen, dank des „maniac Howard Payne“ Dennis Hopper, ungebremst in einem U-Bahn-Wagon der Metro von Los Angeles über die Schienen, heben mit dem Wagon dann förmlich ab und landen damit schließlich „an der Oberfläche, mitten auf der Straße“, nämlich auf dem Hollywood Boulevard, und werden folglich von einer erstaunten bis amüsierten Menge an Touristen & Passanten beobachtet, gefilmt & fotografiert)

 

 

 

Deshalb also haben Sie das Nest der Spione in einer Schokoladenfabrik untergebracht. Dasselbe Prinzip haben Sie in `To Catch a Thief` angewandt, wie französische Kritiker herausgefunden haben: das Carlton in Cannes, der Blumenmarkt in Nizza, die Verfolgung um die Grande Corniche

So mache ich es immer, wenn es möglich ist. Aber es muss wirklich mehr als bloßer Hintergrund sein. Man muss versuchen, alle diese lokalen Gegebenheiten in das Drama einzubauen. Die Seen müssen da sein, damit Leute darin ertränkt werden, und die Alpen, damit sie in Schluchten stürzen

 

(Dialog zwischen François Truffaut & Alfred Hitchcock über die dramaturgisch hilfreiche Einbindung von „lokalen Gegebenheiten & Sehenswürdigkeiten“ in seinen Krimis; während in Geheimagent ihm mitunter die Schweizer Alpen & Seen als Kulissen dienten, so drehte „Hitch“ Szenen des bekanntlich an der Französischen Riviera angesiedelten Über den Dächern von Nizza aus 1955 mit Cary Grant & Grace Kelly auf der Panoramastraße „Grande Corniche“, beim „Carlton Hotel“ in Cannes sowie eben auf dem „Marché Aux Fleurs“ in „Nice“)

 

 

 

In dem Buch, das Claude Chabrol und Éric Rohmer über Sie geschrieben haben[*gemeint ist die Monografie „Hitchcock“ von 1957], weisen sie nach, dass in `Secret Agent` etwas zum ersten Mal vorkommt, das es später ständig gibt, nämlich, dass der Schurke als jemand erscheint, der sehr chic, vornehm, gut erzogen, nett und verführerisch ist

Allerdings. Die Einführung des Schurken stellt einen vor immer neue Probleme, vor allem im Bereich des Melodrams, das seiner Natur nach schnell altmodisch wirkt und ständig modernisiert werden muss. Zum Beispiel sollte in `North by Northwest` der Schurke, James Mason, der mit Cary Grant um Eva Marie Saint’s Gunst kämpft, sehr verbindlich und vornehm sein. Aber zugleich musste er auch drohend wirken, und das ist schwer miteinander zu verbinden. Deshalb habe ich dann den Bösen in drei Personen aufgeteilt: James Mason, gutaussehend und verbindlich, sein finsterer Sekretär und der Dritte, der Blonde, der ungeschlachte und brutale Handlanger

 

(Truffaut erwähnt in „Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht?“ seine französischen Kollegen Chabrol & Rohmer und weist den „Meister der Suspense“ darauf hin, dass der „Robert Marvin“-Darsteller Robert Young in „Secret Agent“ im Grunde „a new kind of villain“ in das Hitchcock’sche Universum eingeführt hat, nämlich den Typus des „eleganten, vornehm daherkommenden, zunächst freundlich erscheinenden Verführers“; übrigens war der US-Amerikaner Robet Young [1907 – 1998] zwischen 1969 & 1976 in der „Seifenopern-artigen“ Arztserie Dr. med. Marcus Welby in der „leading role“ des titelgebenden, „empathischen Hausarztes“ mit Praxis in Santa Monica zu sehen)

 

 

Chains / My baby’s got me locked up in chains“ (Copyright: der Song „Chains“ von den Beatles aus dem Jahr 1963 und dem Album „Please, Please Me“) – Hitchcock’s „Madeleine Carroll & Robert Donat sind mittels Handschellen aneinandergekettet“-Spionage-Thriller Die 39 Stufen geriet dem „Master of Suspense“ bekanntlich zu einem „big success“, und nicht nur die Reaktion des Publikums, sondern auch jene der Kritik war geradezu enthusiastisch.

Allerdings hatten Hitchcock und sein Drehbuchautor Charles Bennett schon während der Dreharbeiten zu den „39 Steps“ an ihrem nächsten gemeinsamen „screenplay“ gearbeitet und die konkrete „Making a Movie“-Phase von Geheimagent begann bereits im Oktober 1935, also noch im Jahr des „release“ von Die 39 Stufen (Anmerkung: Die Dialoge zu Geheimagent verfasste, wie bereits bei den 39 Stufen, Ian Hay, wobei der Dramatiker & „American Screenwriter“ Jesse L. Lasky Jr. diese dann überabeitete bzw. ein wenig „aufpolierte“).

Secret Agent“ war, nach „The Man Who Knew Too Much“ und eben „The 39 Steps“, sozusagen der dritte Spionage-Thriller Hitchcocks in Folge, wobei das Werk sicherlich am stärksten etwas von einer „moral fable“, einer „moralischen Fabel“, an sich hat, weil darin, neben einer, wenn man so will, „romantic intrigue“, gleichsam auch „als Patriotismus getarnte politische Zweckmäßigkeit, die in Mord endet“ thematisiert wird.

Als adäquaten Darsteller für einen, um den deutschen Verleihtitel eines Jackie-Chan-Films aus dem Jahr 2001 zu strapazieren, „Spion wider Willen“ schwebte „Hitch“ John Gielgud vor, der seinerzeit als Hamlet in Großbritannien auf der Bühne Triumphe feierte. Und die Figur des „Hamlet“ war es offenbar auch, mit der Hitchcock Gielgud überredete, die Rolle des „Edgar Brodie / Richard Ashenden“ anzunehmen, denn dieser Character wurde ihm als eine Art „moderner Hamlet, der eine ganze Menge an schwierigen Entscheidungen zu treffen habe“ beschrieben (Anmerkung: Gielgud war 1996, vier Jahre vor seinem Tod, sogar noch als „Priamos, `the King of Troy`“ in Kenneth Branagh’s rund vierstündiger Hamlet-Version zu sehen, in welcher sich neben Branagh & Gielgud u. a. auch Kate Winslet, Judi Dench, Julie Christie, Robin Williams, Jack Lemmon & Sir Richard Attenborough tummeln, wobei Gielgud in dem epischen Streifen gleichsam im Rahmen einer Art „flashback“ während einer Rede zugegen ist).

 

Was die Struktur von Geheimagent anbelangt, den man, wie erwähnt, mittlerweile (und trotz Gielgud’s nicht immer überzeugender Leistung) getrost zu den „British Masterpieces“ des Regisseurs zählen kann, so machte Hitchcock gegenüber Truffaut einige strukturelle & inhaltliche Schwächen des Werks aus, das er insgesamt sogar für „missglückt“ hielt („[...] Der Film war voll von Ideen, aber im Ganzen etwas missglückt. Ich glaube, ich weiß auch warum. In einem Abenteuerfilm muss die Hauptperson ein Ziel haben, das ist von vitaler Bedeutung für die Entwicklung des Films und dafür, dass der Zuschauer wirklich teilnimmt. Er muss den Helden unterstützen. Ich möchte fast sagen, ihm helfen, ans Ziel zu gelangen. In `Secret Agent` hat der Held zwar eine Aufgabe zu vollbringen, aber die ist ihm zuwider, und er versucht, ihr auszuweichen“ – HITCHCOCK zu TRUFFAUT).

Die besagte „Aufgabe“, vor der „Richard Ashenden“ John Gielgud zurückschreckt, weil diese ihm dann „zuwider“ ist, erzeugt, laut „Hitch“, in Geheimagent eine gewisse „Verzögerung“ und einen „Leerlauf“, was einem Spannungs-Virtuosen wie Hitchcock, der stets auch die Reaktion der „audience“ im Hinterkopf hatte, letztendlich nur missfallen konnte („Er soll einen Menschen töten, und er will das nicht. Das ist ein negatives Ziel, und das Ergebnis ist ein Abenteuerfilm, der nicht vorankommt, der leerläuft. Die zweite Schwäche des Films ist seine Überdosis an Ironie, Ironie des Schicksals. [...] Als der Held sich schließlich darauf einlässt, die Ausführung des Mordes zu übernehmen, irrt er sich in seinem Opfer und tötet einen anderen. Für das Publikum war das schlecht“ – HITCHCOCK zu TRUFFAUT).

Truffaut bezeichnete in seiner Interview-Session „Mr. Hitchcock...“ den Film irrtümlicherweise als einen „Hitchcock-Film ohne Happy End“ und merkte an, dass der „villain“ letzten Endes eher „per Zufall stirbt“, aber nicht ohne vorher noch „den Helden auszuschalten“.

Nun, bekanntlich wird nicht „Richard Ashenden“ nach dem „Zug-Unglück“ erschossen, sondern der „Hairless Mexican General“ Peter Lorre, aber Truffaut hat, auf seine eigene „Erinnerungslücke“ bezüglich des Films hinweisend sowie auf jene von Hitchcock, der den „offensichtlichen Fehler in der Inhaltsangabe“ im Gespräch ebenfalls nicht korrigierte, dennoch die daraufhin folgenden interessanten Ausführungen des „Suspense-Meisters“ zum Thema „Happy End“ in sein Buch aufgenommen („In gewissen Fällen ist das Happy End nicht notwendig. Wenn Sie das Publikum gut in der Hand haben, folgt es Ihrer Argumentation und akzeptiert auch einen unglücklichen Schluss. Vorausgesetzt, es hat im Verlauf des Films genug befriedigende Elemente gegeben“ – HITCHCOCK zu TRUFFAUT).

 

They’re making movies on location“: Abgesehen davon, dass John Gielgud, wie berichtet, wegen der Konstellation „Dreharbeiten fast den gesamten Tag über / jeden Abend in `Romeo und Julia` auf der Theater-Bühne stehen“ einen gewissen terminlichen Druck während der Dreharbeiten verspürte, geriet zum Hauptproblem des berühmten Shakespeare-Mimen, dass Alfred Hitchcock, sein Regisseur, mehr oder weniger das Interesse an der Figur des „Richard Ashenden“ verlor, weil „Hitch“ seine Kamera (als „Chefkameramann“ fungierte, wie auch schon bei den 39 Stufen und später bei Sabotage, Jung und unschuldig sowie Riff-Piraten: Bernard Knowles) sozusagen bevorzugt auf Madeleine Carroll richtete, die, in der Tat, in dem Werk großartig „eingefangen“ und sorgfältigst, speziell, was ihre Gesichtsausdrücke anbelangt, geführt wurde. Im Nachhinein war, wie Hitchcock später mehrfach betonte, Madeleine Carroll auch „the only aspect“ von Geheimagent, an dem er wirklichen Gefallen fand.

Verzeihen Sie, aber Sie scheinen zu übersehen, Mr. Spade, dass der Falke zwar in Ihrer Hand, Sie aber in der unseren sind“ (der Gangster „Joel Cairo“ Peter Lorre bedroht den Privatschnüffler „Sam Spade“ Humphrey Bogart in John Huston’s legendärem Regie-Erstling Die Spur des Falken von 1941 mit einer Pistole) – mit Peter Lorre (1904 – 1964; geboren in der heutigen Slowakei, damals sozusagen in „Österreich-Ungarn“), welcher seit Fritz Lang’s M als „internationale Berühmtheit“ galt und schließlich, wegen seiner jüdischen Herkunft, vor dem Nazi-Regime floh und in der Folge bekanntlich sowohl in „Great Britain“ als auch in den „United States“ in „great movies“ wie etwa „The Maltese Falcon“ (OT), dem „Startschuss“ für den „so called“ „Film noir“, mitwirkte, war ja bereits Teil der „Cast“ von Hitchcock’s „The Man Who Knew Too Much“ gewesen.

Das Problem mit Lorre (der mit dem „Master der Suspense“ im Übrigen „auf derselben Wellenlänge“ war, was den Humor im Allgemeinen und die Schwäche für „üble Scherze“ anbelangte) bei den Dreharbeiten zu „Secret Agent“ war jetzt weniger, dass er, wie „der blutdürstige `General` / der `bloodthirsty` `Hairless Mexican`“, den ich im Übrigen für den mit Abstand interessantesten Character des Werks halte, das mehrfach im Film macht, plötzlich „überraschend irgendwo auftauchte und im Raum stand“. Im Gegenteil: Vielmehr war Lorre damals, wie das der Hitchcock-Biograf Donald Spoto in „The Dark Side of Genius“ so bezeichnet hat, ein „[...] bemitleidenswerter Morphiumsüchtiger [...]“ und verschwand nach Aufnahmen oftmals in diversen Ecken des Filmstudios, um dieser „addiction“ nachzugehen.

Vor der Kamera führte Lorre’s Zustand dazu, dass er Gielgud, Carroll & Young in den Szenen gleichsam „ungeplant die Show stahl“ und unerwartete und vor allem nicht geprobte „elements“ einbaute.

Watch out, love bites“ (Copyright: der Song „Love Bites“ von Def Leppard): Wenn man aber „unerwartete & ungeprobte Elemente“ von Seiten Lorres erwähnt, so muss man auch festhalten, dass zum Beispiel die durchaus gelungene Szene, in welcher Robert Young & Madeleine Carroll in einer Kutsche sitzen und Young sozusagen, um einen äußerst modernen Begriff zu verwenden, sein übliches „Love Bombing“ betreibt und Carroll unter anderem auch fragt, ob er sie „beißen“ darf, spontan entstanden ist, soll heißen: tatsächlich improvisiert war, was für Hitchcock bekanntlich ungewöhnlich und im Grunde seiner sonstigen Arbeitsweise völlig konträr war.

Der bedeutende französische Schauspieler & Theater-Theoretiker Michel Saint-Denis, der den Schweizer Kutscher spielte, welcher Zeuge des „Geplänkels zwischen `Robert Marvin` & `Elsa Carrington`“ ist, kam zu seiner Rolle als „Coachman“, weil er damals gerade zufällig „his good friend“ John Gielgud am Set besuchte.

 

Für Alfred Hitchcock behielt „Secret Agent“, der unterm Strich ernsthafter und weit weniger „spielerisch“ als Die 39 Stufen daherkommt, also mehr oder weniger Zeit seines Lebens und seiner Karriere den Status einer „Enttäuschung“, aber das Werk hat wahrlich mehr zu bietet als nur „eine schöne Madeleine Carroll“, die sich von der „unbegründet enthusiastischen & leichtfertigen Agentin Elsa“ plötzlich zum „moralischen Gewissen der drei Schweiz-Touristen“ wandelt.

Geheimagent mit seinem durchaus mitreißenden finalen „climactic train journey through middle Europe“ bietet, letztendlich, zahlreiche Elemente auf, die später das „Spy-Genre“ entscheidend geprägt haben und wirkt, wie mehrfach angedeutet, ab und an sogar tatsächlich wie eine „Vorstufe“ zur James-Bond-Serie oder auch zu ungleich seriöseren „Spionage-Versuchen“ innerhalb der Filmgeschichte.

 

Sie ist sehr schön, aber ein wenig, finde ich – es ist nicht freundlich, das von einer Frau zu sagen –, gleich sie Peter Lorre, vielleicht wegen ihrer Augen“ (TRUFFAUT zu HITCHCOCK über die US-amerikanische Schauspielerin Sylvia Sidney): Nach „Secret Agent“ drehte Hitchcock Sabotage (Co-Star von Sylvia Sidney: der in Wien geborene Oscar Homolka), welcher ebenfalls 1936 in die Kinos kam und auf einem 1907 erschienenen Roman meines Lieblingsschriftstellers Joseph Conrad (z. B.: 1899: „Herz der Finsternis“ / 1904: „Nostromo“) basierte, der den Titel „The Secret Agent“(!) trug, was, wie Truffaut in „Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht?“ anmerkte, später, wenig überraschend, oftmalig zu einem „Durcheinander in Hitchcock’s Filmografien“ geführt hat.

Obwohl auch Sabotage, den man wiederum nicht mit Hitchcock’s US-Werk Saboteure (1942) verwechseln darf, heutzutage ebenfalls als „künstlerisch überwiegend rehabilitiert“ gilt und „seine Fans gefunden hat“, so gaben sich seinerzeit in ihren Interview-Sessions weder Truffaut noch Hitchcock sonderlich angetan von dem Werk, wobei „Hitch“ sich sogar zu der Aussage hinreißen ließ, dass der Film, in dem übrigens auch ein vollbesetzter Bus aufgrund einer Bombe mit Zeitzünder explodiert, „etwas sabotiert“ sei und dass er, mit Ausnahme einiger Szenen, „unordentlich“ und „geschludert“ erscheine.

 

 

 

 

EPILOG

 

 

I’m not saying we’re as good as Hitchcock. But we’re nearly as good as Hitchcock

&

Don’t lose your head /

If you can’t pay the price

 

(ZITAT 1: eine bereits im Abschnitt über Die 39 Stufen zitierte Aussage des Mit Schirm, Charme und Melone-Mastermind Brian Clemens, dem der „Master of Suspense“ eben auch als erster „Bezugspunkt“ eingefallen ist, wenn es um „auf Filmmaterial gebannte Kriminalfälle“ geht, und seien diese auch noch so „bizarr“ & „Spy-Fi“-artig, wie das oftmals bei den „Avengers“ der Fall gewesen ist; // ZITAT 2: aus dem Song „Don’t Lose Your Head“ der australischen Rock-Gruppe INXS aus dem Jahr 1997, welcher im selben Jahr auch „part of the soundtrack“ des mitreißenden John Travolta-Nicolas Cage-Duells Im Körper des Feindes war; in der Mit Schirm, Charme und Melone-Folge „Weihnachten – Ein Alptraum“ sieht sich „John Steed“ Patrick Macnee in einer der Traumsequenzen einer Guillotine sowie einer Frau namens „Janice Crane“ gegenüber, die den Korb für seinen „verlorenen Kopf“ sozusagen „bereits mitgebracht hat“ und in ihren Händen hält)

 

 

 

Aber das ist doch einfach. Ein Rückfall in Ihre Kindheit. Als Sie zum ersten Mal entdeckt haben, dass es gar keinen Weihnachtsmann gibt

Ach toll, ist das so?

&

Steed! Steed! Wachen Sie auf! [...] Ich habe mich entschlossen, Sie zu verwöhnen. Kaviar, Wachteleier, Spargel, Ihr Lieblingskäse. Ich hab‘ sogar eine Flasche Champagner

&

`Alles Gute für die Zukunft. Cathy`

Mrs. Gale. Oh, wie nett, dass sie sich an mich erinnert. Was tut sie denn da in Fort Knox?

 

(aus: „Weihnachten – Ein Alptraum“; ZITAT 1: aus einem Dialog zw. „Peel“ & „Steed“; Diana Rigg (psycho-)analysiert die „Präsenz“ eines „Weihnachtsmannes“ in Macnee’s „Nightmares“, welcher, was die „visual appearance“ anbelangt, „aus einem Horror-Movie“ entsprungen sein könnte, und klärt ihn darüber auf, dass es „den Weihnachtsmann in Wahrheit gar nicht gibt“; // ZITAT 2: „Mrs. Peel“ Diana Rigg taucht in „Steed’s“ Wohnung auf und möchte ihren soeben wieder von rätselhaften Alpträumen geplagten Partner mit seinen „Lieblings-Nahrungsmitteln“ & seinem „Lieblings-Getränk“, wie sie meint, „verwöhnen“; // ZITAT 3: in einer der ironischsten & witzigsten Szenen einer an sich recht dunkel & ernsthaft geratenen Mit Schirm, Charme und Melone-Episode liest „Emma Peel“ Diana Rigg „John Steed“ Patrick Macnee diverse Weihnachtskarten vor, die er erhalten hat, so etwa von Frauen mit den Namen „Amy“, „Charlotta“ & „Irma“; die wichtigste Karte stammt aber gleichsam von ihrer Vorgängerin an der Seite von „Steed“, nämlich von „Cathy Gale“; als Macnee sich die „Christmas Card“ von „Mrs. Gale“ ansieht und sich über deren „Aufenthalt in Fort Knox“ wundert, so ist das, „of course“, ein ironischer Seitenhieb auf Honor Blackman’s Rolle der „Pussy Galore“ an der Seite von Sean Connery in dem James-Bond-Abenteuer Goldfinger)

 

 

 

`Und der Großherzog von York / [...] Er hat so viel Soldaten / Wenn die mal nicht mehr schießen wollen, dann schmeißen sie mit Tomaten` ...Ach, ich singe gar nicht mal so schlecht

 

(aus: „Weihnachten – Ein Alptraum“; Auszüge aus einem der „(strange) songs“, die der anscheinend „dem Nervenzusammenbruch nahe & `abwesend` wirkende John Steed“ Patrick Macnee während der Episode in seinem Schlafzimmer auf dem Anwesen von „Brandon Storley“ zum Besten gibt, wobei „Mrs. Peel“ Diana Rigg die „aus seiner Sicht gar nicht mal so schlecht ausgeführten Gesangseinlagen“ ihres Partners, wie sie dann einmal durchklingen lässt, „auf die Nerven gehen“)

 

 

Yes, it’s Christmas / Thank God it’s Christmas / For one night“ (Copyright: der Song „Thank God It’s Christmas“ von Queen) – nun, das Problem mit sogenannten „Weihnachtsfolgen“ im Rahmen von TV-Serien ist zweifellos, dass diese oft unsagbar öde sind und im Grunde „wenig hergeben“.

Alles an Mit Schirm, Charme und Melone hatte in gewisser Weise „Ausnahmestatus“, und auch die, wenn man sie überhaupt so benennen will, in Schwarzweiß gedrehte „Weihnachtsfolge“ der Serie, nämlich „Too Many Christmas Trees“ (OT; 1965; Drehbuch: Tony Williamson / Regie: Roy Baker), die von den Machern mit dem „Motto“ „Steed Hangs Up His Stocking, Emma Asks for More“ versehen wurde, ist eine Art „dark classic“ innerhalb der „Avengers“, dem, das habe ich „somewhere“ bereits erwähnt, in der Regel der Status einer „Must-See“-Episode zugeteilt wird.

Sweet dreams are made of this“, sang das britische Pop-Duo Eurythmics in den 1980er-Jahren, aber „John Steed“ Patrick Macnee kann in „Weihnachten – Ein Alptraum“ von „sweet dreams“ nur träumen, denn er wird von „mysterious nightmares“ heimgesucht, was auch „Mrs. Peel“ Diana Rigg mit gewisser Sorge beobachtet.

That was no game, just now! And you know it!“ (Diana Rigg fragt „Jeremy“ Barry Warren im Rahmen einer Weihnachtseinladung im Haus des fanatischen Charles-Dickens-Fans „Brandon Storey“ danach, was „Janice Crane“ & Co mit dem „Agenten & damit Geheimnisträger“ Patrick Macnee vorhaben, womit sie schließlich dem „psychischen / psychologischen Experiment“, in dessen Zentrum ihr Partner offenbar steht, auf die Spur kommt) – zu den Ausgangspunkten der Story von „Too Many Christmas Trees“: Agent John Steed wird von „bad dreams“ heimgesucht, und gleich zu Beginn durchlebt er so einen Traum, in welchem er sich einer „Landschaft“ bestehend aus künstlichem Schnee & künstlichen Bäumen gegenübersieht. In dieser „Theaterkulissen-artigen“ Landschaft findet Steed dann ein Paket mit einem „Merry Christmas“-Wunsch, welches aber scheinbar nur eine Fotografie von ihm selbst enthält. In der Folge stellt er sich vor einen Spiegel und hinter ihm taucht plötzlich ein „gruseliger“ Weihnachtsmann auf, der ihm deutet, dass er mit ihm mitkommen soll. Was der „Bad Santa“ dem Agenten dann präsentiert, ist eine Leiche, die mit Socken in einem „bed“ liegt, bevor der Weihnachtsmann in eine Art „höhnisches Gelächter“ verfällt.

Aus diesem Traum aufgewacht bekommt Steed, der etwas „durch den Wind“ wirkt, Besuch von Mrs. Peel, die sich sofort nach dem Zustand ihres Partners erkundigt, der am Abend zuvor offenbar noch ein Treffen mit einem Konteradmiral hatte und ihr dann zögerlich von seinem wiederkehrenden Alptraum erzählt (aus den zugehörigen Dialogen zw. Rigg & Macnee: EMMA PEEL: „Seien Sie nicht so verschlossen. Sagen Sie mir, was los ist“ / JOHN STEED: „Es ist nichts. Ich hab‘ nur in der letzten Zeit nicht so gut geschlafen. Ich hatte Alpträume“ / EMMA PEEL, die ihm auf die Stirn greift, um seine „temperature“ zu messen: „Sie haben kein Fieber. Vielleicht träumen Sie von Ihrer Vergangenheit“ / JOHN STEED: „So schlimm war die gar nicht. Will ich hoffen“).

Daraufhin erzählt Steed Emma Peel, dass „in letzter Zeit“ ein paar Geheimsachen, ein paar Top-Security-Unterlagen, in die falschen Hände geraten seien, zu denen nur er selbst sowie sein Kollege und „old friend“ Frederick „Freddy“ Marshall Zugang gehabt hätten, wobei Marshall die Leiche war, mit der Steed in seinem Traum konfrontiert worden ist („psychoanalytischer“ Kommentar von EMMA PEEL: „Daran ist Ihr Unterbewusstsein schuld. Er wurde in Ihrem Traum umgebracht, weil Sie nicht mehr mit ihm zusammenarbeiten wollen“). Kurz nach der Freddy-Marshall-Story sieht sich das Agenten-Duo einer „Mystery Death in Hotel Room“-Zeitungsmeldung gegenüber, aus der hervorgeht, dass Marshall tatsächlich tot ist.

Nach dieser auf rätselhafte Weise mit dem Traum von Steed zusammenfallenden Meldung wird der Zuschauer mit einem „drehbaren Tisch“ konfrontiert, auf dem sich vier Bilder/Fotografien des verstorbenen Marshall befinden, die von vier (nicht erkennbaren) Personen durch Fotografien von Steed ersetzt werden, der daraufhin „at home“ furchtbar müde wird und in einem Traum sich wiederum dem „höhnischen Gelächter“ des Weihnachtsmannes ausgesetzt sieht (der dieses Mal aber quasi nur in Form eines „Pappkarton-Weihnachtsmann-Antlitzes“ präsent ist). Außerdem träumt Steed von einem Gebäude mit „Schloss-artigen“ Türmen.

I don’t sleep, I dream / I’ll settle for a cup of coffee / But you know what I really need“ (Copyright: der Song „I Don’t Sleep, I Dream“ von R.E.M.) – diesmal weckt ihn Mrs. Peel, die mit einem Einkauf bei ihm in der Wohnung steht, aus dem Alptraum und Steed teilt ihr gleichsam den „Obduktionsbericht“ bezüglich Freddy Marshall mit, der an einem „Hirnkrampf“ gestorben sein soll (aus den zugehörigen Dialogen zw. Rigg & Macnee: EMMA PEEL: „Sie meinen, das ist ein Schlaganfall gewesen?“ / JOHN STEED: „Ein Nervenzusammenbruch von so ungeheurem Ausmaß, dass sein Hirn es nicht mehr verkraften konnte und, bildlich gesprochen, explodierte. So ähnlich hat es der Arzt beschrieben“).

Im Rahmen der Durchsicht seiner Weihnachtspost schlägt „Emma“ „John“ vor, sie zu dem Weihnachtsfest des Verlegers und Charles-Dickens-„Super-Fan“ Brandon Storey (Mervyn Johns) zu begleiten, zu dem sie eine Einladung durch ihren „alten Freund“ Jeremy Wade (Barry Warren) erhalten hat.

Mitten unter den Glückwunschkarten von diversen „women“ und seiner Ex-Partnerin Dr. Catherine Gale findet sich dann auch eine „Card“ mit Glückwünschen, aber keinerlei Absender, woraufhin wieder das Gelächter des Weihnachtsmanns ertönt.

The quality of a lady’s performance is not measured by her years“ („John Steed“ zu „Emma Peel“, die gerade, auf dem Weg zum Anwesen von „Brandon Storey“, gemeint hat, dass sein „Oldtimer-Car“ eigentlich ins „British Museum“ gehöre) – seltsamerweise scheint Steed aber nicht nur während der Autofahrt „intuitiv“ den „correct way“ zur „Storey-Mansion“ zu kennen, sondern dessen Haus erweist sich als exakt jenes „Anwesen mit Schloss-ähnlichen Türmen“, das der Agent aus seinem Traum kennt. Und „inside the house“ wird Steed mit den gleichen „Geschenks-Paketen“ konfrontiert, die auch in seinen „nightmares“ zugegen waren.

Als klar ist, dass Emma Peel John Steed wirklich zu dem, was den gesamten „visuellen Stil“ innerhalb des Hauses anbelangt, von den „works of Charles Dickens“ geprägten Fest eingeladen und mitgenommen hat, sprechen Peel’s Bekannter Jeremy Wade sowie ein gewisser Martin Trasker (Alex Scott), der ungleich „bösartiger & entschlossener“ als „Jeremy“ wirkt, untereinander von einem „Experiment“ im Zusammenhang mit Steed, bei dem auch das „Medium“ Janice Crane (überzeugend: Jeanette Sterke) eine Rolle spielt (MARTIN TRASKER zu JEREMY WADE: „[...] Sie ist eine tolle Frau, Jeremy. Neben ihr sind wir beide nichts als blutige Anfänger“), die auch bald persönlich bei dem ominösen Fest auftaucht und Steed sowohl auffällige „Müdigkeit“ als auch weitere „bad dreams“ von Guillotinen und „lachenden Weihnachtsmännern“ beschert, in denen sie außerdem selbst in einer „Hauptrolle“ als „Korbträgerin“ auftaucht, wobei Mrs. Peel „very soon“ die Ernsthaftigkeit dieser auf Steed bezogenen „`psycho-games` mit handfestem Spionage-Hintergrund“ bewusst wird...

Will you please stop singing!“ (Rigg zu Macnee, als „John Steed“ in seinem „bedroom“ im Haus von Storey zumindest so tut, als wäre er bereits „verrückt & am Rande eines Nervenzusammenbruchs“ und eben, wie weiter oben bereits erwähnt, nur mehr „seltsame bis mäßig witzige bzw. nervige Lieder“ in ihrer Gegenwart singt) – grundsätzlich gehört Weihnachten – Ein Alptraum“ zweifellos zu den visuellen Meisterwerken der TV-Serie, denn die Folge bietet dem geneigten Mit Schirm, Charme und Melone-Zuschauer eine ganze Reihe an kunstvollen Großaufnahmen & Überblendungen. Vor allem die „Close-Ups“ der zusammen mit anderen an ihrem „Tisch mit Fotografien von John Steed“ sitzenden „Janis Crane“ Jeanette Sterke wären hier hervorzugehen, da diese praktisch aus einer Art „schrägen Obersicht“ gefilmt sind und daher besonders effektiv wirken und ein wenig so, als würde „das Medium Crane“ dabei „almost directly“ in die Kamera blicken.

Ein besonderes Highlight im Zusammenhang mit Schnitt-Technik & Großaufnahmen ist hier auch jene Szene, in der „Janis Crane“ eine Kostprobe ihres „Gedankenlesens durch Einsatz übersinnlicher Kräfte“ abgibt. Bei dieser als „Party-Spiel“ getarnten Hellseherei-Aktion assistiert ihr Macnee und nach ein paar harmloseren „Mind-Reading-Demonstrationen“ (z. B. ein Notizbuch betreffend) soll Macnee aus einem Stapel Spielkarten eine beliebige „card“ ziehen und ihm „erscheint“ dann auf dieser, den dort abgebildeten „König“ quasi „ersetzend“, der „Horror-Weihnachtsmann“, was Macnee gleichsam wieder in einen „leicht verstörten Zustand“ versetzt (JANIS CRANE dabei in Richtung JOHN STEED: „Sie entgleiten mir, lassen Sie nicht los! Denken Sie an nichts anderes als an die Karte! Öffnen Sie Ihr Unterbewusstsein!“).

Die Schnitte auf die Partygäste, welche das Geschehen „gespannt bis schadenfroh“ verfolgen, die die Macher hier gesetzt haben, sind auffällig effekt- und kunstvoll, wobei der beste Moment schließlich jener ist, als Diana Rigg das „Psycho-(Karten)-Spiel“ stört & beendet, indem sie absichtlich ein Glas fallen lässt (EMMA PEEL, nachdem sie das Glas fallengelassen hat, dabei lächelnd: „Ich bin so ungeschickt“) und somit die allgemeine Aufmerksamkeit von „Crane’s Demonstration“ abzieht.

Die Traumsequenzen in „Too Many Christmas Trees“ wirken vielleicht nicht ganz wie, wenn man so will, „von Luis Buñuel & Salvador Dalí ersonnen“ (Anmerkung: Dalí hatte ja einst sogar für Alfred Hitchcock’s Ich kämpfe um dich aus 1945 eine „dream-sequence“ konzipiert), aber sie sind gelungen, durchaus suggestiv & spannend und zuweilen sogar „angsteinflößend“, und der „French Revolution“-artige Traum, in dem „Madame Guillotine“, also: „Janice Crane“, das erste Mal mit ihrem „Korb“ auftaucht und Macnee offenbar „seinen Kopf verlieren soll“, ist natürlich ein besonderes „(Alp-)Traum-Highlight“ innerhalb dieser Mit Schirm, Charme und Melone-Episode. Wichtig zu erwähnen in diesem „dream“-Konnex ist, dass Macnee diesen Traum erst im Haus des Dickens-Fanatikers „Storey“ hat und kurz darauf die gerade dort eintreffende Jeanette Sterke sieht, sozusagen „the woman from his French-Revolution-dream“, die also plötzlich „in the flesh“ vor ihm steht (Erklärungsversuch von „Mrs. Peel“ bezüglich der „nightmares“, den sie ihrem Bekannten „Jeremy Wade“ mitteilt, der als einziger Beteiligter an dem „Experiment“ ein schlechtes Gewissen zu haben scheint: „[...] Steed hatte schlimme Alpträume, und diese Träume hat man ihm durch Telepathie aufgezwungen“).

Eine interessante Geschichte, all das hier. Diese besessene Sammelleidenschaft. Man könnte es fast als Zwangsneurose bezeichnen. Dennoch glaube ich, das Storley’s Sammlung von Dickensianer einzigartig in der Welt ist. Ist es wahr, dass er einige Originalmanuskripte besitzt?“ (der ebenfalls undurchsichtig agierende Psychiater & Partygast „Dr. Felix Teasle“ Edwin Richfield über den „Dickens-`fanatic`& -Sammler Brandon Storey“ zu „Emma Peel“) – tja, Diana Rigg „looks great“ in „Dickens-Klamotten“ und als „Oliver Twist inkl. Mütze“ (Kommentar von JOHN STEED: „Fabelhaft, das steht Ihnen gut“), denn diese fragwürdige „Christmas-Party“ verlangt das Tragen von Kostümen von diversen Figuren aus dem Dickens-Universum. Patrick Macnee wird vom Gastgeber ein „Sydney Carton“-Outfit zugewiesen, einem „character“ aus dem Dickens-Roman „Eine Geschichte aus zwei Städten“ (1859), der vor und während der „Französischen Revolution“ spielt.

Jeremy! Jeremy! Was geht hier vor?“ („Emma Peel“ zu „Jeremy Wade“ nach „Crane’s“ „Kartentrick“ bei dem von ihr zuvor ausgewählten „Assistenten“ „John Steed“) – ein veritables „Spannungshighlight“ von „Too Many...“ ist ganz zweifellos jene Szene, in welcher Diana Rigg „Jeremy Wade“ in „The Hall of Great Expectations“ treffen will, in der „Halle der `Großen Erwartungen`“, die nach eine der bekanntesten Arbeiten von Dickens benannt ist. Dort will der besagte „Jeremy“ nämlich bezüglich des „psychologischen Experiments“ auspacken, doch da „Janis Crane“ & „Martin Trasker“ gegen „Wade“ bereits Verdacht schöpfen, findet ihn Rigg in der „hall“ nur mehr tot vor.

Die Szene ist aber deshalb erwähnenswert und „spooky“, weil Rigg die dunkle „Halle der `Großen Erwartungen`“ nur mit einem Kerzenleuchter „bewaffnet“ betritt und die Leiche von „Jeremy“ Barry Warren dann gleichsam in Spinnweben eingehüllt auf einem Stuhl platziert vorfindet, was schließlich zu einer eher ungewöhnlichen Geste oder Reaktion bei „Mrs. Peel“ führt, denn diese hält sich „vor Schreck oder Betroffenheit“ plötzlich die Hand vor den Mund.

Gelungen ist, „without the shadow of a doubt“, auch das Finale im „Spiegelraum“, in dem sich „Emma & John“ in ihren historischen Dickens-Kostümen einer ganzen Reihe an Spiegeln gegenübersehen, die allerdings ihr Spiegelbild „verfremden, entstellen“, da ihre Gesichter von den „mirrors“ quasi bizarr „in die Länge gezogen“ bzw. zum Teil auch irgendwie „verbreitert“ werden.

So wie die Traumsequenzen von „Weihnachten – Ein Alptraum“ vielleicht nicht ganz „Buñuel & Dalí“ sind, so ist der „Schluss-Fight“ im „Mirror Room“ auch nicht ganz mit Orson Welles‘ legendärem „shootout in a hall of mirrors“ in seinem Film-Noir-Kino-Klassiker Die Lady von Shanghai (1947; mit Rita Hayworth) zu vergleichen, aber die Szene ist, aufgrund des „Täuschungspotenzials“ von Spiegeln, „Suspense-reich“ und Rigg erschießt sogar einen der Angreifer, die dort auf sie und Macnee warten.

Einen visuellen „magic moment“ im Rahmen des „Spiegelraum-Finales“ stellt auf jeden Fall die Szene dar, in der der „böse Weihnachtsmann“, welcher gleichzeitig das „Evil Mastermind“ hinter dem „Psycho-Spiel“ mit dem „Geheimnisträger Steed“ ist, auf Diana Rigg schießt, aber die Kugel, wie man schnell merkt, lediglich ihr Spiegelbild getroffen hat.

It’s that pen you gave me. It broke. ...See, what I mean?“ (Diana Rigg zu Patrick Macnee am Ende des „mirror room fight“, ihm die besagte „pen“ präsentierend) – noch eine weitere überraschende „Emma Peel“-Reaktion hat „Too Many...“ zu bieten, nämlich den Umstand, dass sie plötzlich, nachdem der „Evil Santa Claus“ besiegt ist, in Tränen ausbricht. Der Grund dafür ist aber nicht „sadness“, sondern das „James Bond“-artige Gadget, das ihr Macnee im Laufe der Episode ausgehändigt hat, nämlich einen „Kugelschreiber, der eine Art Tränengas freisetzt“ und dies im Laufe der turbulenten Abläufe im Spiegelraum auch getan hat, da er, irgendwo versteckt in ihrer „Oliver Twist“-Kleidung, zerbrochen ist.

Apropos „007“: Wirkliche „bad dreams“ oder „nightmares“ beschert einem nicht der durchaus auch den Spannungs- & den Einsatz der Kamera betreffenden Standards des „Meisters der Suspense“ gerecht werdende Mit Schirm, Charme und Melone-Klassiker „Weihnachten – Ein Alptraum“, sondern eher Patrick Macnee’s „Altersrolle“ an der Seite des im Laufe von 12 Jahren Bond-Serie ebenfalls sichtlich „gealterten“ Roger Moore in Im Angesicht des Todes (1985), denn dort agiert der Agent „Sir Godfrey Tibbett“ Macnee als „Chauffeur“ von Moore und wird von „May Day“ Grace Jones in einer Waschanlage ins Jenseits befördert.

Killing Tibbett was a mistake“ (Roger Moore im Original zu dem Bösewicht „Max Zorin“ Christopher Walken, als dieser ihn mit dem toten Macnee konfrontiert) – ein „alptraumartiger“ Moment, der dem ausgewiesenen Mit Schirm, Charme und Melone-Fan dann sozusagen „fast das Herz bricht“, ist jener, als man Macnee, der, so wie alle James-Bond-Darsteller immer „James Bond“ bleiben, immer „John Steed“ bleiben wird, als „dead man“ auf dem Rücksitz einer Limousine platziert sieht.

 

 

 

DAS ENDE

von

Geheimagent

&

von

 „FILMVERRÜCKTER UND SERIENJUNKIE 3“ (Arbeitstitel)

(März 2025 - März 2026)

 

 

 

 

 

 

(TEIL 2 & EPILOG; Fassungen vom 10.03.2026 & vom 16.03.2026)